Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1964: Blockhausbrief Nr. 9

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Der Einzelne in der Gemeinschaft
Predigttext zum 13. Sonntag nach Trinitatis
Kain oder Christus
Neunzehn Jahre Baumweg
Die Ungarn
"Die Reformierten sind gleich wir..."
Rüstzeiten für Soldaten im Blockhaus Ahlhorn
Kartoffeln rösten
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 1. November 1963 und 1. November 1964
Aus einem Brief
 

"Die Reformierten sind gleich wir
vom Papst geschieden,
und dennoch leben wir
mit ihnen nicht in Frieden . . ."

Hilbert Meyer, Ocholt

Daß dieser Anfang eines Kirchenliedes aus einem alten lutherischen Gesangbuch keine Gültigkeit mehr besitzt, beweisen unter anderem die seit zwölf Jahren stattfindenden religionspädagogischen Tagungen in unserem Lande, an denen Lehrer und Pädagogikstudenten aus der reformierten und lutherischen Kirche teilnehmen.

Initiatoren und Leiter dieser Tagungen sind Frau Prof. Dr. Ramsauer (Päd. Hochschule Oldenburg), Pastor F. Immer (Emden) und Pastor Dr. Haas (Leer).

Die letzte Tagung fand vom 5.-9. Oktober 1964 unter dem Thema: "Das Problem der Autorität in der christlichen Gemeinde" statt. Ausnahmsweise wurde Frau Prof. Dr. Ramsauer durch ihre Assistentin, Frau Vikarin Kaestner, vertreten. Mit etwa fünfzig Teilnehmern wurde inhaltlich versucht, durch Bibelstudium am Vormittag, durch Referate, lange Diskussionen und Spaziergänge die Fragen des Themas ein wenig zu klären. Es ist unmöglich, den Inhalt aller Referate hier zu skizzieren. Darum sei außer den langjährigen Leitern und Referenten nur wenigen Gästen gedankt: Herrn Oberkirchenrat Dr. H. Schmidt, der mit uns das Elterngebot in der Bibel und im Katechismus durchdachte; Herrn Professor Dr. Schulenberg, der den Wandel im Autoritätsbegriff von soziologischer Seite her darstellte und Herrn päd. Ass. Becker, der über die Fragen der Koedukation referierte.

Aus den Referaten von Herrn P. Dr. Haas und Herrn P. Immer war ersichtlich, daß die Kirchen vom Neuen Testament her Schrittmacher in dem Wandel von den überwiegend patriarchalisch-autoritären Formen der Vergangenheit zu dem mehr partnerschaftlichen Lebensstil der Gegenwart sein könnten, bis heute aber nur mit Mühe hinter der allgemeinen Entwicklung herhinken. Wir vermuteten, daß in reformierten Gemeinden partnerschaftliche Lebensformen häufiger zu finden sind als bei Lutheranern. Stimmt das? Jedoch wurde der Hang, doch lieber beim Alten zu bleiben, von beiden Kirchen konstatiert. Grund genug, den oben beschriebenen Frieden zwischen reformierten und lutherischen - und nicht zuletzt auch freikirchlichen - Lehrern in weiteren Tagungen zu pflegen.


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