Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1966: Blockhausbrief Nr. 11

Inhalt:

Titel
Ein Blick zurück
"Tradition und Fortschritt"
Blockhaus Ahlhorn oder Die Macht der Verwandlung
Wissenswertes über die Teichwirtschaft Ahlhorn
Ist das Böse wirklich böse?
Roswithas überraschende Frage
Unser liebstes Sorgenkind
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.11.1965 bis 15.11.1966
 
Seepanorama (sorry wg. des Knicks im Bild)

Unser liebstes Sorgenkind

[aufgezeichnet von] Ursula Suckert

In jedem Jahre kommen viele Gruppen zu uns zu Tagungen, Freizeiten oder Rüstzeiten. Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie ein festes Programm mitbringen. Sie wollen Probleme erörtern, sich für einige Zeit besinnen oder ihre Vorstellungen von Freizeit- und Feriengestaltung verwirklichen. Das Blockhaus bietet ihnen dafür den Raum - im doppelten Sinne.

Nur in den Sommerferien sieht das einmal anders aus: Da kommen Jungen und Mädchen für drei Wochen in unser Hüttenlager, die sonst ihre Ferien zu Hause verbringen müssen, weil den Eltern das Geld für eine Reise fehlt. Das Ev. Hilfswerk sucht diese Kinder aus; sie kommen zum größten Teil aus kinderreichen Familien, einige haben Vater oder Mutter verloren, manche sind milieugeschädigt. Bei dieser Gruppe zeichnet das Blockhaus nicht nur für die technische Versorgung verantwortlich, sondern auch für die Durchführung. Nicht daß wir uns um das Tagesprogramm zu kümmern hätten - das liegt in den Händen von Fräulein Suckert, die nun schon seit vier Jahren die Jugenderholung leiten, und ihren Helfern, zumeist Praktikanten der Pädägogischen Hochschule Oldenburg und Gruppenleitern der Ev. Jugend!

Wir nehmen aber doch auf die verschiedensten Weisen mehr am Verlaufe der Freizeit teil, als es sonst bei den Gruppen der Fall ist.

Zunächst sind es äußere Dinge: Wäsche ist zu waschen, weil die Kinder vielfach eine unzureichende Ausstattung für die Lagerzeit mitbringen, Zahnbürsten oder Waschlappen sind zu besorgen, weil sie verlorengingen - oder gar nicht mitgebracht wurden.

Die Küche richtet sich auf Extraportionen ein, weil unsere Jugenderholungskinder einen größeren Appetit zeigen als andere Gruppen.

Daneben stellt sich bald auch ein engerer Kontakt zu einzelnen Kindern ein. Ein paar große Jungen sind von der Küche nicht mehr fortzubringen: Für eine Sondermahlzeit tun sie alles, sogar Töpfe schrubben. "Wilfried" will später Koch werden und hofft, schon jetzt in die Anfangsgründe des Kochens eingeweiht zu werden.

Beim großen Indianerspiel müssen wir alle mitspielen. Zunächst verschwinden alle verfügbaren Stricke und Taue. Dann erhält die Küche den Auftrag, den großen Kochkessel zu säubern, damit die "Kannibalen" ihre Opfer dort kochen können. (Sie bringen wirklich einen Gefangenen, beschränken sich aber darauf, ihm Angst zu machen!) Die Axt ist schon seit Tagen verschwunden. Die "Kannibalen" brauchen sie, um einen Grill zu bauen. Dann erscheint der Häuptling der Indianer im Büro und fordert den Schlüssel zur Studentenbude. Wir haben ihn nicht und können nur einen Zettel der Kannibalen vorweisen, auf dem weitere Anweisungen stehen.

Wir hören von der Jugenderholung mehr, was das Gelingen der Unternehmungen und das Verhalten der Kinder anbetrifft. Kurz: Wir dürfen direkt Anteil nehmen.

Die Probleme sind häufig sehr groß. Da sind schwierige Kinder, die sich nicht einfügen können; Jungen, die ihre überschüssige Kraft loswerden, indem sie das Mobiliar beschädigen usw. Kaum eine Gruppe verursacht mehr Reparaturkosten als die Jugenderholung. So ist sie in jedem Jahr unser Sorgenkind. Aber dann kommen die Kinder und bringen uns Blaubeeren, Pilze oder eine Bastelei zur Versöhnung, und dann ist die Jugenderholung wieder unser liebstes Sorgenkind.


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