Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1964: Blockhausbrief Nr. 9

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Der Einzelne in der Gemeinschaft
Predigttext zum 13. Sonntag nach Trinitatis
Kain oder Christus
Neunzehn Jahre Baumweg
Die Ungarn
"Die Reformierten sind gleich wir..."
Rüstzeiten für Soldaten im Blockhaus Ahlhorn
Kartoffeln rösten
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 1. November 1963 und 1. November 1964
Aus einem Brief
 

Kurzberichte der Gäste
vom 1.11.1963 - 1.11.1964

Ev. Studentengemeinde, Oldenburg / P. Richter
(111 Teiln., 12.11-24.11.)

Oekumene Im Blockhaus

Ende November tagte es mal wieder im Blockhaus Ahlhorn. Die Fischteiche waren leer und fast alles Laub gefallen, aber dennoch trafen sich Groninger, Münsteraner, Bremer und Oldenburger Studenten, um auf Einladung der Evangelischen Studentengemeinde Oldenburg an einer oekumenischen Tagung "Kirchen und Grenzen" teilzunehmen.

Abends wurde dann das Kaminfeuer angezündet, denn es gehört zum Blockhaus, sich um den Kamin zu setzen. Dazu mußte natürlich am Nachmittag das Holz im Wald gesucht werden und dabei lernten wir uns gleich kennen: Mareikje, Polona und Gritje aus Holland, Mr. Moore aus Amerika, Herr Satano aus Tokio und Herr Meyer aus Bremen. Wir schleppten die gefundenen Aste hinter uns her und unterhielten uns über den Teufel und den lieben Gott und noch vieles mehr.

Schöner, nämlich gefährlicher und gruseliger, wurden die Spaziergänge allerdings abends, genauer gesagt nachts, wenn wir nach Mitternacht noch einmal losgingen. Da nicht einmal der Mond schien, hörten wir bald auf zu diskutieren und paßten lieber auf, nicht allzu oft in die Pfützen zu treten. Daß dennoch einige nicht auf den vorgeschriebenen Wegen blieben, sondern quer durch leere Teiche, Preißelbeersträucher und Brombeergestrüpp liefen, konnten die anderen am nächsten Morgen an den nicht mehr ganz heilen Strümpfen sehen. Tagsüber wurde es aber wieder ernst: Wir hörten Referate ("Normen der Schriftauslegung", "Kirche zwischen Ost und West" u. a.) und diskutierten darüber. Dabei zeigte es sich dann bald, daß die katholischen Studenten aus Münster Luther sicherer zitieren konnten als die Lutheraner. Wir haben also noch einiges zu lernen.

Der letzte Tag brachte noch zwei Überraschungen: eine lebendige und eine eßbare. Zunächst fingen die Studentinnen, die in der Jungenburg untergebracht waren, eine Maus, die sie als Attraktion im großen Saal "aussetzten"; und dann brachten die Holländer den Deutschen einen echten "Groninger Koek" als Gastgeschenk mit. Er war über einen Meter lang, genau ließ sich das nicht feststellen. Er schmeckte aber durchaus und gab die nötige Stärkung für die Rückreise.

OKR-Filmtagung, Oldenburg / H. Tiedtke
(11 Teiln., 14. 1-16. 1.)

Der Ev-luth. Oberkirchenrat in Oldenburg hatte Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter zu einer mehrtägigen Filmarbeitstagung ins Blockhaus eingeladen, die H. Tiedtke von der Filmstelle der Inneren Mission Braunschweig leitete. Die Filmstelle der Inneren Mission - Kirchlicher Filmdienst Oldenburg - zeigte die Filme "Nachtwache" und "Schrei im Morgengrauen", die in der kommenden Spielzeit in den Gemeinden vorgeführt werden sollen. "Diese Filme sollen immer mehr Gemeinden um das Wort Gottes sammeln und eine Hilfe im Alltag sein", wünschte H. Tiedtke. Zur Einführung von Ausspracheabenden wurden folgende Kurzfilme empfohlen, "Familie ohne Eltern", "Abendmahl", "Gib uns Frieden" und "Neues aus Palästina". - Dr. Papendiek, Matthias Flimgesellschaft Stuttgart, prüfte in seinem Referat, ob unsere Filme der "Schwalbacher Entschließung" entsprachen: "Es kommt darauf an, in der Filmgestaltung das echt Menschliche zu bewahren und durch sie die heilenden Kräfte der Lebensbewältigung zu stärken".

Handwerkertagung, Oldenburg / Kirchenrat Kiausch
(46 Teiln., 7.3.-8.3.)

"Der Mensch und seine Arbeit im heutigen Handwerk"

Im Mittelpunkt dieser Tagung steht das Nachdenken über unsere Arbeit. Manchmal hat man heute den Eindruck, als stünden sich Leben und Arbeit feindlich gegenüber. Das ist dort der Fall, wo wir ständig unter dem Eindruck eines Zuviels an Arbeit stehen und die Sorge um den Terminkalender uns nicht mehr schlafen läßt.

Woran liegt das? Liegt es an der falschen Planung? Müssen wir unsere Arbeitsmethoden ändern? Liegt es an unserer Einstellung zum Leben? Sind es die heimlichen Götter unserer Zeit' die uns die Ruhe nehmen und unser innerstes Wesen und Zusammenleben zerstören?

Mädchenbildungsseminar, Bremen / Frau Leder
(20 Teiln., 19. 3.-27. 3.)

Das "Sie" verringert den Abstand - Seminar für Schulabgängerinnen

Zu Zeiten, als das "normale" Schulleben mit der Konfirmation endete, war der Übergang vom Kindesalter ins Berufsleben mit einem großen und deutlichen "Ausrufungszeichen" gekennzeichnet. Es gab den ersten Hut, die ersten langen Hosen, den ersten "selbständigen" Ausgang für die angehenden Lehrlinge. Heute sieht vieles anders aus, und seit langem macht man sich Gedanken über eine "Brücke", die den Sprung ins Berufsleben erleichtert. Es scheint, daß der Paritätische Wohlfahrtsverband einen Weg gefunden hat. Zum erstenmal nahmen 18 schulentlassene Bremerinnen an einem "Mädchenbildungsseminar" teil. Einmütiges Urteil von Teilnehmerinnen und Leiterinnen nach diesen neun Tagen: "Es ist großartig. Viel mehr, als wir erwartet hatten."

Der Landesverband Bremen im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband kann sich auf Erfahrungen stützen, die in verschiedenen Bundesländern gemacht wurden. Hildegard Leder, die Referentin für Bildungsarbeit und freiwilligen sozialen Dienst beim Frankfurter Hauptverband leistete Starthilfe und leitete auch den Kurs im evangelischen Jugendheim Ahlhorn. Ihr zur Seite stand die Bremerin Christa Ehrich, die der Landesverband mit der Leitung der künftigen Seminare betrauen möchte.

Am vergangenen Wochenende kehrten die Teilnehmerinnen heim nach Bremen. Aus einer locker zusammengewürfelten Schar mit sehr verschiedenen Interessen, Berufswünschen und Elternhäusern wuchs in diesen neun Tagen eine Gemeinschaft, die sich bei ernsten Diskussionen und übermütigem Spiel bewährte. Sie gewöhnte sich, wenn auch nicht mühelos, an das "Sie", in der die Anrede bewußt gehalten wurde. Sie hatte Gelegenheit, freimütig über Probleme zu sprechen, Fragen zu stellen, die das Kind dem Lehrer oder den Eltern nicht so leicht vorzulegen wagt. Auch das "Sie" - so verwunderlich das klingen mag -verringerte den Abstand zur Erwachsenenwelt.

Hinzu kam, selbstverständlich, die Konzentration auf den kleinen Kreis. Das Blockhaus Ahlhorn liegt tief im Wald, in eine herrliche Landschaft eingebettet. Auf dem mehr als einstündigen Fußweg oder auf einer langen, beschwerlichen Autofahrt über holprige Waldwege begegnet man selten einem Menschen. Um so näher rücken Seen und Wald.

Im Gruppengespräch ging es um die sinnvolle Erfüllung der Freizeit, um das Zeitunglesen, um den Umgang mit Geld, den Umgang mit sich selbst und anderen. "Wir geben keine Rezepte", sagt Hildegard Leder, die über eine Tätigkeit als Erzieherin, Heimleiterin und Fürsorgerin in diese Arbeit hineinwuchs und sich auf die Psychologie des jungen Mädchens versteht. "Es kommt darauf an, Vor- und Nachteile zu beleuchten und eigene Gedanken anzuregen."

Weil die Teilnehmerinnen aus verschiedenen Schulen kamen - in der Schule fanden sie auch die Einladung zu diesem Seminar -, hatten sie einerseits weniger Hemmungen, zu reden - auch über scheinbar "heikle" Themen, wie das Verhältnis zum jungen Mann, die Privatsphäre des jungen Mädchens zu Haus ("Dürfen Eltern heimlich Tagebücher und Post lesen?") - andererseits lag im Eingewöhnen in den fremden Kreis schon der Auftakt zum Berufsleben unter lauter Unbekannten.

Schließlich wurde hinter verschlossenen Türen begeistert für den Abschiedsabend geübt, gebastelt, geplant und geprobt, An diesem Abend sagten sich die angehenden Krankenschwestern, Bürogehilfinnen, Friseusin, die Konditorin, Heilgymnastin, Handelsschülerin und Säuglingsschwester "Auf Wiedersehen", denn sobald ein Fortsetzungsseminar angesetzt wird, wollen sie allesamt wieder dabeisein.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband möchte auch für den Landesverband Bremen in den Herbst- und Osterferien solche geschlossenen Seminare für die Schulabgängerinnen und darüber hinaus Wochenendtagungen einrichten, die geeignet sind, ein gewisses Vakuum zwischen Schule und Beruf zu füllen. Der "erste Versuch" in Ahlhorn war ein vielversprechender Auftakt.

(G. Arnd in den "Bremer Nachrichten" vom 2.4.1964)

Jungdemokraten, Niedersachsen / H. Busch
(35 Teiln.,18. 4-19. 4.)

DGB-Redner vor Jungdemokraten - Politisches Wochenendseminar im Blockhaus

"Gewerkschaftsbewegung gestern und heute" war das Thema eines politischen Seminars, welches vom Kreisverband Oldenburg der Deutschen Jungdemokraten im Jugendheim Blockhaus Ahlhorn veranstaltet wurde und aus dem ganzen Landesverband Niedersachsen besucht war. Die vorgesehene Begrüßungsrede des niedersächsischen Finanzministers Jan Eilers fand nicht statt, weil der Minister an zwei anderen Orten des Landes sprach.

Die historische Entwicklung der Gewerkschaften von der Jahrhundertwende bin in die Gegenwart wurde von dem VHS-Dozenten Werner Köhler, Hannover, sachlich dargestellt. Er schilderte die Gewerkschaftsbewegung der Weimarer Republik, die Loslösung von kommunistischen Einflüssen, die Auflösungen zugunsten der Deutschen Arbeitsfront 1933 und die Entstehung neuer Gewerkschaften seit 1945. Der Redner wies darauf hin, daß die im DGB zusammengeschlossenen Industriegewerkschaften auch für Angestellte eigene Gruppen pflegen. Eine fruchtbare Aussprache schloß sich dem Referat an.

Noch lebhafter wurde die Diskussion nach einem Vortrag des Pressereferenten Karl-Heinz Briam vom DGB-Landesbezirk Niedersachsen, Hannover, über die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Diskussionsteilnehmer der Jungdemokraten meinten, für politische Zielsetzungen seien allein die Parteien zuständig, und der DGB solle seinen Einfluß innerhalb der Parteien geltend machen, anstatt selbst politisch tätig zu sein. Das Seminar fand in der freundlichen Atmosphäre des Blockhauses statt; die freimütige Aussprache wurde allseits begrüßt.

Ev. Akademikerschaft, Oldenburg / Dr. Wolf
(146 Teiln., 1. 5.)

"Gottesdienst zwischen Kult und Evangelium"

Seit Jahrtausenden haben Menschen ihr religiöses Leben in mannigfaltigen Kultformen zum Ausdruck gebracht. In der Christenheit unserer Tage, ja selbst innerhalb der sog. "evangelischen Kirche" gibt es verschiedene Ausprägungen gottesdienstlichen Handelns. Viele wissen mit dem christlichen Kultus wenig oder nichts anzufangen. Manchen ist er zu reich, manchen zu dürftig. Unverstandener christlicher Kultus steht hinderlich im Vordergrund der Beziehungen zwischen Mensch und Gott. Kultus, ohne Glauben vollzogen, wird zur religiösen Zeremonie. Aber gibt es auch Glauben ohne Kult? Und welcher ist nun der rechte, der gottwohlgefällige Gottesdienst? - Wir laden Sie ein, an der Beantwortung dieser Fragen mitzuarbeiten!

1. Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland will die christliche Botschaft unter Akademikern ausrichten. Sie will dazu beitragen, daß der Akademiker in seiner Kirche beheimatet wird, zur rechten Erkenntnis und Entscheidung in den geistigen Grundfragen unserer Zeit kommt und seine Verantwortung vor Gott in Familie, Beruf und öffentlichem Leben erkennt und wahrnimmt.

2. Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland wendet sich nicht nur an die Glieder einer bestimmten Konfession, sondern sie ist offen für Glieder aller christlichen Kirchen und für alle, die nach der christlichen Botschaft fragen.

Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland wendet sich nicht nur an Menschen mit akademischer Vorbildung; sie ist offen für alle, die sich ihre Ziele zu eigen machen.

3. Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland weiß sich verantwortlich für die Ausrichtung der christlichen Botschaft unter der studierenden Jugend. Sie unterstützt daher die Arbeit der Evangelischen Studentengemeinde in Deutschland.

Ev. Volksschule, Abbehausen / H. Niehold
(32 Teiln., 2.5.- 9.5.)

Tisch- und Küchendienst

Im Blockhaus Ahlhorn mußte jeder von uns einen Tag Tisch- und Küchendienst machen. So war auch ich eines Tages dran. Was wir zum Frühstück aufdecken mußten, wurde uns gezeigt. Nachdem sich alle versammelt hatten, holten wir das Essen. Danach räumten wir das Geschirr ab. Bevor wir aber Abtrocknen gingen, lasen wir uns ein Schild durch. Darauf stand: "Scherben bringen Glück, das Glück kostet, Terrine 17,- DM". Die Terrine war das teuerste Stück, doch darunter waren Untertassen, Tassen und Teller aufgeführt. Wer Scherben machte, mußte dafür blechen. Das Abtrocknen verlief reibungslos. Zum Mittagessen, zum Vesper, zum Abendbrot mußten wir aufdecken, das Essen holen, wieder abräumen und danach abtrocknen. Doch das Schlimmste kam noch, am nächsten Morgen mußten wir zwar keine Kartoffeln schälen, aber dafür ihnen die Augen ausstechen. Das ging auch vorbei und ich war ziemlich froh, als wir fertig waren. (Manfred Gebel)

Abendgymnasium, Oldenburg / H. Hanisch
(25 Teiln., 23. 5-24. 5.)

"lsrael und seine Nachbarn"

Die Schülermitverwaltung des Abendgymnasiums führte zum erstenmal überhaupt eine Tagung dieser Art durch. Diese Fahrten sollen einmal bezwecken, daß die Gemeinschaft der Schüler gestärkt wird und zum anderen soll ein allgemeinbildendes Thema erarbeitet werden. 25 Schüler und Schülerinnen waren der Einladung gefolgt und kehrten begeistert am Sonntag Abend nach Oldenburg zurück. Die Tagung wurde ein voller Erfolg, was nicht zuletzt dem Heim, seiner wunderbaren Umgebung und dem strahlenden Sonnenschein zu verdanken war.

Am Sonnabend wurde die geistige Arbeit des Wochenendes unter Leitung von Herrn Dr. Fischer von der Volkshochschule erledigt. Sein Referat mit dem Thema - Israel und seine Nachbarn - war fundiert durch Erlebnisse, die er auf einer Studienreise nach Israel im vergangenen Herbst gehabt hatte. Die Ausführungen über das innerstaatliche Leben erläuterte er mit zahlreichen Dias. Sein Urteil über dieses gerade in letzter Zeit wieder außerordentlich aktuelle Thema war folgendes: De arabischen Staaten, die sich mit Israel de jure noch im Kriegszustand befinden, müssen sich mit Israel arrangieren, das arabische Ziel, Israel zu annullieren, ist eine Illusion.

Am Sonntag wurde nur noch körperlich gearbeitet, die Beschäftigungen waren Kahnfahren, Schwimmen und Sonnen, hinterher wurde erzählt, daß einige diese Anstrengungen nicht durchgestanden haben.

Man kann wirklich sagen, daß das Blockhaus und die ruhige Umgebung Gelegenheit gibt zur Einkehr und zur Entspannung, wir haben uns jedenfalls sehr wohlgefühlt und haben nur den Wunsch, bald wieder anreisen zu dürfen.

Fr. Naumann-Stiftung, Bad Godesberg / H. Schulze
(30 Teiln., 23.5-30.5.)

Im Blockhaus "stritten" die Fraktionen

Auch Osterreichs FPÖ schickte Teilnehmer

Das vierzigste Seminar der Friedrich-Naumann-Stiftung im "Blockhaus", einem der Evangelischen Kirche gehörenden Jugendheim in Ahlhorn bei Oldenburg, fand Ende Mai statt. Einem der Teilnehmer verdanken wir den nachstehenden Bericht:

Das "Blockhaus" - eigentlich sind es mehrere noch Blockhaus-Art gebaute Häuser - liegt inmitten eines vor 60 Jahren angelegten Waldgebietes mit rund 50 Teichen, die der staatlichen Fischzucht gehören. Dieses idyllisch gelegene Landschaftsgebiet, das niemand in Oldenburg vermutet, war so recht geeignet, für das unter dem Thema "Die Gemeinde als Grundlage des demokratischen Staatsaufbaues" stehende Seminar der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Am Montag und Dienstag der Tagungswoche erfolgten, jeweils auf den Vor- und Nachmittag verteilt, zwei Referate von 1-2 Stunden, denen sich dann eine Diskussion anschloß. Die Referenten waren hervorragende Sachkenner auf ihrem Gebiet und kamen aus der kommunalen Verwaltung oder Vertretung. Die Teilnehmer waren Gast der Stadt Oldenburg. Die Weser-Ems-Halle mit ihren verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten und als Muster einer kühnen Bauplanung der 130.000-Einwohner-Stadt wurde besichtigt.

Andere Tage standen wieder im Zeichen emsiger Arbeit. Als Abschluß - Sonnabend war Rückreisetag - fand am Freitagabend ein gemütliches Zusammensein statt, das eingeleitet wurde von einer "Gemeinderatssitzung" der "Gemeinde Blockhaus Ahlhorn", der die hessische Gemeindeordnung zugrunde lag. Die Hessen stellten die meisten der aus allen Bundesländern kommenden Teilnehmer. Darüber hinaus war auch ein Vertreter der FPÖ aus Wien unter den Teilnehmern.

Die verschiedenen "Fraktionen" trugen sehr zur Belustigung aller bei. Der wohl wichtigste Tagesordnungspunkt, und auch einzige mit ernstem Hintergrund, war die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an den Studienleiter Reinhold Schulze, der unter freundlicher Assistenz von Fräulein Renate Schimmelpfennig, in bewährter Weise zum Gelingen auch dieses 40. Seminars beitrug. Ihm galt, was auch hier nochmals hervorzuheben ist, der Dank aller Teilnehmer! Aber auch die gute Betreuung durch das "Blockhaus" fand hohe Anerkennung.

Mädchenschule, Oldenburg-Eversten / H. Wendt
(32 Teiln., 8.6.-13.6.)

Wie Brigitte und ich die Karpfen beobachteten,

Es war am Freitagnachmittag. Als Brigitte und ich die Karpfen beobachteten, sahen wir Schwärme von Karpfen herumschwimmen. Wir wollten nach dem Kaffeetrinken baden, darum gingen wir beide schon bis zu den Knien ins Wasser. Brigitte ekelte sich etwas vor den Karpfen. Darum wollte ich ihr einen Streich spielen und sagte: "I--- ein dicker Karpfen kommt!" Als sie dies hörte, sauste sie aus dem Wasser; da hatte ich natürlich meinen Spaß. Die dicken Karpfen kamen bis zu einem Meter an uns heran. Wenn Brigitte und ich uns etwas erzählten, schwammen sie schnell fort. Unserer Lehrer erzählte uns später, daß Karpfen hören können. Bald liefen Brigitte und ich zurück zu unserer Klasse und erzählten unsere Beobachtungen Herrn Wendt. (Ursel Thiele)

Ev. Jugend, Sandkrug / P. Müller
(31 Teiln., 20.6-21.6.)

Unter dem Leitgedanken "Dienst am Nächsten" verlebten die 1. und 2. Gruppe der evangelischen Jugend aus Sandkrug in Begleitung von Pastor Bernhard Müller (Sandkrug) ein Wochenende im Blockhaus. Es wurde gewandert, musiziert, aber auch über viele Probleme diskutiert. Die Mitglieder des Männerkreises hatten die Jugendlichen mit ihren Fahrzeugen noch Ahlhorn gebracht. Zum Ausklang des frohen Beisammenseins wurde in der Sandkruger Kirche eine Schlußandacht gehalten, die die Jugendlichen wiederum selbst gestalteten.

Lehrg. f. Jugendoffiziere, Oldenburg / Obl. Carstens
(18 Teiln., 22.6-27.6.)

Jugendoffiziere im Blockhaus Ahlhorn.

In der Woche vom 22.6. bis 27.6. 1964 fand im Blockhaus der 65. Grundlehrgang "Jugendarbeit in der Praxis" der Bundeswehr statt. Für die Organisation zeichnete die im Oldenburger Land stationierte 11. Panzergrenadierdivision verantwortlich. Der Lehrgang diente der Ausbildung der Jugendoffiziere, der Repräsentanten der Bundeswehr also, die als Kontaktperson zur Öffentlichkeit insbesondere zu Schulen und Jugendverbänden tätig sind.

Nach einem einführenden Grundsatzvortrag zur "Situation der Jugend heute" gehalten von Prof. Dr. Loch, PH Oldenburg, kamen im Verlauf der Woche die Vertreter der Jugendverbände und der Schule zu Wort. Höhepunkt und Abschluß des Lehrganges bildeten 6 Lehrproben' die von jungen Offizieren in Berufs- und Oberschulen in Cloppenburg und Vechta geholten wurden.

Im Schlafzelt

Jugenderholung, Oldenburg / Frl. Suckert
(45 Teiln., 3.7-23.7.)

Frohe Ferien in Ahlhorn

Wie in jedem Jahr führt das Ev. Hilfswerk auch in diesem Sommer ein Jugenderholungszeltlager beim Blockhaus Ahlhorn durch. Es wurde von Ursula Suckert, Studentin an der PH Oldenburg, zum dritten Male betreut. Neben Jungen aus dem Gebiet der Landeskirche Oldenburg nahm auch die Jungschar "Bonifatius" aus der Gemeinde Neuengroden unter Leitung von Rüdiger Haar teil.

Zur Freude der Jungen wurde sehr viel Sport getrieben. Die Krönung war die Lagerolympiade, bei der es viele Preise zu gewinnen gab. Die nächtliche Lampionfahrt und die Schnitzeljagd wird wohl keiner, der dabei war, so schnell vergessen.

Die Wilhelmshavener Jungen zeichneten sich durch besondere Initiative aus. Wer heute über den Sandplatz geht, kann die Indianerhütte und den selbstbemalten Totempfahl der Jungscharler nicht übersehen.

Nur zu schnell gingen die drei Wachen vorüber. Bevor die Jungen zurück in die Jadestadt fuhren, dankten sie nicht nur der Heimleitung für das gute Essen, sondern auch der Lagerleiterin, daß sie eine so schöne Zeit im Lager Ahlhorn verbringen durften.

Soldatenrüstzeit, Delmenhorst / P. Pahlow
(35 Teiln., 7.9-10.9.)

Evangelische Soldaten im Blockhaus

Anfang September waren wir mit unseren Delmenhorster und Wildeshauser Soldaten wieder einmal Gäste im Blockhaus Ahlhorn. Wir hatten uns das Rüstzeitthema: "Der Glaube gibt uns neue Maßstäbe" vorgenommen, um es auf seine Aktualität in Bezug auf die persönliche Freiheit, auf die Gerechtigkeit, auf die Frage der Gleichheit und im Blick auf das Problem der Autorität hin zu befragen. Dabei machten wir sehr bald die Entdeckung, daß wir wohl oder übel bei der intensiven Frage nach dem "Christus für mich" ankamen und hier uns stellen mußten. Auch die bei Soldatenrüstzeiten betriebene Gruppenarbeit stellte diese Frage nach einmal mit aller Deutlichkeit heraus und nahm sie mit in die Gesamtaussprache und in den Alltag hinein.

Daß bei solchen Rüstzeiten in Ahlhorn immer wieder auch die Atmosphäre des Hauses und die landschaftlich schöne Umgebung wohltun, sei am Rande mit Dank für alle, die dabei waren, vermerkt. (L. Pahlow, Militärpfarrer)

Ev. Nogatschule, Wilhelmshaven / H. Kuckuck
(24 Teiln., 5.9.-15. 9.)

Es kommt wohl eigentlich recht selten vor, daß der bzw. die Leiter einer größeren Gruppe von Jugendlichen bei einem längeren Aufenthalt in einem Heim Ruhe und Entspannung finden. Für Frau Denz und mich traf das aber wirklich zu. Unterkunft und Umgebung, die gesamte Atmosphäre dort trugen dazu bei.

Für den Abschlußabend am 14. September hatte ich ein Gedicht entworfen, das an die dort erlebten schönen Stunden erinnern soll.

Im Blockhaus Ahlhorn (5.-15.9.1964)
Aus dem schönen Wilhelmshaven
             wir uns hier im Blockhaus trafen,
zwölf der Mädchen, zehn der Jungen,
             hatten wir uns durchgerungen,
fern von Vatern, weg von Muttern,
             uns zehn Tage durchzufuttern,
zu genießen bunte Felder,
             auch die Heide und die Wälder.
Alle Mädel und die Buben
             waren schnell verteilt auf den Stuben,
die laut Aufschrift an den Türen
             Namen nur von Fischen führen;
und verantwortlich pro Zimmer
             war der Älteste dann immer.
Alle diese kleinen Fische
             saßen dann alsbald zu Tische,
schöpften nun mit frohen Mienen
             Schnippelbohnen aus Terrinen
auf den Teller, und geschlossen
             wurde dann das Mahl genossen.
Doch dann galt es, in den schlichten
             Räumen sich gut einzurichten,
Kofferinhalt zu verstauen,
             auch die Betten glatt zu bauen.
Schon bei diesen Kleinigkeiten
             gab's die ersten Schwierigkeiten:
die Bezüge mit den Decken
             ließen gar zu schwer sich glätten,
so war'n hier und bei den Kissen
             Form und Schönheit zu vermissen.
Lag dann alles in den Betten
             gab es jeweils Schlaftabletten,
um die Geister zu betören;
             trotzdem gab's noch viel zu hören!
Christels Stimme war durchdringend,
             daß Frau Denz oft händeringend
sich nach nebenan bewegte,
             wo sich plötzlich nichts mehr regte!
Ja, von diesen schönen Tagen
             gäb es noch viel mehr zu sagen,
doch auch hier gibt's mal ein Ende!
             Nach der nächsten Tageswende
kommen leider wir zum Schlusse.
             Morgen fahr'n wir mit dem Busse
dann zum Bahnhof, welche Qual!
             Tschüs dann bis zum nächsten Mal!

Schule a. d. Kerschensteiner Straße, Bremen / H. Wurthmann
(33 Teiln., 11.9.-17.9.)

Tierbeobachtung in der Frühe

Montag Abend nahmen wir uns vor, ganz früh aufzustehen. Aber daraus wurde nichts. Als wir aufwachten, war es schon bald 6 Uhr. Schnell standen wir auf. Fast die ganze Belegschaft von Zimmer 2, das waren Peter, Robert, Horst, Jürgen, Christian, Burckhard und ich wollten mit. Nur Karl-Heinz blieb in seinem Bett liegen. Wir schlichen so leise wie möglich hinaus zum Bootssteg. Zwei Kähne wurden besetzt und wir ruderten zur anderen Seite des Sees. Drüben gingen wir eine Weile auf einem Weg entlang und entdeckten bald Rehspuren. Sie waren noch ziemlich frisch. Und wirklich, etwa 100 m weiter sahen wir ein Reh von einer Lichtung in den Wald zurücktreten. Dann streiften wir eine Weile still, ohne uns zu unterhalten, durch den Wald. Plötzlich rief Christian etwas und hielt die Hälfte eines Damhirschgeweihs hoch. Wir kehrten auf den Weg zurück. Dort wurde nach eine Weile über den Fund gesprochen. Doch bald schlief die Unterhaltung wieder ein. Inzwischen hatten wir ein gutes Stück zurückgelegt und sahen den Waldrand, dahinter kam Heide. Hier blieben wir ein Zeitlang fast bewegungslos stehen. Da raste ein Reh über den Waldweg und hinterher noch eins. In diesem Augenblick rief Jürgen leise aus: "Seht, da hinten, ein ganzes Rudel Rehe!" Wir sahen nur ein paar weiße Flecken. Dach Jürgen beharrte darauf. Wir schlichen einigermaßen geräuschlos näher heran, entdeckten aber nur einige Kühe. Da stellte sich heraus, Jürgen hatte die Kühe für Rehe gehalten. Jetzt wurde es auch Zeit, zum Blockhaus zurückzukehren. Am nächsten Morgen zogen wir wieder los, diesmal bedeutend früher. Siehe da, wir hatten Glück. Besonders einen Rehbock und zwei Ricken beobachteten wir sehr lange. Sie standen auf der Wiese und ästen. Der Wind stand zwar für uns nicht sehr günstig, doch sie hatten uns noch nicht bemerkt. So schlichen wir näher und näher. Da machte Burckhard eine hastige Bewegung und verursachte dabei ein Geräusch. Wie auf Kommando hoben die Rehe ihre Köpfe. Schon hatten sie uns gewittert und jagten in wilder Flucht davon. Wir pirschten weiter und sahen im Laufe des Morgens 21 Rehe, dazu noch eine Menge Wildenten und ungefähr zehn Hasen. Besonders über einen Hasen amüsierten wir uns sehr. Er kam auf 10 m heran, guckte uns an und dann erst hoppelte er davon. Jetzt wurde es Zeit zurückzugehen. Als wir beim Blockhaus ankamen, waren wir ziemlich matt. (M. Gebel)


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