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Kurzbeiträge der Gäste
zwischen dem 13.11.1967 und dem 10.11.1968 (Auswahl)
VH Bremen-Nord, Bremen / Pf. Wagner
(20 Teilnehmer, 20.1.-21.1.1968)
Zum Thema "Warum neue religiöse Lieder?" wurden zahlreiche Beispiele verschiedenen Typs vorgeführt, gesungen und untersucht. Leitfragen waren dabei zu den Texten:
- Werden sprachliche Klischees gebraucht?
- Wird etwas konkret oder allgemein ausgesagt?
- Ist die Aussage der biblischen Vorlage getroffen?
und zur Musik:
- Wird die Aussage des Textes unterstrichen?
- Stimmt die Komposition in sich?
Viele Texte enttäuschen wegen einer weinerlichen Selbstbemitleidung, die sich in ihnen ausspricht. Am besten gelingen offensichtlich Vertonungen von Bibeltexten. Gelungen erscheinen auch manche Chansons, die Humor und Konkretheit der Aussage vereinen wenn sie auch leider zuweilen die Aussage des Bibeltextes nicht treffen (z. B. Cocagnac: Zachäus).
Berufstätige, Oldenburg / Diakon Herrmann
(20 Teilnehmer, 10.2-11.2.1968)
Das Landesjugendpfarramt hatte junge Berufstätige zu einem Wochenende ins Blockhaus Ahlhorn eingeladen. "Werden wir richtig informiert?" Unter diesem Thema hatte Diakon Herrmann die Veranstaltung vorbereitet. Zur Einführung schauten sich die Teilnehmer einen Film an, wie eine Zeitung entsteht. Nach einer Aussprache über den Einfluß der Zeitungen, des Rundfunks und des Fernsehens auf die Meinungsbildung im Volke, trafen sich die jungen Leute zu einem Abend, den sie "Journalistenball" nannten.
Am Sonntag wertete man zehn verschiedene Tageszeitungen nach Inhalt zu bestimmten Tagesfragen aus. Wenn man sich eine richtige Meinung bilden will, müßte man verschiedene Zeitungen lesen. Das war zum Abschluß der Arbeitstagung die einhellige Meinung der Teilnehmer. Es ist auch der Wunsch geäußert worden, daß das Landesjugendpfarramt diese Art Bildungsarbeit fortsetzen möchte.
Studentengemeinde, Oldenburg / Pf. Wagner
(15 Teilnehmer, 12.2-13.2.1968)
Auf Einladung der Ev. Studentengemeinde Oldenburg kamen AStA-Vertreter von lngenieurakademien aus ganz Niedersachsen zusammen. Gegenstand der Konferenz war die Analyse der Bildungsmöglichkeiten für Ingenieure in unserem Land. Die Teilnehmer erarbeiteten einen Entwurf für das Gesetz zur Ingenieurakademiereform, das demnächst zur Beratung im Landtag ansteht. Der Entwurf wurde dem VDI zugeleitet.
ÖTV-Bremen, Bremen / Frau Just
(28 Teilnehmer, 11.3-15.3.1968)
Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Bezirksverwaltung Weser-Ems, Bremen, führte in der Zeit vom 11.-16.3. 1968 zum vierten Male ein bezirkliches Wochenseminar im Evangelischen Blockhaus Ahlhorn durch. Das Interesse an dieser Bildungsveranstaltung war auch in diesem Jahr beträchtlich. Neben 23 Teilnehmern waren auch 5 Teilnehmerinnen gekommen, um ihre Kenntnisse über gesellschaftspolitische Fragen zu erweitern. Auf dem Themenplan stand u. a. "Soziale Sicherheit - eine Aufgabe unserer Zeit", "Die Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik", "Lohnpolitik in der wachsenden Wirtschaft", ,Die gesellschaftspolitische Situation in der Bundesrepublik (eine soziologische Analyse)", "Arbeitsvertragsrecht - Tarifvertragsrecht".
Die Teilnehmer, die aus ganz verschiedenen Wirtschafts- und Verwaltungszweigen wie z. B. Stadtverwaltungen, Krankenanstalten, Bundeswehr, Verkehrsbetriebe, Hafenumschlagsgesellschaft, Polizei und Kriminalpolizei, Stadtwerken usw. kamen und dazu noch unterschiedlichen Berufsgruppen angehörten, hatten es bei dieser Themenfülle nicht immer leicht. Wenn es die unterschiedliche Interessenlage ergab, wurden in den jeweils sehr lebhaften Diskussionen die verschiedensten Standpunkte erörtert, bevor man die gemeinsame Basis fand.
Wie Bezirksleiter Wilhelm Pape in seiner Begrüßungsansprache betonte, betrachtet die Gewerkschaft ÖTV die Schulungs- und Bildungsarbeit als eine ihrer vornehmsten Aufgaben. Die Mitglieder sollen kritische, urteilsfähige Staatsbürger werden, die gut informiert sind und sich gegenüber den immer größer werdenden Anforderungen behaupten können. Das gilt sowohl für das Berufsleben wie auch im politischen Raum.
Die bezirklichen Seminare bedeuten einen ersten Schritt auf diesem Wege. Daß sie in einer landschaftlich so reizvollen Gegend und bei so guter kulinarischer Betreuung wie im Ev. Blockhaus Ahlhorn durchgeführt werden, bedeutet für die im Unterricht hart geforderten Teilnehmer einen angenehmen Ausgleich.
Oldenburger Jugendchor / OStR. Kanngießer
(68 Teilnehmer, 2.4.- 4.4.1968)
Jahr um Jahr war der Oldenburger Jugendchor an bestimmten Wochenenden zu Gast im Blockhaus, doch am 2. April traf sich ein größerer Kreis singefreudiger Jugendlicher an dieser von uns so gern besuchten Stätte. Ehemalige Choristen und Freunde des Chores gesellten sich zu uns, um unter der Leitung von Gottfried Wolters, Hamburg, die Bach-Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden" zu erarbeiten.
Der "Arbeitskreis für Musik in der Jugend" (AMJ) war der Träger dieser herrlich erfüllten Chortage, und Gottfried Wolters, der Vorsitzende dieser Deutschen Foederation junger Chöre und Instrumentalgruppen, verstand es meisterhaft, die 80 aus nahezu allen Richtungen unseres Oldenburger Landes versammelten Teilnehmer zu einer guten Choreinheit zu bringen. Unter seiner temperamentvollen, mitreißenden Leitung wurde die Bach-Motette zum Lobe Gottes gestaltet. Es wurde musikalisch sehr intensiv geprobt, bis jeder zu der Freiheit von der Notenschrift gelangte, die ihm ermöglichte, sich ganz der Führung des Chorleiters anzuvertrauen. Gottfried Wolters vollbrachte das auf eine unnachahmliche Weise, die das Singen unter ihm so mühelos leicht werden läßt.
Zwischendurch führte er uns singend und musizierend durch europäische Länder, sang allein und mit uns ungarische und slowakische Volks- und Tanzweisen, alles unversehens zu kleinen instrumental begleiteten Liedkantaten zusammenfassend. Daneben betreute Heinz Kanngießer die Streicher, eine Flöten- und eine Blechbläsergruppe.
Viel zu schnell verging die Zeit. Nach dem letzten Singen der Bach-Motette, die wir mit Instrumenten begleiten konnten, verabschiedete sich Gottfried Wolters zu einer Singwoche nach Dänemark, nicht ohne uns zu der Zusicherung beglückt zu haben, daß er sehr gerne wiederkommen werde, weil ihm die Arbeit mit den Teilnehmern der Chortage im Blockhaus und seiner reizvollen Umgebung viel Freude bereitet habe.
So weit sich vorausschauen läßt, kann ein solches Treffen vor Ostern 1969 wieder stattfinden.
(Magda Kanngießer)
Schülertagung, Oldenburg / Pf. Dettloff
(23 Teilnehmer, 15.6-17.6.1968)
"Frieden mit der DDR" war das Thema einer Tagung, zu der das Landesjugendpfarramt der Ev-luth. Kirche in Oldenburg vom 15.-17. Juni im Blockhaus Ahlhorn eingeladen hatte. Hier war ein Kreis politisch interessierter Jugendlicher zusammengekommen, vornehmlich Schüler aus den Oberstufen der Gymnasien, um sich am Tag der deutschen Einheit mit den brennenden politischen Fragen auseinanderzusetzen.
Die Teilnehmer der Tagung registrierten anerkennend die Möglichkeit einer umfassenden politischen Information in der Bundesrepublik. Sie fühlten sich allerdings in dieser Flut der Nachrichten allein gelassen. Weder im Elternhaus noch in der Schule gäbe es für sie hinreichende Hilfen, um sich aus der Unsumme der Einzelnachrichten eine umfassende Meinung bilden zu können. Das was im Gemeinschaftskundeunterricht der Schule angeboten würde, reicht weder der Form noch dem Umfang nach bei weitem nicht aus, um diese Hilfe leisten zu können. Darum sei man dankbar, wenn die evangelische Kirche mithelfe, diese Lücke auszufüllen.
Soldaten, Oldenburg I / Pf. Töllner
(27 Teilnehmer, 20.6.-21.6.1968)
In den letzten Jahren trafen sich Soldaten aus Europa und Afrika in Musée Desert in den Cavennen zum internationalen protestantischen Soldatentreffen. Für die protestantischen Soldaten in Frankreich, die in der Diaspora leben, bedeutet ein solches Zusammensein eine Stärkung im Glauben. In diesem Jahr mußte dieses Treffen ausfallen. Dafür hatte Militärpfarrer Töllner zu einer Begegnung ins Blockhaus eingeladen. Der leitende französische Militärpfarrer Happel aus Baden-Baden, der protestantischen Kirche in Frankreich, war mit jungen Franzosen dieser Einladung gefolgt. Dekan von Seggern referierte über: "In Frankreich ist vieles anders" und "Protestantismus unter ganz anderen Bedingungen". Daran schlossen sich Gespräche mit den französischen Gästen an.
Soldaten, Verden / Pf. Kirschner
(35 Teilnehmer, 24.6-27.6.1968)
Vom 24. bis 27. Juni habe ich im Blockhaus mit einem Zug der 3. Kompanie des Schweren Pionierbataillons 120 aus Barme eine Rüstzeit durchgeführt. Thema: Friedens- und Wehrbereitschaft des Christen. Es ist immer wieder bitter notwendig, mit den Wehrpflichtigen über diese Frage ins Gespräch zu kommen, weil viele das Christentum mit dem Waffendienst nicht vereinbaren können. Oft heißt es: das 5. Gebot besagt doch "Du sollst nicht töten"; wieso kann sich ein Christ da an der Waffe ausbilden lassen? Immer von neuem. müssen wir den Sinn der Gebote erhellen, der den Dienst am Nächsten meint und durchaus nicht verneint, daß im Grenzfall auch eine wehrhafte Nächstenhilfe notwendig sein kann. Darüber haben wir uns unterhalten und vor allem auch über die vielen Möglichkeiten, die es für den Christen gibt, als Friedensstifter tätig zu werden. Die friedvolle Atmosphäre des Blockhauses, die uns beispielsweise durch die in der Hausgemeinschaft mitlebenden Schwalben und Bienen deut ich wurde, trug wesentlich zum Gelingen der Rüstzeit bei. War die Problematik zu anstrengend geworden, so verhalf ein Sprung in den Helenenteich zu Abstand und neuer Frische. Diese Art der "freiwilligen Pioniertaufe" hat allgemein zugesagt.
Oldenburg-Stiftung, Oldenburg / Herr Logemann
(13 Teilnehmer, 4.7.1968)
Die Gründung der Oldenburg-Stiftung ist auf einen Landtagsbeschluß vom Jahre 1946 zurückzuführen, der besagt, daß die bisherigen Länder, zu denen auch das frühere Land Oldenburg gehörte, in ihrer Eigenart, Kultur und Tradition gefördert werden sollten. Das veranlaßte die Stadt- und Landkreise, die Verwaltungen der oldenburgischen Kirchen und Kammern, die oldenburgischen Heimatvereine, die Landvolkverbände, die Gewerkschaften, viele Organisationen und Einzelpersönlichkeiten, die "Oldenburg-Stiftung", eine Art Kulturparlament, zu gründen.
Nach den Satzungen der Oldenburg-Stiftung ist es ihre Aufgabe "alle oldenburgischen kulturellen Bestrebungen und Einrichtungen außerhalb des staatlichen Bereiches zusammenzufassen und zu pflegen".
Die Heimatpflege erstreckt sich auf alle Wissensgebiete, die in Arbeitsgemeinschaften behandelt werden, wie Landesgeschichte, Familienkunde, Niederdeutsche Sprache und Schrifttum, Vor- und Frühgeschichte, Pflanzenkunde, Ornithologie, Heimatmuseen und Sammlungen, Klootschießen und Boßeln, Naturschutz- und Landschaftspflege, Denkmalschutz, Kunst und Kunsthandwerk, Niederdeutsche Bühnen, Volkstum und Brauchtum sowie die Förderung der besonderen kulturellen Bestrebungen der Vertriebenen.
Für die Förderung dieser Aufgaben hat die Niedersächsische Landesregierung einen jährlichen Betrag in Höhe von DM 40.000,- zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen Leistungen der Stadt- und Landkreise mit einem Zuschuß von 2 Pfg. je Einwohner, während ein weiterer erheblicher Anteil durch Spenden und Beitragsleistungen der Mitglieder einkommt. Fast alle Gemeinden sind Mitglied der Oldenburg-Stiftung.
Ein von den Stadt- und Landkreisen gewählter Vorstand führt die Geschäfte der Stiftung und wird von dem "Stiftungsrat" unterstützt, der aus mindestens 25 Mitgliedern besteht und dem Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und der Heimatverbände angehören.
Neben der Förderung der kulturellen Aufgaben, hat die Oldenburg-Stiftung iie Möglichkeit, bedeutende Persönlichkeiten und Heimatforscher durch die Verleihung eines Kulturpreises oder einer Ehrengabe auszuzeichnen. Außerdem können junge Wissenschaftler und Künstler durch eine Fördergabe geehrt werden.
Der Niedersächsische Kultusminister hat die kulturpflegerische Aufgabe der Oldenburg-Stiftung als ein echtes Anliegen der Selbstverwaltung bezeichnet, das im Zeitalter des technischen Fortschritts täglich neu gestellt wird. Sie kann nur gelöst werden, wenn eine Vielzahl von Menschen in Freiwilligkeit und Idealismus mit zupackt. Nicht der Ruf nach dem Staat oder einer Behörde ist angebracht, sondern die tätige Mitarbeit aller heimatverbundenen Menschen. In diesem Sinne betrachtet sich die Oldenburg-Stiftung als Anwalt für alle Aufgaben der oldenburgischen Kulturpflege. (F. Diekmann).
Pressekonferenz, Hannover / Minister Hasselmann
(41 Teilnehmer, 28.7.1968)
Am 28. 6. hatte der Niedersächsische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Wilfried Hasselmann, die Landespressekonferenz Niedersachsen sowie mehrere Journalisten aus dem Oldenburger Raum in das Evangelische Jugendheim Blockhaus Ahlhorn gebeten, um in dieser herrlichen Umgebung die Presse über aktuelle Probleme der Forstwirtschaft zu informieren.
Er besprach mit den Journalisten vor allem die forstwirtschaftlichen Zielsetzungen des von der Bundesregierung entworfenen Agrarprogramms. Außerdem nahm Minister Hasselmann zu Tagesfragen der Agrarpolitik Stellung. Dem offiziellen Teil folgte ein gemütliches Beisammensein, das von einem Karpfen-Essen eingeleitet wurde. Das Evangelische Jugendheim Blockhaus Ahlhorn, insbesondere seine reizvolle landschaftliche Lage und seine Gastlichkeit, haben bei den Teilnehmern der Pressekonferenz einen Eindruck hinterlassen, der sie gerne an diese Stunden der Arbeit und der Erholung denken läßt. (Dr. E. Friedrich, Pressereferent)
Frauenhilfe, Oldenburg / Frau Gruß
(25 Teilnehmer, 25.7-31.7.1968)
Erholungsfreizeiten für ältere Frauen und Ehepaare, die von dem Landesverband der Ev. Frauenhilfe Oldenburg durchgeführt werden, sind sehr gefragt. Was aber diese Freizeiten im Blockhaus Ahlhorn von solchen in anderen Helmen abhebt, ist das Miteinander von Jung und Alt. Da ist das Zeltlager mit kleinen und größeren Kindern. Die Jungenburg ist belegt. Überall herrscht Geschäftigkeit. Vom Helenenteich her schallt Rufen und frohes Lachen aus den Booten.
Wir älteren fragen uns: wird das gut gehen? Der ältere Mensch will Ruhe und Besinnung. Kindlicher Frohsinn und jugendliche Ausgelassenheit, die mit Lautstärke verbunden sind, lassen sich nicht immer dämpfen. Das sind, die Fragen, die uns bewegen und die wir an einen solchen Aufenthalt stellen. Der erste Eindruck vom Blockhaus mit seiner Umgebung, vor allem, wenn es im Sonnenschein vor einem liegt, ist für die Besucher immer überraschend, zumal, wenn sie zum ersten Mal dorthin kommen: die blauen Teiche, umrahmt vom Grün der Bäume und dem Schilf. Es ist wirklich ein besonders schönes Fleckchen Erde. Die schönen Zimmer im Gästehaus tragen das Ihrige zum Wohlbefinden bei.
Als wir in diesem Jahr ankamen, hatte es einer Gruppe von Soldaten so gut gefallen, daß sie länger als vorgesehen blieben. Was nun? Für die Leitung des Blockhauses eine schwierige Aufgabe, Unterbringung und Tagesräume zu verteilen. Die Frage war, ob unsere Teilnehmer mit den Soldaten zusammen essen wollten. Das wurde unsererseits mit großer Freude einstimmig bejaht, ohne damit zu rechnen, daß die jungen Menschen nun ihrerseits für uns einsprangen. Man sah ihnen förmlich an, mit welcher Freude sie für uns den Tisch deckten, das Essen holten und in der Küche für uns abtrockneten. Wir sangen zusammen den Tischkanon. Es kam zu kurzen Gesprächen. Wie wichtig ist gerade heute die Begegnung zwischen Jung und Alt auch in den kleinen Dingen: Der Dank, den wir ihnen aussprachen, das Interesse, das Wir an dem Woher und Wohin zeigten. Von uns aus hätten sie noch länger bleiben können.
Dann tauchte die Frage nach dem sonntäglichen Gottesdienst auf. Es war Urlaubszeit, und, was im Blockhaus selten ist, kein Pfarrer zur Hand. Wir überlegten mit der Leiterin des Zeltlagers, was zu tun war und kamen zum Schluß, die 14- bis 15-jährigen Mädchen am Gottesdienst zu beteiligen. Sie lasen mit uns mit großem Ernst eine Sprechszene über Tojohiko Kagawa. Wir sangen und beteten miteinander. Die Mädchen werden es in ihrem Gedächtnis behalten, daß sie einen sonntäglichen Gottesdienst mit gestalten durften.
Ich denke einige Jahre zurück, als eine Schule aus Hamburg mit uns zusammen im Blockhaus war. In jedem Zimmer und Winkel wurde musiziert, geübt und gesungen. Das Singen und Klingen störte in keiner Weise, nur als ein Jugendlicher in der Mittagszeit plötzlich im Haupthaus, das ja aus Holz gebaut ist, mit seiner Trompete üben wollte, und wir aus dem Schlaf auffuhren, bat ich ihn, bis 15 Uhr zu warten. Man sah förmlich sein Erschrecken über sich selbst. Er hatte vor Begeisterung alles um sich herum vergessen. Am Schluß wurden wir zu einem sehr schönen Konzertabend im großen Saal vor dem brennenden Kamin eingeladen.
Kommt es nicht darauf an, wie man zur Jugend steht? Ob man ihr das Recht einräumt, jung und ausgelassen zu sein? Dann ärgert man sich nicht, wenn es auch mal überschäumt, oder wenn abends spät plötzlich ein Lied vor dem Fenster erschallt, man legt sich auf die andere Seite und schläft weiter.
Dann ist das Wort, das von einer unserer Teilnehmerinnen geäußert wurde, nicht nur so dahingesprochen: "Dabei werden wir selber wieder jung", sondern es entspricht der Tatsache. Wie oft saßen die älteren Menschen am Helenenteich und schauten dem Treiben der Jugend zu.
Gespräche zwischen Jung und Alt sind die Brücke gegenseitigen Verständnisses. Unter diesem Aspekt die Arbeit, die im Blockhaus geleistet wird, zu sehen, läßt noch manche Möglichkeiten ausschöpfen.
Nur ein Wunsch bleibt allerdings jedes Mal offen: "Könnten wir doch noch länger bleiben". (Gertrud Gruß)
Sozialpädagogisches Seminar, Akademie, Oldb. / Herr Rönnefahrt
(13 Teilnehmer, 7.9.-11.9.1968)
Wir hatten sie angeschrieben und angesprochen: Verwaltungen und Industriebetriebe aus dem Raum Oldenburg. Es ging um ein Seminar, das wir in den Akademien mit "Sozialpädagogischer Grundkurs" bezeichnen.
Es handelt sich um eine Bildungshilfe für die Angehörigen des letzten Lehrjahres jeweils eines oder mehrerer Betriebe. Diese Kurse sollen die spezielle Berufsausbildung ergänzen und den Teilnehmern dazu verhelfen, ihren eigenen Standort in der modernen Gesellschaft zu finden und die Erfahrungen ihrer Arbeits- und Alltagswelt zu deuten und zu verarbeiten.
Freitag sahen wir uns in Oldenburg das erste Mal am Bahnhof, 11 junge Erwachsene und zwei Jugendbildungsreferenten, um uns in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Umrisse die Teilnehmer nur ahnen konnten.
Das sollte sich aber gleich am ersten Tag bessern. Denn hier ging es darum, sich gegenseitig kennenzulernen und zwar über den Namen hinaus. Gemeinsame Fragen wurden gesucht und gefunden. Sie bestimmten die kommenden Tage und wurden im Gespräch mit Fachleuten aufgearbeitet.
Die Themen Generationsproblem, Liebe, Politik und das eigene Fortkommen in dem unübersichtlichen Gebilde Betrieb standen im Vordergrund und wurden mit einer Vielfalt von Arbeitsgruppen angegangen. Kurzreferate, Arbeitsgruppen und Gespräche wechselten einander ab.
Wir lernten mit dem Anderen sprechen und ihn erkennen und achten. Nicht nur bei der Tagungsthematik, sondern auch in der freien Zeit, in der die Möglichkeiten des Hauses so weit wie möglich genutzt wurden.
Kreuzgemeinde, Bremen / Herr Wegener
(40 Teilnehmer, 12.10.-13.10.1968)
Jeder Kirchenchor besteht aus Leuten, die sich wöchentlich einmal aus ihrem Alltag herausreißen, um sich in kurzen Abendstunden auf ihren Gemeindedienst vorzubereiten.
Die schöne Erkenntnis, daß für das Gotteslob das Beste gerade gut genug sei, wird dann wehmütig in das Gebiet des Unmöglichen verwiesen, und vieles bleibt aus Zeit- und Kräftemangel ungetan.
In den Freikirchen, aus denen wir kommen (Baptisten und Methodisten) gibt es recht einsatzfreudige Chöre, die jeden Sonntag im Gottesdienst singen und daneben in Krankenhäusern usw. noch weitere Dienste tun. Wenn wir aber eine Abendmusik mit schwerer, oder wie in diesem Fall gar "moderner" Musik vorbereiten, dann ist das in den normalen Übstunden einfach nicht zu schaffen.
Deshalb trafen sich am 12-13.10.1968 die Chöre der Evangelischen Methodistenkirche Bremen-Vegesack, der Ev. freikirchl. Gemeinde Bremen-Lesum und der Ev. freik. Kreuzgemeinde Bremen mit der Bläsergruppe der Kreuzgemeinde im Blockhaus, um die "Stillung des Seesturms" und einige andere Sätze von Paul Ernst Ruppel zu üben.
Wir sind dem Heimleiter mit seiner Familie und der Belegschaft des Blockhauses dankbar, daß sie unsere nicht nur harten, sondern im Anfang auch falschen Klänge so völlig klaglos ertragen haben.
Uns hat diese Rüstzeit sehr geholfen, und wir hoffen, daß das erarbeitete Programm überall dort, wo es zum Einsatz kommt, eine kräftige Verkündigung des Wortes Gottes sein wird.
Herzlichen Dank! Rolf Wegener
Religionspädagogische Tagung, Oldenburg-Ostfriesland / Frau Prof. Dr. H. Ramsauer (80 Teilnehmer, 14.10-18.10.1968)
Im Blockhaus Ahlhorn fand zum 16. Male die von den Landeskirchen in Ostfriesland und Oldenburg veranstaltete religionspädagogische Woche statt. Thema war: "Das Kind in der Spannung von Glauben und Verstehen" Über 80 Teilnehmer, Studenten und Lehrer, nahmen an der Tagung teil, die ihre Anziehungskraft in den Jahren seit ihrer Gründung 1953 nicht verloren hat. Die Vorträge und ausgedehnten Diskussionen gingen von allgemeinen Themen über die Probleme des theologischen Denkens bis hin zu speziellen und praktischen Fragen des Religionsunterrichts. Es kam an den Tag, daß im christlichen Verständnis des Glaubens das rationale Denken, das Verstehen für den Glauben aufgebbar ist. Von dieser Erkenntnis ergeben sich neue Aspekte für den Religionsunterricht der Volksschulen, der nicht Märchenstunde sein darf, sondern über den christlichen Glauben informiert und zum kritischen Denken erzieht.
An der Gestaltung der religionspädagogischen Tage in Ahlhorn waren neben den Initiatoren Frau Prof. Dr. Ramsauer, Oldenburg und Pastor F. Immer, Emden, Prof. Dr. Roth, Pastorin Reents, Eggelingen, Pastor Kunath, Hatzum (Ostfriesland), Pastor Konukiewitz, Oldenburg und Diplompsychologe Grubitzsch, Oldenburg beteiligt.
Tschechische Gruppe, CSSR / Diakon Herrmann
(44 Teilnehmer, 4.10.-11.10.1968)
"Helfen kann uns niemand. Wir dürfen nur hoffen, daß die bisher so deutlich gezeigten Sympathien anderer Völker auch dann auf unserer Seite bleiben, wenn in Prag eventuell eine neue Regierung eingesetzt werden sollte." Diesen Wunsch brachte der Dolmetscher einer 43 Personen starken Gruppe junger Tschechen zum Ausdruck. Die Gäste aus der CSSR, die acht Tage in Norddeutschland weilten, verabschiedeten sich am Wochenende im Blockhaus Ahlhorn.
Daß der Besuch der 43 Tschechen im Rahmen des internationalen Jugendaustausches nach den Ereignissen am 21. August in der CSSR verwirklicht wurde, wundert nahezu alle, die Gelegenheit hatten, während der vergangenen Tage mit den Jugendlichen aus dem Nachbarland zu diskutieren. Diakon Raimund Herrmann vom Landesjugendpfarramt in Oldenburg, der solche Begegnungen organisiert und betreut, erklärt unter anderem: "Als wir im letzten Sommer die CSSR besuchten, standen die russischen Panzer schon an der Grenze. Wir sind gerade vor dem 21. August ausgereist."
Die Jugendgruppe aus der Tschechoslowakei hatte während ihres achttägigen Aufenthaltes in Norddeutschland nahezu jeden Abend genügend Gelegenheiten zu Diskussionen. "Dabei haben wir selbst so viele Fragen, die zur Zeit alle noch unbeantwortet sind. Wie es in unserem Land werden wird, wissen wir noch nicht. Aber wir haben hier in Deutschland deutlich gespürt, daß die Deutschen mit uns fühlen", sagte der tschechische Dolmetscher und Gruppenleiter im Verlaufe unseres Gespräches.
Die Teilnehmer kommen aus allen Berufen, es sind Ingenieure, Arbeiter und Studenten aus allen Teilen der Tschechoslowakei. Allein 15 junge Leute kamen direkt aus der Hauptstadt Prag. Sie haben die Ereignisse in der "Goldenen Stadt" am 21. August selbst miterlebt. "Es kam alles so überraschend", sagen sie heute.
Rolf von der Dovenmühle, Leiter des Blockhauses, hatte die tschechische Nationalflagge gehißt, als die Gäste aus der CSSR in Ahlhorn eintrafen. Er hat seine Gäste auch nach Helgoland begleitet, wo sie ebenfalls herzlich vom Kurdirektor empfangen wurden. Diskussionen in der Volkshochschule Rastede, Besichtigungen und Empfänge beim Bischof in Oldenburg, in Bremen, in Hamburg und in vielen Orten des Oldenburger Landes machten den 43 Tschechen den Aufenthalt in Norddeutschland angenehm.
VH Bremen-Nord, Bremen / Herr Wurthmann
(24 Teilnehmer, 26.10-27.10.1968)
Am 26./27.10.1968 fand hier ein Wochenendseminar über aktuelle Fragen der Kunstpädagogik statt, das von der Volkshochschule Bremen-Nord gemeinsam mit dem Schulpraktischen Institut der Freien Hansestadt Bremen unter der Leitung von Lotar Wurthmann durchgeführt wurde. Zu dieser Veranstaltung, die nun schon seit vier Jahren einmal jährlich im Herbst stattfindet, hatten sich etwa 20 Lehrerinnen und Lehrer aus Bremen und Bremerhaven zusammengefunden.
Nachdem Johann Denker (PH Oldenburg) in einem Eingangsreferat die verschiedenen geschichtlichen Modelle der Kunsterziehung entwickelt hatte, wies am Abend Professor Reinhard Pfennig (PH Oldenburg) "neue Ansätze für den Kunstunterricht vor dem Anspruch der Gegenwart" auf. Dem sehr komprimierten Referat schloß sich eine intensive und ausgedehnte Diskussion an.
Das "Verhältnis von Kunst und Kunstunterricht" wurde am Sonntagmorgen sowohl anhand ausgewählter Schülerarbeiten als auch durch eine Analyse von Picassos "Guernica" untersucht und mit den Teilnehmern erörtert. Die Einsicht, daß es sich auch in der Kunstpädagogik um lehr- und lernbare Inhalte handelt, die durch Unterricht erfahren werden, bedeutete für die Teilnehmer Hilfe für die täglich zu bewältigende Unterrichtspraxis und war sicher Anregung für eine weitere Auseinandersetzung.
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