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Wissenswertes über die Teichwirtschaft AhlhornW. Neudecker Die Ahlhorner Fischteiche werden in jedem Jahr restlos abgelassen und im Frühjahr nach ihrer Produktivität besetzt, um so den Zuwachs und Gesundheitszustand der Fische überprüfen zu können. Das sind Maßnahmen, die in jedem Vollbetrieb, so auch in der Staatlichen Teichwirtschaft Ahlhorn, notwendig sind. Unter einem Vollbetrieb versteht man eine Teichwirtschaft, die den Fisch vom Ei bis zum Laichkarpfen in allen Altersklassen ohne Zukauf fremder Fische heranzieht. Hierzu sind verschiedene Arten von Teichen erforderlich in denen die einzelnen Altersklassen getrennt aufwachsen können. Wir haben Laichteiche, in denen die Elterntiere während der Monate Mai und Juni ihrer Fortpflanzung nachgehen. Wenn die Wahl der Partner richtig getroffen wurde, das Wasser auch nachts nicht unter 14 Grad Cels. absinkt, der Wind die gewünschte Richtung hat und möglichst noch bei schwüler Luft ein Gewitter aufzieht, dann laichen die Karpfen. Dieser, für ein ganzes Jahr entscheidende Vorgang spielt sich so ab, daß die Milchner den Rogener über das nur etwa 30 cm bewässerte Gras treiben. Dabei geben die Weibchen (Rogener) [die Eier], die Männchen (Milchner) die Milch mit den Spermien ab. Die Eier werden befruchtet und an die Halme geklebt. Nach einigen Stunden ist das Laichgeschäft beendet, der Teich wird abgelassen, die Elterntiere herausgefangen und in geschützte Teiche gesetzt, damit sie vor Mensch und Tier gesichert sind. Es geschieht abends, wenn die Sonne den Eiern nicht mehr schaden kann. Nach der Abfischung des letzten Laichers wird der Laichteich sofort wieder aus einem Vorwärmer bewässert, um ein Eintrocknen der Eier zu verhindern. Nach 3-4 Tagen schlüpft die Dotterbrut und wird nach weiteren 3 Tagen mit feinen Gazekeschern bei einer Länge von knapp 10 mm gefangen und in eine Wanne mit 20 Liter Wasser gelegt. Wenn sich genügend Brut in der Wanne befindet, schöpft man einen halben Liter heraus, nachdem die Fischchen zuvor durch vorsichtiges Umrühren gut verteilt wurden, und zählt den Inhalt des 1/2 Liter-Gefäßes. Die Anzahl mal 40 entspricht der Zahl der gefangenen Karpfenbrut (etwa 20-30.000 Stück), die dann in einen vorbereiteten Brutteich gesetzt wird. Unter einem vorbereiteten Brutstreckteich versteht man einen Teich, der wenigstens einige Monate trocken war, damit sich in ihm kein Fischschädling halten konnte. Diese Maßnahme kann durch feldmäßige Bestellung und Aussaat von Getreide und Hülsenfrüchten unterstützt werden, da die im Sommer unter Wasser stehenden Pflanzen zerfallen und so Nahrung für die Kleinlebewelt abgeben. In den Brutteichen wächst die Brut zum 1-sömmrigen Karpfen, K 1 genannt, heran. Nach der Abfischung, die möglichst im Frühjahr stattfindet, kommen sie in die Streckteiche, in denen aus dem K 1 nach einem weiteren Sommer ein K 2, 2-sömmriger, wird. Man zählt das Alter des Karpfens nach Sommern, da sie nur im Sommer wachsen und in den Winterteichen einen kurzen Winterschlaf halten sollen. Als letzte Teichgruppe sind die Abwachsteiche zu nennen, in denen die K 2 zu den Speisefischen, den K 3, heranwachsen. Es sind dies die Weihnachts- und Neujahrskarpfen, die ohne gefüttert zu werden, in den Hälterteichen auf den Verkauf warten müssen. Sie haben in den Sommermonaten so viel Fett angesetzt, daß sie ohne Schaden zu nehmen durchhalten können, bis sie der Feinschmecker beim Glas Wein verzehrt. Die Fische, die im nächsten Jahr wieder ausgesetzt werden, kommen entweder sofort nach den Abfischungen im Oktober und November zum Verkauf an die Interessenten, oder in Winterteiche, die vor dem Besetzen trocken waren und mit Branntkalk ausgeätzt wurden. Der Fisch soll im Winter Ruhe haben und nicht von Fischparasiten belästigt werden. Um die zum baldigen Verkauf bestimmten Besatztische in bester Beschaffenheit an den Mann bringen zu können, werden sie für sich nach Größe und Alter getrennt, im Hälterhaus in abgeteilten Behältern, die ständig Wasserdurchlauf haben, aufgehoben. Das Abfischen macht den Zuschauern immer viel Spaß, wenn die Fische im flachen Wasser der Abfischungsstelle Rücken an Rücken herumschwimmen und den Fangkeschern des Fischers zu entweichen suchen. Wer denkt schon daran, daß der auf so engem Raum stehende Fisch, schnellstens wieder in frisches Wasser gebracht werden muß, um nicht in dem verschlammten Wasser des Abfischungsgrabens zu ersticken. Deshalb wird das Wasser kurz vor dem Fang abgelassen, wenn der halb mit Wasser gefüllte Spülbottich, der Sortiertisch, die Waage und die Transportwagen bereit stehen. Die in eine Wanne gefangenen Fische werden in den Spülbottich geschüttet, in dem sie den anhaftenden Schlamm verlieren. Von hier kommen sie auf den Sortiertisch, von dem sie nach Alter, Größe und Art getrennt in eine auf der Waage stehende Wanne gezählt werden. Die Stückzahl, die auf einen Zentner geht wird notiert, um nach der Abfischung den Zuwachs und Stückverlust des Teiches berechnen zu können. ![]() Von der Waage kommen die Fische in die auf einem Gummiwagen stehenden Transportbehälter, in denen sie zu den Hälterteichen gefahren werden. Dort öffnet man eine Klappe und läßt die Fische mit dem Wasser über eine Blechrutsche in das Wasser gleiten. Ein Fahrzeug befördert je nach der Altersklasse und Größe etwa 20 bis 40 Zentner Fische oder 1000 Stück K 3 bis 24.000 Stück K 1 in 2 Bottichen zu je 1,8 cbm Wasserinhalt mit Sauerstoff-zufuhr. Die Abfischung eines größeren Teiches (von etwa 8 ha) dauert mit den Vorbereitungen einen Tag, dagegen benötigt man eine Woche, bis das Wasser so weit abgelaufen ist. Wie vorher gesagt, wird für jeden Teich der Fischzuwachs berechnet. Diese Berechnung gibt einen Hinweis auf die Produktivität des Teiches, nach der die Stückzahl berechnet wird, wenn man eine bestimmte Größe der Karpfen erreichen will. Bei zu geringem Besatz erhält man große Fische, aber keine Rentabilität. Durch einen gezielten Besatz kann der Fischzüchter die gewünschte Größe des Karpfens, seinem Alter entsprechend, erreichen. Der K 1 sollte etwa 20 g wiegen, kann aber von 6 bis 100 g gezogen werden. Ein K 2 zu 300g ist sehr gefragt, kann jedoch 100-1000 g wiegen. Der Speisefisch wird im Gewicht von ca. 2-4 Pfund verlangt und entsprechend auf den Markt gebracht. Das Wachstum der Fische ist von verschiedenen Bedingungen abhängig. Der Boden und das Wasser sind für den Reichtum an Nährtieren maßgebend. Diese wieder sind die natürliche Nahrung der Fische. Mit ihnen alleine kann der Karpfen auskommen und sich voll entwickeln, wenn ihm der ausreichende Lebensraum zur Verfügung gestellt wird. Bei armen Sand- und Heideböden, auf denen auch die Ahlhorner Teiche liegen, ist der Naturalzuwachs sehr niedrig, etwa 25-100 kg je ha (Lehmböden bringen den mehrfachen Zuwachs). Mit diesen Erträgen können heutzutage die Unkosten nicht gedeckt werden, deshalb wird die Naturnahrung durch Pflegemaßnahmen vermehrt. Das geschieht in der Weise, daß das Wasser durch mehrmaliges Kalken leicht alkalisch gehalten und durch Thomasmehlzugaben mit Phosphorsäure angereichert wird. Mit Excello wird Kupfer nachgeliefert und durch diese gemeinsame Düngung der Planktonbestand vermehrt. Das Plankton besteht hauptsächlich aus freischwebenden Lebewesen, wie Wasserflöhen, Hüpferlingen, Einzellern u. a. mehr. Sie bilden zusammen mit Insekten, deren Larven, Würmern und ähnlichem Getier die natürliche Nahrung der Fische. Grundlage für die Entwicklung des Planktons bildet der Detritusschlamm, der sich aus den abgestorbenen Algen und zerfallenen jungen Pflanzen aufbaut. Deshalb mäht man die Wasserpflanzen möglichst früh, um den Feinschlamm zu erhalten und der Sonne freien Zutritt zum Wasser und Boden zu ermöglichen. Harte, lange Wasserpflanzen wie Schilf und Rohr beschatten den Teich und ergeben abgestorben den schwer zu zersetzenden Zelluloseschlamm, der den Sauerstoff verbraucht und damit allen Lebewesen des Wassers schadet, dem Fischfleisch sogar einen Phenolgeschmack geben kann. Um den größtmöglichen Zuwachs zu erreichen genügen nicht allein der planmäßige Besatz und die Pflegemaßnahmen mit der Kalkung, Düngung und Pflanzenbekämpfung. Der Besatz läßt sich um etwa 1/3 steigern, wenn entsprechende Futtermittel gegeben werden. Auf 4-5 Zentner Kunstfutter rechnet man einen Zuwachs von 1 Zentner Fischfleisch bei der Speisefischproduktion, bei den Besatzfischen etwa das Doppelte. Lupine, Sojaschrot, Gerste, Roggen und Mais gelten als gute Futtermittel, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Mais das Fischfleisch weich und tranig macht. Den Jungfischen geben wir Eiweißkonzentrate mit einem Gehalt von Spurenelementen, um den Körperaufbau zu stärken. Gerade der Jungfisch muß pfleglichst behandelt werden, weil er empfindlicher ist und noch öfter angefaßt werden muß, bevor er den Betrieb verläßt. Hier spielt der Korpulenzfaktor eine Rolle, der besagt, daß die Körperlänge in einem guten Verhältnis zum Körpergewicht stehen muß. Der Fisch, ganz gleich in welchem Alter er sich befindet, soll voll aussehen, dann hat er den geforderten Korpulenzfaktor und verträgt auch mal eine ungewollte äußere Verletzung. Aber alle Pflegemaßnahmen und das beste Futter versagen, wenn die Sonneneinstrahlung gering ist und das Wasser kalt bleibt. Bei Temperaturen unter 13 Grad Celsius gehen die großen Fische nicht mehr an das Futter und die Naturnahrung läßt stark nach. Bei Temperaturen von 20-25 Grad herrschen optimale Verhältnisse. Hierzu sind die jüngsten Versuche des Herrn Professor von Sengbusch ein Beweis. Er nutzt das Kühlwasser einer Fabrik, das mit 22 Grad zur Verfügung steht, zur Karpfenmast und bringt den 1-sömmrigen Fisch während eines Jahres im kleinsten Behälter zum Speisefisch, weil dieser Karpfen gleichmäßig, ohne die Pause der unproduktiven Wintermonate, wachsen kann. Das Wachstum der Fische hängt also hauptsächlich von der Temperatur des Wassers ab. Da die südlichen Länder längere Wachstumszeiten haben, können sie billiger produzieren und den deutschen Markt empfindlich beeinflussen. Um existenzfähig zu bleiben, wurde in unserem Betriebe die Speisefischproduktion zu Gunsten des Satzfischverkaufes eingeschränkt. Heute ernten wir etwa 300 Zentner K 3, 50.000-70.000 K 2 mit 200 bis 250 Zentner und 80.000 bis 150.000 K 1 mit 20 bis 40 Zentner. Davon werden etwa die Hälfte der K 1 und K 2 wieder in den eigenen Teichen ausgesetzt. Das Weser-Ems-Land ist unser Hauptabnehmer. Anders liegt es bei den Zandersetzlingen, die in das Gebiet um Braunschweig, Duisburg, Stuttgart bis nach Belgien geliefert werden. Der Zander laicht wild in der Talsperre, die Brut schwimmt mit dem Zulaufwasser in einige Teiche, wächst dort zu der Länge von 7-10 cm ab und muß vor der eigentlichen Abfischung gefischt werden, da sie sehr empfindlich gegen jede Verletzung ist. Die Satzhechtproduktion ist praktisch aufgegeben worden, weil für den Hecht die Wildfische fehlen, die in den Karpfenteichen als Nahrungskonkurrenten unerwünscht sind. Als Beifisch ist noch die Schleie zu nennen, die aber nicht die Bedeutung der Karpfen erreicht, da sie zu unsicher im Ertrag ist. In der Praxis kennt man Schleienjahre, in denen sie in Massen auftritt und dann wieder magere Jahre mit unbedeutendem Zuwachs. Es mag auch daran liegen, daß sie mit Unterwasserpflanzen bestandene Gewässer bevorzugt, die wir im Karpfenbetrieb nur begrenzt dulden. Sie nutzt die Bodennahrung und die Überbleibsel des Karpfenfutters aus und ist ein sehr gefragter Speisefisch, von dem wir nie ausreichend abfischen. Die Gäste des Blockhauses interessiert besonders der Helenensee, der kein See ist, sondern ein ablaßbarer Teich. Er ist knapp 9 ha groß, hat im Ablaßgraben eine Tiefe von ca. 2 m. In ihn werden rund 2500 K 2 und einige Schleien gesetzt. Er bekommt in jedem Jahr ca. 50 Zentner Ätzkalk, 80 Zentner Mergel, 60 Zentner Thomasmehl, 20 Zentner Excello und 60 Zentner Futter. Damit erreichen wir ein Abfischungsgewicht von 50 bis 60 Zentner Karpfen und Schleien. Die Gesamtfläche der Teichwirtschaft beträgt 150 ha mit 25 Teichen bis 21/2 ha und 15 Teichen von 5-18 ha Wasserfläche. Zur Bewirtschaftung gehören ferner 5 Winterteiche zu je 1/2 ha, 10 Hälterteiche je 400 qm und 7 Laichteiche zu je 50 qm. |
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