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Der JahreslaufBereits eine Woche nach Weihnachten, dem Fest der Freude und Liebe, ist Silvester da. Wir halten Rückblick auf die vergangenen 12 Monate und beten für ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr. So wollen auch wir dafür beten, daß Stürme ausbleiben, die unsere Wälder niederwalzen, daß Insekten- und Pilzkalamitäten die Forsten verschonen mögen, und daß Sankt Hubertus unserem Wilde ein treuer Beschützer sein werde. Mit einem solchen Gebet beginnen wir das neue Jahr in den Wäldern, in die eingebettet das Blockhaus Ahlhorn liegt. Von den vielen tausend Besuchern unserer herben und doch so lieblichen Landschaft kommen im JANUAR nur wenige Unentwegte für kurze Stunden in die wohltuende Stille. Es sind die wahren Kenner, es sind Individualisten, die sich weder durch rauhe Winde noch durch Schnee- und Hagelschauer davon abhalten lassen, ihre Lieblingsplätze aufzusuchen. Die Holzernte ist jetzt in vollem Gange, und das Rattern der Motorsägen, das Hämmern der Äxte, das Dröhnen und Prasseln stürzender Bäume sowie der Warnruf der Holzfäller bilden eine Geräuschkulisse, die von harter Arbeit zeugt. Unser Wild zieht nur wenig umher und sucht dankbar die angelegten Futterplätze auf, trotzdem ihm die Natur einen reich beschickten und gesunden Tisch in Form von Beerkraut und Heide gedeckt hat. Bei Harschschnee erstarrt fast jede Bewegung, denn die dünne Eisdecke auf dem Schnee schneidet wie mit Messern in die schlanken Läufe. Die wenigen Sonnenstunden werden dankbar genutzt. Das Wild steht dösend und wiederkäuend an windgeschützten Plätzen, und läßt sich die fast immer feuchte "Decke" wärmen. Des Nachts kann man öfters ein heiseres Bellen hören. Die "Ranzzeit" der Füchse ist gekommen, und Meister Reinecke sucht sich für kurze Wochen eine Gefährtin. Der Waldkauz läßt durch sein gellendes "kju-wik" und durch ein tiefes "hu-hu-hu" ängstliche und abergläubische Wanderer erschreckt zusammenfahren. Die Jagd auf Damwild beiderlei Geschlechts und auf Rehwild ist mit dem 31. Januar beendet, und vom 1. FEBRUAR ab hallt nur noch selten ein Schuß durch die nebelverhangenen Forsten, der dann sicher einem unvorsichtigen Reinecke oder anderem Raubwild gegolten hat. Dem aufmerksamen Beobachter fällt vielleicht das lebhafte Treiben von Hasen und Kaninchen auf, die ihre Liebesspiele treiben. Wildfütterungen müssen jetzt laufend und sorgfältig beschickt werden. Noch immer liefern Motorsägen und Äxte ihre monotone Geräuschkulisse, hin und wieder nur unterbrochen vom heiseren Gekrächze nomadisierender Krähenschwärme und vom Geschrei schimpfender Eichelhäher. In der ersten MÄRZhälfte scheint sich kaum etwas verändert zu haben. Noch immer ist die Holzernte in vollem Gange. Aber sobald die immer kräftiger wärmende Sonne den Frost aus dem Boden gesogen hat, wird mit dem Säen und Pflanzen begonnen, das nun bis in den Mai hinein die Hauptarbeit im Walde bleibt. Hasen und Kaninchen haben ihre ersten Jungen gesetzt und allabendlich in der Dämmerung kann man an geeigneten Orten das "Püitzen" und "Quorren" der Waldschnepfe vernehmen. Der "Balzflug" dieses so heimlichen Vogels leitet eigentlich den Waldfrühling ein. Jetzt kann man auch wieder häufiger Wild umherziehen sehen, das seine Äsungsplätze auf den sich begrünenden Getreideschlägen sowie auf Weiden und Wiesen aufsucht. Das sich gegen den Himmel abzeichnende Filigran von Lärchen und Birken zeigt einen violetten Schimmer und das muntere Treiben unserer Kleinsänger erfreut uns morgens und abends. Auf den Fischteichen gibt es viel Unruhe. Die "Reihzeit" der Enten hat begonnen. Dieser wohlschmeckende und daher viel bejagte Wasservogel muß nun für die Erhaltung seiner Art sorgen. Des Nachts läßt der durchdringende Ruf der zu ihren Brutplätzen ziehenden Schwanen-, Gänse- und Kranichschwärme die Freude dieser "Globetrotter" auf einen Sommer in ihrer nordischen Heimat ahnen. Der launische APRIL sieht unsere treuen Waldarbeiter noch immer beim Säen und Pflanzen, den sogenannten "Kulturarbeiten". Die Birken, Lärchen und Erlen haben nun ihr grünes Kleid angelegt, während Eiche und Esche noch immer zögern, als trauten sie dem Frieden noch nicht ganz. Die Rehböcke haben ihren wehrhaften Kopfschmuck, das "Gehörn" erneuert und "gefegt". Damit beginnt vom 16. MAI ab die Jagd auf dieses edle und wohl grazilste Wild unserer Wälder. Wohlgemerkt aber nur auf das männliche Wild. Die weiblichen Rehe, der Jäger nennt sie "Ricken", sind plötzlich sehr heimlich geworden, denn die "Setzzeit" hat begonnen. Schon zu Ende des Monats kann man die ersten jungen Rehe, die lustig getupften "Kitze" beobachten. Auch das Damwild setzt im Mai seine "Kälber", und ist entsprechend heimlich geworden. Die Damhirsche beginnen ihr neues Geweih zu "schieben" und lassen sich nur selten von einem Beobachter überraschen. In stillen Buchten der Fischteiche entwickelt sich ein emsiges, aber fast lautloses Treiben. Die frisch geschlüpften Entenkücken jagen mit artistischem Geschick nach Mücken und anderen Insekten, sorgfältig bewacht von der Mutterente. Nur die lebhaften Blässhühner stören mit ihrem lauten "köw" und einem harten, plätzenden "pix" zum Ärger der besorgten Entenmütter den Frieden. Morgens und abends setzt ein Konzert von Kleinsängern ein, das durch die Assistenz der Schilf- und Rohrbewohner in seiner Klangfülle manches Orchester in den Schatten stellt. Der JUNI ist in der Forstwirtschaft der Pflegemonat. Die "Kulturen" müssen mechanisch oder chemisch von schädigendem Unkraut gereinigt werden. Gräben werden geöffnet und Brücken sowie Wasserdurchlässe sind auf Sicherheit und guten Zustand zu untersuchen. Das sind die "stillen" Arbeiten, von denen ein unaufmerksamer Beobachter kaum etwas merkt. Unser Wild können wir jetzt nur selten beobachten, weil es sich vorwiegend in den großen Getreideschlägen aufhält, in denen es ideale Äsungs- und Deckungsverhältnisse vorfindet. Nur bei starken Regengüssen verläßt es die wogenden, jetzt frucht- und regenschweren Halmdschungel, um im dichten Forst ein trockenes "Bett" zu finden. Aber schon mit dem ersten Sonnenstrahl zieht es wieder eilig in seine "Sommerfrische". Hirsch und Rehbock sind heimlich geworden, und man kann sie nur selten erblicken. Die "Feistzeit" der Damhirsche hat begonnen, in der Kraft und Energie für die spätere Brunft gespeichert werden. Auf den Teichen ist das Treiben des Wassergeflügels lebhafter geworden. Die Ausflüge der Kücken dehnen sich weiter aus, und erst beim Warnruf der Muttervögel sucht alles das schützende Röhricht auf. So richtig zur Ruhe kommen die Armen eigentlich nie. Jede vorbeifliegende Krähe, jeder kreisende Greifvogel, jeder Spaziergänger sorgt für reichliche Aufregung. Seit dem 21. Juni haben wir nun schon Sommer, und der JULI, der Hochsommermonat, ist angebrochen. In den Kiefernbeständen flimmert die harzduftende Luft vor Hitze. Mit den immer noch andauernden Pflege- und Erhaltungsarbeiten beginnen wir nun schon häufig morgens um 4.30 Uhr, weil in den Mittagsstunden die Hitze zu groß ist. Mücken, Bremsen und Fliegen werden lästig bis zur Unerträglichkeit. Im "Helenenteich", dem einzigen zum Baden freigegebenen Fischteich, herrscht Hochsaison. Bis mitten in die Nacht hinein schallt der Lärm frohen Treibens durch die sonst so stillen Wälder, ab und zu übertönt durch das "Schrecken" eines hierüber verärgerten Rehes. Ein beim Fischen gestörter "Fischreiher" läßt beim "Abstreichen" von seinen Fanggründen ein tiefes, rauhes "kräiik" hören. Der unter Naturschutz stehende majestätische Fischadler zieht seine Kreise über den stillen Gewässern, ab und zu im Sturzflug ins Wasser tauchend, wenn er sich einen Karpfen oder Schlei zum Kröpfen herausfischt. Das Rehwild wird von den "Hundstagen" ab von einer merkwürdigen Unruhe ergriffen. Die Brunft, von den Jägern auch "Blattzeit" genannt' nimmt ihren Anfang. Damit beginnt die Hohe Zeit für den geübten Jäger, der unter geschickter Nachahmung des "Fiepens" der brunftigen Ricke auch die heimlichsten Böcke aus ihren Einständen herauszulocken vermag. Die Damhirsche stehen kurz vor dem Ende der alljährlichen Geweihentwicklung im "Bast" als "Kolbenhirsche" und sind heimlicher denn je. Führende Damtiere und Ricken ziehen nun schon mit ihren Jungen zur Äsung, sind dafür aber umso mißtrauischer. Hasen und Kaninchen haben nun schon zum zweiten Male "gesetzt", und Fasanenhennen führen ihre Jungen, die "Gesperre" schon auf der Nahrungssuche mit sich.
Im AUGUST hören wir schon wieder ab und zu eine Motorsäge rattern, und die Äxte schlagen den Takt dazu. Die jungen Holzbestände werden "geläutert", das heißt, daß alles unerwünschte Material aus "Dickungen" und geringen Stangenhölzern entnommen wird, um Lebensraum für die besten Jungwüchse zu schaffen, oder ihn zu erweitern. Mit dem 1. August beginnt auch die Jagdzeit auf weibliches Damwild und auf Kälber beiderlei Geschlechts. Die Damhirsche tragen nun schon ihr volles, bei älteren Stücken auch schon fertig "gefegtes" Geweih. Sie halten sich jetzt vorwiegend in kleinen Waldstücken der Feldmark auf. Das Rehwild steht noch bis etwa 10. August in der Brunft. Das Getreide ist nun schon zu einem großen Teil abgeerntet, und alles Wild findet reichlich Äsung auf den StoppeIn. Des Nachts kann man hin und wieder auf Kartoffelschlägen ein genüßliches Schmatzen hören, wenn das selten gewordene "Schwarzwild", vom Jäger auch kurz "Sauen" genannt, nach Nahrung "bricht". Der einsame Nachtwanderer wird vielleicht einmal erschreckt zusammenfahren, wenn er ein markerschütterndes Geschrei vernimmt, das sich anhört, als schrie ein Kind in höchster Todesangst. Nun, es war nur der Ranzschrei "Grimbarts", des Dachses, der aufdringlich seine "Metze" umwirbt. Sofort ist die sonst so stille Nacht erfüllt von vielerlei Geräuschen. Dam- und Rehwild "schrecken" verärgert ob der Störung. Ein aufgeschrecktes Entenschoof "klingelt" eilig davon und auf ihrem "Schlafbaum" ruhende Ringeltauben suchen sich mit klatschendem Flügelschlag eine ruhigere Ecke des weiten Reviers zur Fortsetzung ihrer gestörten Nachtruhe auf. Seit dem 1. August darf auch die Jagd auf Wildenten ausgeübt werden, und bereits nach der ersten Bejagung ist dieser so lecker schmeckende Vogel merklich mißtrauischer geworden. Im SEPTEMBER beginnt in den uns nun schon recht vertraut gewordenen Forsten der Wegebau. Schwerpunktmäßig wird dort gearbeitet, wo der stärkste Verkehr herrscht, und wo die Hauptholzernte der kommenden Hiebsperiode liegt. Auch der stolze Damhirsch darf nun "bejagt" werden. Vorerst werden die zur Vererbung unerwünschten Stücke "zur Strecke gebracht". Mit Ausnahme von Hasen und Fasanen kann jetzt fast alles "Nutzwild" im Rahmen der genehmigungspflichtigen Abschußpläne erlegt werden. Die Jagd- und Schonzeiten für unser Wild sind gesetzlich festgelegt, und nur wenige Wildtiere dürfen das ganze Jahr hindurch bejagt werden. Beispielsweise gibt es für den Fuchs zur Zeit keine Schonzeit, weil er als Hauptüberträger der mit Recht so gefürchteten Tollwut gilt. Auch Krähen, Elstern und Eichelhäher genießen als üble Nesträuber keinen Schutz. Junge Enten, Fasanen und Rebhühner sind nun schon lange "voll beflogen" und bedürfen kaum mehr der mütterlichen Aufsicht. So sind wir unversehens bei meist prächtigem Spätsommerwetter in den Herbst hineingewandert, denn laut Kalender beginnt er am 23. September. Aber auch ohne diesen Kalenderhinweis spüren wir das im Walde an mancherlei Veränderungen. Das Laub der Birken und die Nadeln der Lärchen haben sich ockergelb verfärbt. Von den nahen Äckern her dringt Tag und Nacht der herbe Rauch qualmender Kartoffelfeuer ins weite Revier. Mit dem ersten OKTOBER hat auch das neue Forstwirtschaftsjahr begonnen. Tagsüber liefert wieder das Kreischen der Motorsäge, das Hämmern der Äxte und das Dröhnen stürzender Bäume das tonangebende Geräusch. Wieder ist die Holzernte in vollem Gange, denn die Gatter der Sägewerke warten auf neue Nahrung. Das Damwild ist von einer nervösen Unruhe befallen, und man kann immer häufiger einen stolzen "Schaufler" zu Gesicht bekommen. Um den 20. Oktober herum tritt das Damwild in die Brunft, und in stillen, kalten Nächten kann man hier und dort ein dröhnendes Schnarchen, den "Brunftschrei" der stolzen Schaufelträger, vernehmen. In der Hochbrunft, etwa Ende Oktober, kommt es zu erbitterten Kämpfen um die "Kahlwildrudel". In den kurzen Ruhepausen zwischen den Kämpfen hört man vom nachtdunklen Himmel wieder das trompetende "anghö" ziehender Schwäne, das nasale Schnattern "gagagag" reisefreudiger Wildgänse und das grelle, trompetende "kruh" scheuer Kraniche, die alle in großen Geschwadern ihrem warmen Winterquartier zustreben. Die Stare haben sich zu großen "Flügen" zusammengetan, und fallen für die letzten Nächte ihres Aufenthaltes bei uns allabendlich mit brausendem Getöse zur Nachtruhe im Röhricht unserer Teiche ein. Die Zugvögel unter den Kleinsängern haben uns inzwischen auch verlassen und muntere Meisen und Goldhähnchen, Bergfinken und Schwarzdrosseln beleben Boden, Bäume und Sträucher. Seit dem 15. Oktober dürfen auch Hase und Fasanenhahn bejagt werden, und häufiger als sonst hallen Schrot- und Büchsenschüsse durch den Wald. Die Fischernte ist in vollem Gange und ein großer Teil der Teiche ist bereits "abgefischt". Die ewig hungrigen Fischreiher geben ihrem Unmut darüber durch rauhe Rufe Ausdruck, wenn sie zusehen müssen, wie ihre Nahrungsquellen von Tag zu Tag mehr versiegen. Unversehens fast ist der nebelverhangene NOVEMBER mit Sturmschritten ins Land eingefallen. Die immer kürzer werdenden Tage bescheren uns nur noch wenig Sonne, und häufig ist nach frostklaren Nächten der Wald vom Rauhreif verzaubert. Weiterhin übertönen die Arbeitsgeräusche des Holzeinschlages jeden anderen Laut. Es muß Platz für neue Pflanzungen im Frühjahr geschaffen werden, denn zur Erhaltung des Waldes muß ein gesunder Altersklassenaufbau geschaffen werden. Von den Arbeitsplätzen her dringt uns der nach Kien duftende Geruch wärmender Feuer in die Nase, an denen unsere Forstarbeiter ihre Mahlzeiten wärmen und ihre fast immer feuchte Kleidung trocknen. Häufiger als sonst im Jahr hört man das unzufriedene Krächzen vagabundierender Krähenschwärme, die von ihren meist wenig ergiebigen Raubzügen zu ihren Schlafplätzen streichen. Auch die Eichelhäher sind verdrießlicher geworden und schrecken Mensch und Tier mit ihrem durchdringenden, heiseren "rätsch". Für unser Schalenwild hat wieder die karge Zeit begonnen. Es bedarf schon weiterer Wege um geeignete Äsung zu finden, und die fast immer regennasse oder nebelfeuchte "Decke" erhöht ganz sicher nicht das Wohlbefinden unserer Freunde. Hasen und Fasanen kommen nur noch wenig zur Ruhe, denn auf Such- oder Treibjagden wird diesem wohlschmeckenden Wilde nachgestellt. Auch Schneefälle gehören um diese Jahreszeit nicht zu den Seltenheiten, und bei diesen ersten "Neuen" ist der Wald ein offenes Buch, das dem Lesekundigen mehr offenbaren kann als wochenlanges Pirschen und Wandern. Während noch die letzten Flocken vom Himmel herabschweben, stapft alles, was einen grünen Rock trägt, zum "Abfährten" durch die weiße Pracht. Man kann dann einen ziemlich genauen Überblick über den derzeitigen Wildbestand bekommen, was für die spätere Aufstellung von Wildbestandsmeldungen und den danach orientierten Abschußplänen von großer Wichtigkeit ist. So sind wir, fasziniert von den vielen Erlebnissen und Beobachtungen ohne es zu merken in den DEZEMBER hineingewandert. Die Holzhauerei wird jetzt immer beschwerlicher. Bei jedem Axthieb stürzt eine Schneelawine oder ein Wasserguß auf die Arbeitenden herab. Die Kleidung ist nicht selten zum Auswringen naß, und nur harte Männer mit eiserner Konstitution und einer unbezähmbaren Liebe zum Walde sind für die Forstarbeit zu gebrauchen. Die Feuerstellen der Waldarbeiter werden fast allnächtlich von Reinecke revidiert, ob nicht eine achtlos weggeworfene Wurstpelle oder Speckschwarte gegen den grimmigsten Hunger zu finden ist. Eine willkommene Abwechslung nach der mühsamen und leider allzuoft ergebnislosen Mäusejagd. Wenn nicht hin und wieder ein kranker Hase oder ein unvorsichtiges Kaninchen zu überlisten wäre, dann könnte der Rotrock schier verzweifeln. Das Damwild steht, nach Geschlechtern getrennt, in großen "Rudeln" zusammen. Einige Stücke übernehmen die Sicherung und äugen unbeweglich und stets mißtrauisch mit langen Hälsen umher. Die Rehe, von Natur aus Einzelgänger, sind auch wachsamer denn je, wenn sie im Beerkraut oder in der Heide äsen. Schon beim kleinsten, ungewohnten Geräusch springen sie erschreckt ab und suchen die nächste Deckung auf. Die Hasen liegen tagsüber in ihrer "Sasse" und verlassen nur ungern ihr warmes Plätzchen. In Bäumen und Sträuchern herrscht lebhaftes Treiben von Meisen, Goldhähnchen, Rotkehlchen und Bergfinken, die mit "pink, pink" oder "tsi-tsi-tsi-tsit", mit "sih-sih-sih" und "tick-tick'-tick" sowie mit "tji-tji-tji" nach überwinternden Insekten und nach Sämereien suchen. Spechte lassen hin und wieder ihr wirbelndes Trommeln hören, und der Katzenschrei der Bussarde lenkt unsere Blicke nach oben. Wieder, nach Frühlingsahnen und Sommerhitze, nach Herbststürmen und Schneegestiebe, stehen wir an der Schwelle eines neuen Jahres. Und wenn wir am Silvesterabend die Wildfütterungen beschickt haben, beugen wir uns wieder vor dem Allmächtigen mit der Bitte um Schirm und Schutz für uns und unsere Lieben, für den Wald und für unser Wild. Das Jahr hat sich gerundet! Z |
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