|
||
|
|
Ein Blick zurückRolf von der Dovenmühle "Alles, was uns hier umgibt, was wir mit Freude betrachten, Wald und Wasser, Ackerflächen und Viehweiden, ist das recht junge Werk von Menschen unserer Tage, geschaffen unter sorgsamer Anpassung an die Natur. So erklärt sich die Abgeschiedenheit, die Stille, die Lage zwischen Wald, Wasser, die das Blockhaus auszeichnet. Früher gehörte dieses ganze Gelände um das heutige Blockhaus zur Bauernschaft und dem Dorf Sage. Sage ist die älteste der heute bestehenden bäuerlichen Niederlassungen in diesem Umkreis, sicherlich zwei Jahrtausende alt und darüber. Das nächste Dorf im Westen war jahrhundertelang Garrel, 12 km von Sage entfernt. Dazwischen lag eine unbesiedelte Weite, ohne Weg und Straße, ohne Haus und Dorf. Sie gehörte niemandem als Privateigentum, war vielmehr Allmende, gemeinsame Mark, und wurde nur genutzt als Weidegrund für Rinder und Schafe. Außerdem schlug man das Holz und holte Rasensoden, Plaggen für die Ställe, Heidekraut als Streu, junge Zweige als Viehfutter und verwandelte mit all dem im Laufe der Jahrhunderte eine ursprünglich lichte Parklandschaft mit Eichen- und Birkengehölzen in eine kahle, baumlose Heide. Einige verkrüppelte und vom Weidevieh verbissene Eichenbüsche hielten sich mühsam am Leben. Der Wind griff die von der Vegetation entblößten Stellen an und spielte mit dem leichten Sand, der hier von der Eiszeit zurückgeblieben ist. Sandberge und dazwischen bis auf den Grundwasserspiegel ausgeblasene "Schlatts", Eichenkratz und Heide, Schafherden und Bienenzäune, aber kein Acker und keine Weide, kein Wald und kein Teich, kein Haus und Hof -, so sah diese Landschaft noch vor hundert, ja, noch vor fünfzig Jahren aus. Vor dem ersten Weltkrieg hielt die Oldenburger Artillerie hier auf der Heide ihr Scharfschießen ab, wo heute Getreide und Hackfrüchte wachsen. Allerdings war schon damals eine grundlegende Veränderung gegenüber dem früheren Zustand eingetreten: das Heideland war nicht mehr Allmende, sondern bereits 1865 besitzrechtlich eindeutig zwischen Privatpersonen und dem Staate aufgeteilt worden. Zwei Drittel hatten die anteilberechtigten Bauern erhalten, nach Möglichkeit die zu ihren Höfen nahegelegenen Ländereien. Der Staat begnügte sich mit dem entfernt liegenden Drittel. Er kaufte dann rund fünfzig Jahre später den Bauern die entlegenen Ländereien ihres Besitzes wieder ab, das ganze Gebiet um das Blockhaus für DM 7,-*) pro Hektar, 0,7 Pfg. pro Quadratmeter. Er schuf auf dem leichten Sandboden des hügeligen Dünengeländes ein landschaftliches Kulturwerk ersten Ranges, als er hier kurz nach 1900 die Fischteiche anlegen und das Ödland durch die Forstverwaltung aufforsten ließ." 1) Die einzige Unterbrechung in der Heidelandschaft bildeten die Lethe und die Wanderdünen. "Seit dem Ende der Eiszeit fließt das Wasser der Lethe von der Höhe der Garther Heide durch die weite Senke im Norden, die sich von den Fischteichen beim Blockhaus Ahlhorn bis zu den Höhen des Ammerlandes erstreckt, der Hunte zu. Ein tiefes Tal von beachtlicher Breite hat die kleine Lethe im Bereich des Höhenrückens ausgeschürft, in dem sie sich heute wie eine Maus im Löwenkäfig ausnimmt. Wie anders müssen doch damals die klimatischen Verhältnisse gewesen sein, als dieses breite Tal entstanden ist, das heute mit seinen üppig wuchernden, dunkelgrünen Moospolstern und seinem lichten Erlen- und Weidegestrüpp einen so bezaubernden Reiz auslöst. Etwa 60-70 m beträgt der Abstand der hohen Ufer der Ur-Lethe südlich des Blockhauses und in der Nähe des ,Diana-Sees' am Halener Weg. Uns ist es heute unvorstellbar, daß die Lethe gegen Ende der letzten Eiszeit im Zusammenspiel der Elemente mit Urgewalt solche Sandmassen vor sich herschob, sich dabei oft ein neues Bett grub, und so dieser Gegend ihr Gesicht gab. Nur die hohen Sanddünen, zu denen auch die Knökelsberge als Fundament" des Blockhauses gehören, erinnern uns heute noch an das wechselvolle und nicht immer beschauliche Dasein dieses kleinen Flusses." 2) Die sogenannten Knökelsberge waren zuerst kahl, also ohne Pflanzenbewuchs. In feuchteren Zeiten festigte sich der Boden und bedeckte sich mit Flechten, Moosen, Sandseggen und anspruchslosen Gräsern, später auch mit Heidekraut. Wind und Tiere brachten die Samen höherer Pflanzen. Zu einer regelrechten Waldbildung kam es aber nicht, weil die Schnucken Laub, Zweige und Sprößlinge abfraßen. Es bildete sich auf den Höhen der Eichenknüppelholzbestand, der vor 40 Jahren so dicht verflochten war, daß man kaum hindurchkriechen konnte. Als die Teiche rundherum angelegt wurden, boten die Höhen einen herrlichen Rundblick. In den weiten Wasserflächen spiegelte sich die Sonne, an den Ufern entstand eine neue Pflanzenwelt: Weiden, Erlen, Schilf, Rohrkolben, Schwertlilien, auch Schierling, Baldrian, Wasserdost, Spierstauden, Froschlöffel und andere Wasserpflanzen stellten sich ein. Dazu kam eine neue Vogelwelt, die hier ungestört ihre Brut aufziehen konnte. Aus Schilf und Gebüsch erklangen die Lieder der Sänger. Im Mai und Juni schwammen die Stock- und Krickenten mit ihren Küken über die Wasserflächen, das Teichhuhn tummelte sich mit ihnen im und am Schilfrand. Nur wenn Habicht, Bussard oder. Weihe kreisten, verschwand für kurze Zeit die ganze Gesellschaft." 3) "Die Teichwirtschaft Ahlhorn ist eine Gründung des Landeskulturfonds. Viele Beamte der damaligen oldenburgischen Staatsregierung haben um die Jahrhundertwende bei den Vorarbeiten für die Teichwirtschaft mitgewirkt, doch war es dann Herr Keimer, der seine ganze Arbeitskraft dem weiteren Ausbau der Teichwirtschaft gewidmet hat, sodaß man sagen kann, daß die jetzige Teichwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes sein Lebenswerk geworden ist. Der Ausbau der Teichwirtschaft wäre zum Erliegen gekommen, hätte Herr Keimer es nicht immer wieder verstanden, maßgebliche Persönlichkeiten für seine Ideen zu gewinnen und einzuspannen. Die Anlage der ersten Teiche war wohl ein wirtschaftlicher Mißerfolg, doch boten sich weitere große Möglichkeiten, Gelände aufzukaufen, das östlich der Lethe lag. Es waren etwa 300 ha ungenutzte Heideflächen - ein hügeliges Gelände mit ausgewehten Niederungen und aufgewehten Wehsanddünen. Von diesen Flächen erwarb sich der Staat etwa 200 ha zum Preise von 7,- Mark*)! pro Hektar, weil man erkannte, daß die flachen Mulden der ausgewehten Niederungen sich vorzüglich zur Anlage von Fischteichen eigneten. Durch die Anlage der Teiche hat sich der Wasserhaushalt des sonst sehr armen Bodens wesentlich verbessert, Infolgedessen ist eine üppige Bereicherung der Fauna und der Flora eingetreten, so daß ein wahres Iandschaftliches Paradies entstanden ist. Hierzu hat besonders beigetragen, daß Keimer außer der Anlage der Teiche es auch verstanden hat, das zwischen den Teichen Iiegengebliebene Dünengelände aufzuforsten und hier sehr gutwüchsige Waldbestände zu schaffen, so daß jetzt alle Teiche vom Wald umgeben sind und wie natürliche Waldseen wirken. Die gesamten Erdbewegungen, die für die Anlage der Zuleiter und die Errichtung der Teichdämme erforderlich waren, sind s. Zt. durch Handarbeit ausgeführt worden. Der Tagelohn betrug in der ersten Zeit nur 2,50 Mark, wobei noch sehr weite Anmärsche in Kauf genommen werden mußten. Der Platz, auf dem das heutige Blockhaus steht, hat damals den Namen "Buhlertsberg" erhalten. Der dem Blockhaus vorgelagerte zum Baden und Rudern freigegebene Teich ist nach der im Jahre 1958 verstorbenen Frau Keimer "Helenensee" getauft, und der gegenüberliegende mit Kiefern bestandene Höhenzug heißt "Cassebohms Höhe". Im ganzen umfaßt die Teichwirtschaft jetzt außer der Talsperre über 40 Teiche mit einer Wasserfläche von 150 ha. Sie werden jährlich im Herbst abgelassen und zum Frühjahr wieder "bespannt". Sie gliedern sich in Laich-, Brut-, Vorstreck-, Abwachs- und Winterteiche. Ferner gibt es noch Hälterteiche, in denen die Fische nach dem Abfischen bis zum Verkauf gehältert werden. Gezogen werden in erster Linie Karpfen und Schleie vom Ei bis zum Speisefisch, daneben auch Zander, letztere überwiegend als Satzfische für Fischereivereine. Da das Wasser der Lethe nicht sehr nährstoffreich ist, muß in jedem Teich zwei- bis dreimal wöchentlich nach einem genauen Plan gefüttert werden. Zur Verwendung kommen Lupine, Sojaschrot, Getreide und dergl. Wenn die Karpfen "3-sömmerig" sind, sind sie vollwertige Speisefische und werden zu Weihnachten in großen Ladungen verkauft."4) "Dem Reichsarbeitsdienst ist die Erschließung der zauberhaften Seenlandschaft eigentlich zu danken. Die Männer des Reichsarbeitsdienstes machten dem damaligen "Gauleiter" Röver ein kleines, äußerst bescheidenes Häuschen mit kleinem Wohnraum, Küche und 2 Schlafzimmern zum Geschenk. Die Lage dieses Hauses ist sehr gut ausgesucht, es liegt auf einem Hügel und bietet eine entzückende Aussicht. Hier beginnt die Geschichte des Blockhauses Ahlhorn. Dieses kleine Wochenendhaus - heute umgebaut und Jungenburg genannt - ist der Anfang der gesamten Anlage. Schon nach kurzer Zeit wurde dann das erste Parteiheim geplant. Die Arbeiten an diesem Haus sind zum größten Teil von Angehörigen der Partei durchgeführt worden. Es kam dabei zu heiklen Situationen. Die Stellung der Stützen im Altbau verraten noch, daß das bauliche Gefüge nicht so ganz in Ordnung war. Immerhin wurde der Bau fertig und ist bis heute standfest geblieben. 1937 wurde dann dieses erste Haus erweitert. Der heutige Blockhaussaal wurde um eine Achse vergrößert. Der Querbau mit dem Kaminzimmer, dem Büro und den beiden seitlichen Räumen ist danach entstanden. Die kleine Küche des Hauses wird heute als Waschraum benutzt. Im Obergeschoß wurden 3 Räume für den Gauleiter Röver ausgebaut. Als 1944 der Kriegsschauplatz sich immer mehr nach Deutschland verlagerte, wurde dann die "Gauausweichsunterkunft" gebaut. Das Baumaterial war schon sehr knapp geworden, man mußte auf zwei OKW-Baracken zurückgreifen, die auch nur schwer zu beschaffen waren. Aus diesen Baracken ist der Speisesaal, die Küche mit Nebenräumen und der ältere Teil des früheren Kinderheimes und jetzigen Gartenhauses entstanden. Diese Räume sind nicht mehr zweckentsprechend genutzt worden. Zu schnell kam das Unheil und der Schrecken in unser Land. Ausgeplündert wurden die Gebäude leider durch deutsche Landsleute. Türen, Fenster, Bilder, Möbel, alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde abgefahren. Dann bezogen Kanadier das Haus. Es wurde notdürftig wieder hergerichtet. Nach einem Jahr schien es wieder verwaist." 5) Der derzeitige Landesjugendpfarrer G. Maltusch wurde im Juni 1946 von dem britischen Jugendoffizier für den Landesteil Oldenburg, Mr. Berensen, auf das Blockhaus aufmerksam gemacht. Obgleich es sich bei dem Objekt um ein ausgeplündertes Haus handelte, stellte Bischof D. Dr. Stählin bei der Militärregierung den Antrag, das Blockhaus in Ahlhorn mit seinen Nebengebäuden der Evangel. Kirche für Zwecke der Jugendarbeit im Oldenburger Land zu überlassen. Am 29. Juli 1946 fand in dem neuen evangelischen Jugendheim bei Ahlhorn eine Eröffnungsfeier statt, zu der die Junge Gemeinde im Lande Oldenburg herzlich eingeladen wurde. Auf der Einladung hieß es Der bei dieser Feierstunde anwesende Ministerpräsident Tantzen sagte in seiner Ansprache: "Wir sind nicht nur froh, sondern auch dankbar dafür, daß wir dieses schöne Blockhaus einem besseren Zweck zuführen können, als es bisher gedient hat. Wenn es nach meinen Wünschen gehen würde, wäre ich dafür, daß die evangelische Kirche das Blockhaus als Eigentum bekommt. Aber auch die Alliierte Militärregierung muß sich in dieser Hinsicht nach den strengen Vorschriften richten. Wir haben aber die Hoffnung, daß es später einmal in das Eigentum der evangelischen Landeskirche übergehen wird. Bevor nunmehr die Übergabe dieses einzigartigen Jugendheimes erfolgt, das zu den schönstgelegenen in ganz Deutschland gehört, wende ich mich mit der Bitte an die deutsche Jugend, mit deutscher Gründlichkeit und Sauberkeit die Ausgestaltung des Heimes zu übernehmen und das gemeinsame Leben und Schaffen an diesem Orte der Volkserneuerung mit wahrhaft christlichem Geist zu erfüllen." Zur großen Freude der zur Einweihung des Jugendheimes Blockhaus Ahlhorn versammelten Jugend des Oldenburger Landes erschien Bischof Dr. Stählin und sagte anläßlich der Übernahme: "Hier kann inmitten der heimatlichen Natur eine von neuem Geist erfüllte gesunde Jugend in eigener Verantwortung ihr Leben gestalten und an dem Ausbau des Jugendheimes mitwirken. Um aber neue und dauerhafte Lebensformen zu finden, braucht man nicht nur ein zweckentsprechendes, würdiges Heim, sondern vor allen Dingen den Geist innerer Wahrhaftigkeit. Dieser Weg zur Wahrheit führt aber die deutsche Jugend wieder zur Kirche hin, denn eine Jugend ohne Kirche, wie wir sie in den letzten 12 Jahren erlebt haben, ist eine einseitige, fehlgeleitete Jugend, die ohne wirkliche Ewigkeitswerte dahinlebte. Aber auch eine Kirche, die nur alte Menschen erfaßt, ist eine absterbende und traurige Kirche. Daher müssen Kirche und Jugend sich gegenseitig finden und miteinander leben. Auch dieses Heim soll von echtem evangelischem Geist getragen werden, wodurch das Gemeinschaftsleben sein besonderes Gepräge erhalten soll. Dieses Heim steht allen Kreisen der oldenburgischen und deutschen Jugend offen. Großzügige Weite und innere Festigkeit und Sauberkeit sollen sich hier zur Schaffung neuer Lebensformen miteinander verbinden. Wir sind dankbar und glücklich darüber, unserer Jugend eine so herrliche Aufgabe übertragen zu können, an der praktischen Ausgestaltung des Ahlhorner Jugendheimes selbst mit Hand anzulegen. Möge das gemeinsame Leben und Schaffen unserer Jugend von gesundem deutschem und wahrhaft christlichem Geist erfüllt sein." Der Anfang war schwer. Bei der auf dem Balkon gedeckten Kaffeetafel mußten die Tassen für neue Gäste immer wieder gespült werden, da an Hausporzellan nichts vorhanden war. Jeder brachte nach Möglichkeit Tasse, Teller, Messer und Gabel und Löffel mit. Die erste Freizeit, die das Landesjugendpfarramt im Blockhaus hielt, wurde gemeinsam mit dem Leiter des Oldenburger Jugendchores, Kurt Wiesemann, durchgeführt. Die ersten Freizeitplätze ließen erkennen, daß der Landesjugendpfarrer sich gleich darum bemühte, alle Kreise der Jugend zu sammeln. Hier wurden ländliche Volkshochschulkurse gehalten mit der Absicht, christliche Haussitte neu zu beleben und junge Menschen für die Gemeinde in die Verantwortung zu stellen. So wurde das Blockhaus schnell zu einem Jugendheim, in dem man bei aller Fröhlichkeit eine Geborgenheit und Sicherheit verspürte. Gedrängt in das Chaos der Zeit, war die Jugend aufgeschlossen, ja aufgeschlossener als heute für das Wort Gottes, das ihr Halt gab und einen Weg in die Zukunft wies. Als der erste Heimleiter, Herr Thadewald, mit seiner Familie auf einem Pferdefuhrwerk zum Blockhaus kam, fand er die Gebäude in einem unmöglichen Zustand. In der Küche konnte nicht einmal Essen gekocht werden. Eine Cloppenburger Gruppe half bei Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten. In der ersten Zeit waren auch keine Betten da, man schlief auf Matratzen auf dem Fußboden. Die Teilnehmer der ersten Freizeiten lagen auf Stroh, und dennoch waren alle begeistert. Schon bis zu den Herbstferien waren 500 Jugendliche Gäste des Heimes gewesen. In den Wintermonaten gelang es dem Landesjugendpfarrer, weiteres Inventar zu beschaffen, so daß die erste Jahresschlußfreizeit schon zum Jahreswechsel 1946/47 gehalten werden konnte. Diese Freizeit wurde dann die Traditionsfreizeit im Blockhaus, die zum Jahreswechsel bis heute noch mit einer Andacht am Feuerstoß ihren Höhepunkt findet. Während das Jahr 1946 viel Unruhe durch Instandsetzung der Räume, Beschaffung des allernötigsten Inventars brachte, spürte man schon zu Beginn des Jahres 1947 eine gefestigte Ordnung. Der Landesjugendpfarrer lud zu Schülerfreizeiten ein. Jungen und Mädchen kamen in getrennten Gruppen. Besonders am Herzen lagen ihm die Freizeiten für die Abiturienten. Gerade dann, wenn die Sorgen um die schriftlichen und mündlichen Prüfungen diesen jungen Menschen als die größten erschienen, lud der Landesjugendpfarrer sie zu einer Freizeit ins Blockhaus ein, um ihnen Gelegenheit zu geben, in Gemeinschaft mit Kameraden in gleicher Lage die Frage ihrer Generation zu besprechen und eine Zeit der Erholung und der Besinnung unter dem Worte Gottes zu verleben. Aus der Arbeit im Blockhaus sind die Kinderkuren des Evangelischen Hilfswerkes nicht wegzudenken. Seitdem das Hilfswerk im Frühjahr 1947 mit diesen Kuren begann, haben bis 1962 laufend jeweils 35-40 Kinder für 4-5 Wochen Aufnahme gefunden. Auch dieser Anfang war schwer, aber die Kinderheimtanten, so wurden die Kindergärtnerinnen und Helferinnen genannt, gingen mit viel Idealismus an die Arbeit. Die Erntedankspenden aus der Umgebung und die Lebensmittellieferungen der ausländischen Kirchen ermöglichten einen nahrhaften Speisezettel, so daß die Kinder, die blaß und elend ankamen, sich gut erholten. Wer erinnert sich noch an die erste Zeit im Blockhaus? Die Blockhäuser waren nach dem Zusammenbruch und nach dem Abzug der Kanadier ausgeplündert worden. Aus den Türen hatte man sogar die Türschlösser und Griffe ausgebaut, die sanitären Anlagen waren nicht in Ordnung. Die Lichtanlage war so schadhaft, daß man jeder Zeit mit einem Kurzschluß rechnen mußte. Glühbirnen brachten die Jugendlichen mit. Wenn es regnete, leckte es an vielen Stellen durch. Beide Heizungskessel konnten nicht in Betrieb genommen werden, sie waren durchgebrannt. Es gab kein Heizmaterial, wir Feuerten mit nassem Torf, auch das ging. Von Anfang an bemühten wir uns, das Haus winterfest zu machen. Der erste Hausmeister baute dafür kleine Kanonenöfen aus Blech und Schamottsteinen, die in den kleinen Zimmern im Haupthaus aufgestellt wurden. Durch das Pappdach führten wir kleine Ofen-rohre mit notdürftiger Isolierung. Jahrelang mußte das Wasser für die Küche wie auf einem Segelschiff aus vergangenen Zeiten rationiert werden. Zwei Regenwasserzisternen lieferten eidliches Kochwasser, solange der Vorrat reichte. Aus den anderen Zapfstellen über den Waschbecken kam erst einmal ein Schwall schokoladenbraunes Leitungswasser, das die ersten Bohrbrunnen förderten. Oft mußte das Kochwasser in Milchkannen im Boot über den Helenensee vom nächsten Nachbarn geholt werden. Dann stand Fräulein Ufken, die erste Küchenleiterin, auf der Terrasse hinter der Küche und wartete auf die Wasserladung. Ich erinnere mich auch noch, daß Jungen mit dem Handwagen zur Lethe geschickt wurden, die dann Wasser in die mitgeführten Milchkannen schöpften. Die beiden Herde in der Küche und die Kessel waren alt und reparaturbedürftig, so daß das Kochen für 130 Personen oft ein Problem war. Eines Tages brachte der Oldenburger Jugendchor eine alte Gulaschkanone mit, die auf der Terrasse aufgestellt wurde und lange Zeit als Suppenkochkessel ihre Dienste tat. Fräulein Ufken ließ sich aber nie aus der Ruhe bringen und kochte so, daß das Haus immer mehr Freunde gewann. Lebensmittellieferungen des Hilfswerkes und die Erntedankspenden, die wir heute noch dankbar empfangen, waren auch im Jugendheim die Grundlage für eine nahrhafte Kost, in den schweren Jahren nach dem Krieg. Wir danken den Patengemeinden, daß sie uns in den langen Jahren an ihrem Erntesegen teilhaben ließen. Dieser Dank gilt aber auch den kleinen Gemeinden in Südoldenburg, die fleißig in den Haushalten wertvolle Lebensmittel für das Blockhaus sammeln. Alles, was wir empfangen, wird sorgfältig sortiert und wenn nötig eingemietet, und im Frühjahr wieder durchgesehen. Alle diese Lebensmittel kommen den Kindern und Jugendlichen zu gute. Auf den Zimmern sah es auch traurig aus, nur wenige der alten Eisenbetten hatten eine Matratzenauflage, sonst gab es nur Strohsäcke. Im großen Saal, jetzt Blockhaussaal genannt, standen zeitweise bis zu 40 sogenannte Luftschutzpritschen mit grober Sackleinenbespannung. Da die Bauern damals kaum Stroh für ihr Vieh hatten, war es kaum möglich, Stroh zum Auffüllen der Jutesäcke zu bekommen. Bei allen Überlegungen ging es immer wieder darum, für die Zeiten außerhalb der Ferien und ganz besonders im Winter, alle möglichen Gruppen und Kreise auf Übernachtungsmöglichkeiten im Haus hinzuweisen. Wenn es auch in den Zimmern keine Tische und Stühle gab, suchten wir nach einem Ausweg, wenigstens ein halbwegs bequemes Bett bereitzuhalten. Wir beschlossen, Matratzen selbst herzustellen. Aus dem Flüchtlingslager Adelheide kamen zwei junge Leute, die vorgaben, sie hätten schon in einer Polsterwerkstatt gearbeitet. Wenn nicht zufällig eine Mitarbeiterin aus der Küche früher in einer Polsterei tätig gewesen wäre, hätten wir das Alpengras und den Matratzendrell wohl nie verwerten können. Nach kurzer Zeit konnten die alten Betten mit neuen Matratzen belegt werden. Die Matratzen waren so fachmännisch gearbeitet, daß ein bekannter Tischler uns bat, die Fertigung für ihn fortzusetzen. Bei der allmählichen Ausgestaltung des Blockhauses haben wir zunächst häufig improvisieren müssen. Es ging darum, die ausgeplünderten Räume einzurichten. Alle, die hier schon in den ersten Jahren ein- und ausgingen, freuten sich mit uns, wenn wir in der Zwischenzeit im bescheidenen Rahmen die Räume gemütlicher einrichten konnten. Das war in der Zeit, bevor der Oberkirchenrat in der Lage war, größere Um- und Anbauten, den Bau des Personal- und Gästehauses und des Seehauses durchzuführen. Die Jungenburg konnte schon in den ersten Jahren erweitert werden. Junge Leute aus dem Jugendlager Falkenrott und der Hauptanstalt in Vechta halfen uns dabei.An vielen Wochenenden und wenn es nötig war, für mehrere Wochen, schickten uns die Leiter der Anstalten diese jungen Menschen, die sich bewähren sollten. Unter Anleitung örtlicher Handwerker entstand die jetzt so beliebte "Jungenburg". Auch an der ersten Befestigung des oft schlechten Weges zur Flugplatzstraße waren diese jungen Männer maßgeblich beteiligt. Um das Blockhaus herum war der Boden in den ersten Jahren stark ausgedörrt. Der feine Sand, der bis in die Zimmer drang, mußte gebändigt werden. An den Wochenenden befestigten die jungen Leute aus Vechta die Böschungen der Sanddünen, die dann später bepflanzt wurden. Auch bauten sie den Abhang zur Terrasse~ beim Gartenhaus aus, um den Sand zu halten. Als wir vor 5 Jahren damit begannen, das Zeltlager auf dem Sportplatz zwischen den Seen aufzulösen und dafür kleine feste Sommerhütten zu bauen, war es der derzeitige Kommandeur der Fliegerhorstgruppe in Ahlhorn, der uns dabei half, dieses Vorhaben in Angriff zu nehmen. Die Hütten für etwa 50 Kinder, auch "Kälberställe" genannt, die Bauerndiele und die sanitären Anlagen zwischen den Seen auf dem Sportplatz im Laufe der Jahre sind fast unbemerkt entstanden. Mit dieser Hilfe können wir auch jetzt noch rechnen, sei es, die Erntespenden einzuholen, den Sportplatz zu befestigen, die gärtnerischen Anlagen zu pflegen oder überall dort mit Hand anzulegen, wo es notwendig ist. An manchen freien Wochenenden wohnen diese Helfer dann im Blockhaus und gehören mit zur Hausgemeinschaft. Einheiten aus anderen Standorten schlossen sich diesem Helferkreis an. Es gibt aber noch einen Kreis, der bei der Ausgestaltung des Blockhauses tatkräftig mitgeholfen hat. Der "Kreis der Freunde des Blockhauses" hat viele Anschaffungen ermöglicht. Vieles, was uns so wohltuend hier im Haus umgibt, verdanken wir diesem Freundeskreis. Der Ev.-luth. Oberkirchenrat in Oldenburg, der Träger des Hauses, hat entscheidend zu dem Ausbau des Hauses beigetragen. Die Neubauten und die umfassenden Umbauten der alten Gebäude waren nur mit seiner Hilfe möglich. 136 Gäste können wir in den kleineren und größeren Zimmern aufnehmen. Im Sommer kommen noch die Hütten mit 55 Betten des Sommerlagers dazu. Das Blockhaus ist jetzt mit den verschiedenen Tagesräumen so eingerichtet, daß kleinere und größere Gruppen hier nebeneinander ungestört wohnen können. An Wochenenden melden sich dann oft 4-5 Gruppen an. Es ist schon oft gefragt worden, wie es möglich ist, so viele verschiedene Menschen unter einem Dach unterzubringen, ohne daß sie sich stören, dauernd beeinträchtigen, sich durch die anderen geärgert fühlen. Nun, die Weiträumigkeit des Geländes trägt schon erheblich dazu bei, daß man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt, aber ich glaube, daß die Jungen und die Alten die Freiheit, die ihnen gewährt wird, respektieren. Und da Freiheit verpflichtet, gibt es an solchen Wochenenden kaum Verdruß. Dieses bewußt miteinander leben als jeweils anders zusammengesetzte Gastgemeinschaft wird auch am Sonntagmorgen deutlich, wenn sich die Blockhausgemeinde unter der Botschaft der Heiligen Schrift im großen Speisesaal sammelt. Zu allen Jahreszeiten hält das Blockhaus im wahrsten Sinne des Wortes seine Türen offen. Im Frühling, wenn das erste zarte Grün die Teichflächen umsäumt; im Sommer, wenn der tiefe Wald zu schattigen Pfaden lockt; im Herbst, wenn der bunte Wald in vielen Farben leuchtet und die Männer der Teichwirtschaft hunderte von Karpfen und Schleie aus den ablaufenden Gewässern fischen; im Winter, wenn der Kamin die Menschen um sich sammelt, ist es im Grunde genommen eine große Familie, die hier ein- und ausgeht. Wenn auch die Teilnehmer der Gruppen wechseln, können wir manchen Freizeitleiter seit Übernahme des Blockhauses immer wieder begrüßen. "Einstmals war der Boden, auf dem das Blockhaus steht, Allmende und gehörte allen. Möge etwas von diesem aus frühesten Jahrhunderten unserer Geschichte übernommenen Geiste in unsere Zeit übergehen, möge das Blockhaus für uns heute ein Stück gemeinsamen geistigen Besitzes sein." 1) ANMERKUNGEN * Die genauen Beträge sind heute leider nicht mehr genau feststellbar. 2. Blockhausbrief Nr.7. Auszug aus: "Das Tal der Lethe". A. Taute, Augustfehn. 3. Blockhausbrief Nr. 3. Auszug aus: "Blütenpracht aus Dünensand". H. Hibbeler, Ahlhorn-Lethe. 5. Blockhausbrief Nr.5. Auszug aus: "Das Blockhaus Ahlhorn. Eine Plauderei über das Haus und seine Entstehung." Landeskirchenbaurat Dipl.-Ing. D. Schelling, Elmendorf. |
|
| zurück zum Seitenanfang | ||