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Bilder um den Lebenslauf der LetheKarl Michaelsen Trotz ihres schmalen Laufes und ihres munteren Dahinströmens ist die Lethe unter lhresgleichen nicht mehr die Jüngste. Ihr tiefes Bachbett, welches sie in die Dünenlandschaft der Knökelsberge und der Sager Heide ein-gegraben hat, ist das Ergebnis einer Erosionsarbeit von vielleicht schon 10 Jahrtausenden. Sie begann ihren Lauf wahrscheinlich bereits in der frühen Nacheiszeit, um 8000 v. Chr. Mit zunehmender Erwärmung hatte sich in der vorletzten (Saale-)Eiszeit der skandinavische Eiskuchen von über 1000 m Dicke bei uns endgültig zurückgezogen und gewaltige Schuttmassen in Form von Sand, Ton, Geschiebemergel und Felsgeschieben in seinen Grund- und Endmoränen zurückgelassen. Ihrer bemächtigten sich die Schmelzwassermassen der folgenden Nacheiszeit und lagerten diesen Verwitterungsschutt über den festen Gesteinsschichten der Tertiärzeit in unterschiedlicher Dicke von bis zu 300 m ab. Darin finden sich bei uns in regellosem Wechsel feine und grobe Sande mit Lehm- und Tonnestern und eingeschlossenen Steingeröll von unterschiedlicher Größe (Findlinge, erratische Blöcke). Sie lieferten später das Baumaterial für unsere Großsteingräber in der Jungsteinzeit. Die tiefen Materialgruben der benachbarten Kalksandsteinwerke, z. B. bei der Siedlung Lethe, bei Höltinghausen und bei Huntlosen, sind interessante Bodenaufschlüsse und gestatten tiefere örtliche Einblicke, die noch durch die Bohrkerne der Oel- und Gasbohrungen ergänzt werden. Vor den buckligen Endmoränenzügen der Dammer- und Fürstenauer Berge ist in Richtung Wildeshausen-Cloppenburg-Meppen eine breite, nur flach gewölbte Grundmoräne zur Ablagerung gelangt, die örtlich bei der Drantumer Mühle, südlich der Garther Heide, die Höhe 61,4 m erreicht und gleichmäßig nach N und S abfällt. Sie bildet die Wasserscheide zwischen Hase im S und Hunte-Ems im N. Nur wenige flache Mulden sind auf ihrem N-hang hängen geblieben, die später vermoorten und aus ihren Quellnischen kleine Bachläufe mit Wasser versorgten. Hier nimmt auch unsere Lethe in einem, östlich aus dem Langen Moor und einem, westlich aus dem Haler Moor kommenden Quellbach gabelförmig ihren Ursprung, während von derselben Kuppe die benachbarte Landwehrbäke (auch Engelmannsbäke) nach O und die Soeste (bei Emstek) nach W abfließen. Zwischen dem sumpfigen Quellgebiet der Lethe und der Landwehrbäke, beiderseits der alten Heerstraße Oldenburg - Wardenburg - Sage - Vechta (heute B 69), einige km südlich Ahlhorn, verlief im Mittelalter ostwestlich die "Rutenower Landwehr" als Sperre auf das Dorf Varnhorn zu. An ihrem W-Ende erbaute Bischof Ludwig II von Münster 1342/43 die Burg Rutenau (castrum Rutenowe), auch "Alte Burg" genannt, in den Besitzstreitigkeiten zwischen dem Bistum Münster und den Oldenburger Grafen. Bis hierher ging das beiderseitige Geleit. Die Burgstelle ist mit ihrem jetzt trocken liegenden Burggraben und den Wällen noch gut kenntlich und lohnt vielleicht eine Ausgrabung. (B 69, km 30, Feldweg westlich an Kläranlage vorbei, etwa 800 m bis zum Schnitt mit dem Forstfahrweg). Beim Gut Lethe ist unser Bach schon so wasserreich, daß er einen Mühlenstauteich und eine Mühle treiben konnte. Der in seinem oberen Abschnitt teilweise verwachsene Teich ist heute Naturschutzgebiet. Es lohnt sich sehr auch hier einmal zu wandern, wenn möglich mit dem Meßtischblatt in der Hand, um mit Hilfe der Höhenlinien das Gefälle der Lethe von der Geest zu verfolgen. Die Luftlinie Drantumer Mühle - Letheknie westlich vom Blockhaus zeigt einen Abfall von 61,4 auf 30,1 m, bis zur Straße Sage - Garrel sogar von 40 m. Das erklärt uns die folgenden Besonderheiten im Zuge des Bachlaufs. Ab Gut Lethe und besonders ab Forsthaus Lethe beginnt er sich im dünig werdenden Gelände einzugraben und mit terrassenartigen hohen Ufern und breiter werdender Talaue eine herrliche Landschaft zu gestalten, anfangs 3 km direkt nördlich, dann je 2,5 km mit fast rechten Winkeln westlich und wieder nördlich über die Sager Straße hinaus. Kurz hinter den Gebäuden der Fischmeisterei ist in einem Fahrweg die Lethetalsperre eingebaut, die das oberhalb gelegene Tal, zurück bis zum Forsthaus, in einen langgestreckten Stausee und Fischteich verwandelt. Aus ihm wird mit Hilfe von Zuleitern zwischen hochliegenden Dämmen das Wasser für die zahlreichen Fischteiche entnommen. Das Ablassen dieses Sperrteiches im November lockt viele Schaulustige an, da der Fischbesatz hier natürlichartenreich gehalten wird, im Gegensatz zu den einseitig besetzten Futterteichen, und prächtige Exemplare von Karpfen, Schleien, Zandern, Hechten, Aalen u. a. wandern am Sperrsieb in die Wannen. Die Feldwege und Jägerpfade beiderseits dieses oberen fast verwachsenen und nährstoffreichen Stauteils liefern dem Naturfreund zu jeder Jahreszeit Einblicke in typische Pflanzengesellschaften von Weiden- und Erlenbruchwald und von Ufer- und Schwimmpflanzen. Laichkräuter, Wasserhahnenfuß, Wasserprimel und Wasserampfer entfalten im Mai-Juni ihre Blütenfelder und bilden Brutverstecke für allerhand heimisches Wassergeflügel (Fernglas!), so schön und vollständig wie kaum an anderer Stelle im Oldenburger Lande. (Ähnlich nur im Naturschutzgebiet der Talsperre Thülsfelde). Die Hebung des Grundwasserstandes in der gesamten Umgebung der Fischteiche kommt auch dem Baumwuchs in den anschließenden Forsten sehr zu gute. Nur wenige malerische Bestände von Krüppeleichen um alte Tümpel und Schlatts herum erinnern noch an die ehemals trockensandige Heidelandschaft vor 1920, in der jahrhunderte-, wenn nicht schon jahrtausendelang seit der Bronzezeit eine intensive Schafbeweidung in der gemeinen Mark die dünne Heidedecke zerstört, und dann der Wind große und tiefe Mulden ausgeblasen hatte, die Vorformen der heutigen Fischteiche. Es war ein Gebiet, nicht vom "Herrgott oder Teufel im Zorn erschaffen", sondern vom Menschen in seiner Unkenntnis der biologischen Abhängigkeiten verschuldet. Mensch und Haustier schufen die heute so vielbesungene Heide und diese unter der verarmten und ausgebleichten Oberschicht (Bleicherde) den Eisenortstein. Diese braunschwarze Eisenverbindung der Humussäure, mit Sand verkittet hart und wasserundurchlässig, im Laufe langer Zeiträume immer dicker werdend (bis zu 30 cm und darüber), machte größeren Wurzeln das Eindringen zu den nährstoffhaltigen unteren Bodenschichten unmöglich. Daher der verkrüppelte Baumwuchs. So ist die Heide eine (Un)Kulturlandschaft, keine natürliche Lebensgemeinschaft, was viele romantische Schwärmer gar nicht wissen. Nur tief durch den Ortstein aufgebrochen und stark gedüngt, wird ein Heideboden allmählich wieder zu brauchbarem Ackerland. Die vielen Schlatts in unseren Heidelandschaften sind Wasseransammlungen in mit Ortstein abgeschlossenen Böden. Durch Einbringen nur weniger Bohrlöcher in solche wassergefüllten vermoorten Senken hat unser Heimatforscher Dr. h. c. Schütte in der jung aufgeforsteten Sandkruger Heide solchen Tümpeln wieder zu "normalem" Leben verholfen, als Demonstration für uns Anfänger in der Heimatkunde. Nur 100 m nördlich der Talsperre, dicht östlich des am Wege hinführenden Zuleiters liegt die noch rätselhafte Steinsetzung der "Apostelsteine" mit 14 großen liegenden Findlingen, in einem sonst an größeren Geschieben nicht gerade reichen Feinsandgebiet. Aufgemessen lassen sie im Grundriß die Anordnung in einem großen und kleinen Kreis von 13 m bzw. 10 m Durchmesser erkennen und dazu einen nach N in Richtung der Sommersonnenwende abgesetzten Zielstein. In theoretischer Deutung handelt es sich hier wahrscheinlich um eine "Kalender"- Anlage der Großsteingräberzeit (um 2000 v. Ohr.). Zwei Kammergräber derselben Zeit, in der Nähe der heutigen Kolonie Lethe, sind leider zerstört, eins lieferte aber bei einer Nachuntersuchung eine Reihe prächtiger Gefäße. Ein drittes, auch zum Lethegebiet gehörig und ebenfalls zerstört, lag südlich vom Baumweg, etwa bei km 42 der B 213. Die Grube in einer kleinen Baumgruppe ist noch gut zu erkennen. Diese Sippengräber beweisen uns, daß die Lethe mit den sie begleitenden Wiesengründen, ähnlich wie die Niederungen der Engelmannsbäke, Siedelungsgebiet der schon bäuerlich seßhaften indogermanischen Großsteingräberleute gewesen ist, im 3. Jahrtausend v. Ohr. Der Name Lethe ist, wie auch "Soeste" und "Hunte" nach Meinung von Fachleuten nicht aus dem Germanischen abzuleiten, sondern wahrscheinlich keltisch und aus ferner Vorzeit überliefert. Eine Reihe von Hügelgräbern, um den Ahlhorner Forstteil "Almsweg" herum, ist jüngeren Alters. Sie deutet aber auf eine ununterbrochene Besiedelung in den nachfolgenden vorchristlichen Jahrhunderten hin. Bachabwärts der Talsperre beginnt nun als Glanzstück, wie in einem erdgeschichtlichen Bilderbuch, eine typische tiefeingeschnittene Flußauebildung. Das Hindernis der nach N wieder auf 36-37 m ansteigenden Dünenlandschaft zwang unser Flüßchen mit geringem Gefälle zum zögernden Hinundherpendeln in vielen Schlingen (Mäandern) und zum tiefen Einschneiden in die hier feinkörnige nacheiszeitliche Flugsandecke. Allzuleicht ist die hier noch nicht genügend verfestigte Staubsandschicht auch bei schwacher Strömung aufzuweichen und abzutransportieren. Das gibt die Erklärung für das erstaunlich tiefe Einschneiden. Durch hingeworfene Papier-oder Holzstückchen können wir leicht den Stromstrich, die Linie der stärksten Strömung, feststellen. Er läuft immer am Außenrand der Krümmungen. Hier an der Prallstelle wird das Steilufer angegriffen, unterspült und zum Absturz gebracht. Der aufgeweichte Schutt wird stromabwärts entführt und je nach Geschwindigkeit und Korngröße als Schlamm, Sand oder auch Kies an der Innenseite des Bogens wieder abgelagert. So wühlt sich der Bachbogen immer weiter nach außen, aber entgegengesetzt auf der Innenseite wächst halbmondförmig die Anlandungszone der Talaue. Prallstelle und Anlandestreifen wechseln am selben Ufer miteinander ab. Die anfangs schwachen Windungen verbreitern sich mehr und mehr zu größerer. Schlingen mit immer schmalerem Hals, bis dann das nächste Hochwasser hier durchbricht und den Lauf verkürzt. Mit ständiger Wiederholung ist in dieser Weise im Laufe der letzten Jahrtausende die nach N immer breiter werdende schluchtartige Talaue der Lethe entstanden. Gegenüber den Apostelsteinen oder gegenüber vom Gasthaus "Zum Karpfen" oder von der Holzbrücke südlich des Blockhauses gewinnt man nach beiden Seiten einen tiefen Einblick in die mit Birken-Erlenbruchwald bestandene jüngste und unterste Flußterrasse, in die der Bach stellenweise schon einen neuen, noch tieferen Einschnitt, beginnt. Hier ist besonders im lichten Frühlingsgrün eine Wanderung beiderseits auf der Steiluferterrasse recht lohnend, wenn man ihre Versumpfung infolge durchsickernden Grundwassers, verstärkt durch die hochliegenden Zuleiter, nicht scheut. Nebenbei kann hier die Ausscheidung von Eisenhydroxid (Fe(OH)3) in Gelform in Grüppen und Tümpeln beobachtet werden, gefördert durch den Luft- und den Assimilationssauerstoff der Pflanzen. Ähnlich vollzieht sich aus kohlensaurer oder humussaurer Lösung in feuchten Wiesen die Bildung des Raseneisenerzes und unter der Heide die des Ortssteins. In der trockenen Nacheiszeit (Postglacialzeit) spielte aber auch der Wind bei der Gestaltung dieser Landschaft eine ganz besondere Rolle. Unsere Heimat glich bezüglich der Pflanzendecke einer noch fast kahlen Kältesteppe, und kalte und trockene Stürme brausten über die mit wenig Bewuchs noch schutzlos daliegenden Schmelzwasseraufschüttungen und wirbelten die feinkörnigen Bestandteile mit sich fort. Bei abnehmender Geschwindigkeit, hier durch das Bachtal gebremst, wurden sie fallengelassen und häuften sich zu Dünen auf. Das geschah bei den vorherrschenden Nordwestwinden zumeist an der Ostseite, mehr oder minder weit in das Land hinein. So müssen wir uns die, die Lethe begleitenden Dünenzüge, z. B. die Knökelsberge beim Blockhaus, den Großen und den Kleinen Sand in der Nähe des Sager Meeres und die Dünenlandschaft der Litteler Fuhrenkämpe entstanden denken. Ein großer Teil der Sandhügel, die heute die benachbarten größeren Flüsse, wie Soeste, Hase, Ems, Hunte (Osenberge) u. a. teils auf beiden Ufern, teils nur auf einem, begleiten, dürften sich auf diese Weise schon in der Nacheiszeit gebildet haben. Andererseits sind aber bis in die neuere Zeit im Binnenlande Dünenfelder und Ausblasungsmulden entstanden, z.B. in der Nähe die "Sandpfänder" um Sage und die "Sager Schweiz", wo durch Schaftriften und Ackerbau ohne genügenden groben Stalldung die schützende Pflanzendecke zerstört wurde, und trockene Winde die staubigen Bestandteile des Bodens wieder in Bewegung setzten. Hier mußten die Bauern ihre Felder durch Windzäune aus Buschwerk vor Versteppung und Wehsanddünen schützen. Diese zumeist baumfreien und trockenen Flußdünen hat der alt- und mittelsteinzeitliche Mensch, als Sammler, Jäger und Fischer, vorzugsweise zu Wohnplätzen benutzt, wie die vielen Flintgerätfunde beweisen. Als Halbnomade kannte er noch keine Seßhaftigkeit, da der Wohnplatz nach Erschöpfung der Nahrungsquellen öfter gewechselt werden mußte. Aus Strauchwerk roh gebildete Windschirme und bestenfalls um leichte Pfosten geflochtene ovale Kuppelhütten von 2 x 3 m, wie sie vereinzelt gefunden wurden, gaben ihm vorübergehende Zuflucht. Feinere und gröbere Feuersteinabschläge oft von kennzeichnender Form und, in besonderen Glücksfällen, Haufen von abgeschlagenem Flintmaterial (sog. Schmieden) verraten dem absuchenden Vorgeschichtler seine Anwesenheit. Aus dem Spaascher Sand (bei Wildeshausen) und auf dem freigeblasenen Untergrund einer wieder in Bewegung geratenen Wanderdüne im Naturschutzgebiet der Thülsfelder Talsperre kennen wir zwei solcher Werkplätze sogar aus dem Ende der Altsteinzeit (um 7-8000 v. Chr.). Sie lieferten gut gearbeitetes Groß- und Kleingerät aus Flint, wie Klingen, Schaber, Bohrer, Speer- und Pfeilspitzen u.a. (Museum Oldenburg). Schon reicher sind unsere Kenntnisse aus der folgenden Jungsteinzeit. So fanden sich kurz vor dem Kriege unter 1 1/2 m Wiesenmoor in einem von Palisaden geschützten Dorf der Großsteingräberleute am Ausfluß der Hunte aus dem Dümmer 11 ein- und zweiräumige Giebelpfostenhäuser von 4 x 6 m mit lehmbeworfenen Flechtwänden, Feuerstellen innen und außen, Steinschmieden und Resten von Bodenbelag aus rohen Dielen. Im Schlamm der vorbeiziehenden Hunte fanden sich in den Dorfabfällen in vorzüglicher Erhaltung Gefäßteile und Scherben der Tiefstichkeramik, Horn- und Knochengeräte, Knochen von Jagd- und Haustieren, dazu die Waffen aus Flint, Felsgestein und Hirschhorn. (Funde durch Kriegseinwirkung nur zum Teil erhalten in den Museen von Oldenburg und Hannover). Eine weitere Ausgrabung einer ähnlichen Siedlungsschicht am Südufer des Dümmer ist z. Zt. noch in Bearbeitung. - Übertragen wir diese reichen Ergebnisse auf unser Lethegebiet, so können wir uns, ergänzt durch reiche Funde aus den benachbarten Großsteingräbern der Ahlhorner Heide, ein gut unterbautes Bild vom Leben unserer Vorfahren in dieser frühen Zeit machen. Sie werden lückenlos ergänzt durch viele Funde aus der nachfolgenden Bronze- und Eisenzeit, bis in die frühgeschichtliche Zeit hinein. Wir wollen aber unsere lehrreichen Spaziergänge entlang der oberen und mittleren Lethe nicht abschließen ohne einen Blick auf das Naturschutzgebiet um das Große und Kleine Sager Meer zu werfen. Beide liegen neben der Siedlung Beverbruch in einer ringsherum teilweise vermoorten Senke in 18 m Meereshöhe, verbunden durch einen 8 m langen Kanal. Der Abfluß erfolgt nach N über das Heumoor durch den sog. Meerkanal in die Lethe. Nach dem Meßtischblatt erkennen wir als Durchmesser N-S 425 m und als größte Weite SO-NW 575 m, also ca. 0,2 qkm Oberfläche. Dabei soll das größere Meer eine Wassertiefe von 25 m haben, zusätzlich einer Faulschlammschicht von 8 m, also eine Gesamttiefe von etwa 33 m. Das ist verglichen mit dem nacheiszeitlichen Ausblasungsbecken des Dümmer von 1,5-2 m Tiefe und dem mutmaßlichen Senkungsbecken über Salzlager des Zwischenahner Meeres mit bis zu 5 m Tiefe ein auffallender Unterschied. Grundwasser- und Regenwasserzufluß erhält es vom ansteigenden 0- und S-Ufer her (2,5-4 m Höhendifferenz), während das W-Ufer mit 16 m bis zur Lethe mit dem Spiegel des Meeres etwa gleiche Höhe hält. Änderungen der Höhe sind seit Menschengedenken nicht beobachtet worden, Zufluß und Abfluß halten sich also die Waage. Heideseen, sog. Schlatts, gibt es in Nordwestdeutschland eine Unmenge, auch einige von ähnlichen Ausmaßen. Sicher ist deren Alter und Entstehung im einzelnen noch nicht genügend untersucht, ein ähnliches Breiten-Tiefen-Verhältnis von 1: 15 ist bisher nicht bekannt geworden. Sicher ist das Meer, wie die Lethe, eiszeitlichen Alters. Der Einwand, es müßte dann lange zugewachsen sein (siehe Niedersachsen-Atlas) ist nicht stichhaltig. Die Frage, ob das an der W-Seite anschließende Moor nicht einmal ein Teil des Meeres war, ist im Schnittprofil noch nicht geklärt, und die Faulschlammschicht von 8 m deutet doch auf sehr lange Vermoderungsprozesse der Ufervegetation hin. Der bei unseren Westwinden oft heftige und hohe Wellenschlag zerschlägt immer wieder den Zusammenschluß einer Schwimmpflanzendecke, was auch an viel flacheren Seen zu beobachten ist. Die weitere im Niedersachsen-Atlas bevorzugte Hypothese, es könnte sich um ein langsam nachsinkendes Auslaugungsbecken über einen in der Tiefe lagernden Salzstock handeln, ist auch nicht voll überzeugend. Bei der geringen Fläche des Sees - verglichen mit der analogen Deutung der Senke des Zwischenahner Meeres - müßte es sich um einen sehr hoch aufragenden kleinen Salzdom handeln, der beim Aufquellen das feste Deckgestein bis in die Sanddecke des Diluviums (200-300 m!) hinein durchstoßen haben müßte. Sonst hätte ja keine Absenkung (sog. Erdfall) erfolgen können. Zur Klärung der interessanten Frage bieten sich auch die Ergebnisse der vielen Bohrungen nach Oel und Erdgas in der Nachbarschaft an. Das nach einem Einsturz aus der Tiefe zwangsweise aufsteigende Salzwasser, wie etwa bei Stade und Lüneburg, ist nicht beobachtet. So erscheint mir die Annahme des eiszeitlichen Ursprungs unseres "Meeres" noch am einleuchtendsten. Wie an der Meeresküste kalbten auch auf dem Lande die Gletscher bei ihrem Rückzug noch Norden, und Eisberge, sog. Toteisblöcke, blieben abgetrennt (tot) vor dem geschlossenen und beweglichen Eisrand liegen. Eingebettet im weichen Schmelzwasser-Schutt wurden sie bei den jahreszeitlichen oder auch klimabedingten Vor- und Rückzügen des Gletschers immer tiefer in den Untergrund eingedrückt und schließlich hoch überschüttet. Auf diese Weise gut isoliert, konnten sie bei fortschreitender Erwärmung, auch als das Eis sich schon weit nach Skandinavien zurückgezogen hatte, nur langsam abschmelzend, über erstaunlich lange Zeiträume erhalten bleiben. Erst ganz allmählich bildete sich durch Absinken des Deckenschutts der Erdfall und füllte sich mit Wasser zum See. Bei näherem Zusehen hat man in Niedersachsen davon mehrere aufgefunden. Bald sind sie mit Wasser, bald mit kleinen Mooren ausgefüllt oder auch ganz leer, so z. B. die Alkenkuhle bei Bersenbrück. (Nach Fr. Hamm). Toteis spielt auch bei heutigen Gebirgsgletschern im Vorland eine große Rolle. Am Malaspinagletscher in Kanada wächst auf 1-1,5 m Schutt über Toteis sogar Wald, und bei Abo in Finnland beobachtete man jahrelang in einer Kiesgrube in 22 m Tiefe eine 3 m mächtige Eisschicht mit großen Geröllen. An ihren Schichtungen zählte man rund 10000 Jahre(!) altes Toteis, geradezu ein Musterfall für unser Sager Meer. Hier müssen wir unsere Lethewanderung abbrechen. Bei näherem Zusehen vermag auch eine scheinbar alltägliche Landschaft interessante Dinge zu erzählen. Der aufgeschlossene Leser unter den Blockhausbesuchern möge durch sie angeregt werden, durch eigene Beobachtungen der Erdgeschichte dieser schönen Oldenburger Gegend nachzugehen. Eine an Erlebnissen und Erinnerungen reiche Freizeit wird es ihm lohnen. Zur Vertiefung der Lektüre empfohlen:Niedersachsen-Atlas, Text- und Bildband
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