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Durch die Sager Heide vor siebzig JahrenG. Pleus Ich wanderte über die duftende Heide, wo zahlreiche Bienen ihren Tisch reichlich gedeckt fanden, über knisterndes, dürres Moos, durch losen Flugsand und tief ausgehöhlte Schaftriften. Von einem runden Heidhügel, dem Tempel, hielt ich Umschau und sah vor mir im Harthullengrund eine Schnuckenherde, deren Schellengeläute ich schon vorher vernommen hatte. Der Schäfer, in einen langen "Heiken" gehüllt, kam mir gemessenen Schrittes entgegen. Kleidung und Haltung dieses klugen, heilkundigen Mannes erinnerten mich an die Hirten unserer Vorfahren, an die Priester in heidnischer Zeit. Manches wußte mir mein Nachbar in seiner witzigen Weise über dies und das, über den und die zu erzählen. Doch nun mußte ich aufbrechen, um zum Ziel meiner Wanderung, dem Sager Meer, zu kommen. Tief eingebettet liegt es im Moor, und erst als ich auf der sogenannten Meerhöhe stand, trat der Moorsee in mein Blickfeld. Sinnend glitt mein Blick über den im Sonnenlicht glitzernden, von einem sanften Windhauch leicht gekräuselten Meeresspiegel. Ich schritt an das sandige, schilfbewachsene Ostufer des "großen Meeres". Ab und an erschien über dem Spiegel des hier noch flachen Gewässers der breite Rücken eines Riesenhechtes. Sicher hatten diese Tiere das biblische Alter weit überschritten. Im Herbst jenes Jahres gelang es einem Jäger aus Großenkneten, in dem sogenannten Kanal, der das Großeund das Kleine Sager Meer miteinander verbindet, einen Hecht im Gewicht von etwa 35 Pfund zu erbeuten. Doch mit Moos war auch dieser Fischmethusalem noch nicht bewachsen, wie solche in schalkhafter Aufmachung vor einigen Jahren auf einer Ausstellung in Oldenburg vom Besitzer des Meeres gezeigt wurden, sondern er hatte einen glatten Kopf, so glatt, wie die Glatze eines Apothekers, aber auch ein gefürchtetes, großes Maul. Damals war noch der oldenburgische Staat Eigentümer des Sager Meeres, später hat er es für ein Spottgeld verkauft; allerdings, aber in schlechte Hände ist es nicht gekommen. Die Fischerei war vom Staate an zwei Oldenburger Herren verpachtet, die sich im Hinblick auf kulinarische Genüsse wunderbar ergänzten; denn der eine war Delikatessen- und der andere Weinhändler. Mit zahlreichen Setzangeln gingen sie den Hechten zu Leibe, aber der Erfolg war häufig recht kümmerlich; denn die Meeresungeheuer waren an Grips manchen anderen Geschöpfen anscheinend überlegen. Ich trat den Heimweg über Bissel und Haast nach Sage an. Von derMeereshöhe schweifte mein Blick noch einmal über die unendlich große Heide und über das weite Moor, und meine Gedanken gingen in vergangene Zeiten zurück, wo es noch kein Bissel, Beverbruch, Halenhorst und Hengstlage gab. Wie schauerlich öde und verlassen mußte damals dem Wanderer diese weite Landschaft erscheinen! Aber war denn diese Gegend auch in früheren Jahrhunderten oder Jahrtausenden immer nur mit Heide und Moorgräsern bedeckt gewesen, und hatten Baum und Strauch niemals ein Anrecht am Boden geltend gemacht? Nun, es hat Zeiten gegeben, wo auch hier Busch und Wald, vielleicht vorherrschend vor der Heide waren. Das beweisen die zahlreichen Baumwurzeln, die noch überall im Moore stecken, das zeigen alte Karten und lehren alte Urkunden in Akten und Flurnamen, daß an der Lethe entlang bis Littel fast überall Eichengestrüpp stand. Noch zu Anton Günthers Zeiten machte das Amt Cloppenburg das Recht auf den Hau von Brennholz in der Rehe, einem Eichengehölz oder -gestrüpp an der sogenannten Meerbeke, geltend. Die Lethe war damals und auch später, wie eine Karte von Leverkus zeigt, noch nicht die Grenze zwischen den Ämtern Wildeshausen und Cloppenburg. Ebenfalls sagen uns die Namen der Ortschaften Bissel, früher auch Büßel und Büschel genannt, Haast und Halenhorst, daß diese Gebiete Gehölz aufweisen. Auch Flurnamen, wie z. B. Eekenbusch, kurze Busch, Hente-Weh, Schweinekofen, Händeler, Pagenstall und andere, zeigen Holzbestand an. Was war die Ursache, daß der einst reiche Holzbestand in dieser Gegend bis auf einen kleinen Rest verschwand, und daß die Heide sich immer weiter ausbreitete? Einmal war es der Mensch, dar infolge seiner Vermehrung immer mehr Ackerland bedurfte, und dazu den guten Waldboden nahm und der zu Hausbauten und Geräten, zum Heizen und zur Herstellung der Zäune um Hof und Garten und mancherorts zur Abwehr des Flugsandes wie z. B. im Sager Sand, viel Holz gebrauchte. Zum andern war es besonders die fortwährend zunehmende Zahl der Heidschafe, die verheerend auf den Holzbestand wirkten. Sie vernichteten nicht nur den vorhandenen Wald, sondern sie verhinderten durch Verbiß der Holzsämlinge den Nachwuchs. Dar Nadelbaum, der ohnehin damals keine wirtschaftliche Bedeutung für die Bauern hatte, verschwand allmählich ganz aus den Gehölzen. Für Ersatz des gefällten Holzes und für Schutz des Waldes sorgte man in alter Zeit überhaupt nicht. Dies geschah erst in den letzten Jahrhunderten, wo die Regierung wegen der bedrohlichen Holzarmut durch strenge Maßnahmen zur Anpflanzung und Erhaltung des Waldes zwang. Heute zeigt die Gegend um Sage ein viel freundlicheres Gesicht als vor siebzig Jahren. Die große Heidefläche ist bis auf Reste verschwunden, und Äcker, Wiesen und Weiden erfreuen das Auge des Wanderers. |
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