Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1969: Blockhausbrief Nr. 14

Inhalt:

Titel
An den Mond
Das Geschenk
Bilder um den Lebenslauf der Lethe
Geschichte des Waldes - Erdgeschichte - Menschheitsgeschichte
Ruhe und Arbeit
Aus der Chorchronik des Oldenburger Jugendchores vom 12 Juli 1947
Der Kompaß
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 11.11.1968 bis 15.11.1969
  Johann Wolfgang von Goethe

An den Mond

J. W. v. Goethe
Füllest wieder Busch und Tal
still mit Nebelglanz,
lösest endlich auch einmal
meine Seele ganz;

breitest über mein Gefild
lindernd deinen Blick,
wie des Freundes Auge mild
über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
froh- und trüber Zeit,
wandle zwischen Freud' und Schmerz
in der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd ich froh;
so verrauschte Scherz und Kuß,
und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
ohne Rast und Ruh,
rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,

wenn du in der Winternacht
wütend überschwillst,
oder um die Frühlingspracht
junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
ohne Haß verschließt,
einen Freund am Busen hält
und mit dem genießt,

was, von Menschen nicht gewußt
oder nicht bedacht,
durch das Labyrinth der Brust
wandelt in der Nacht.

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