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Aus einem Brief:Elsa Hoffmann
Wochen liegen nun leider schon dazwischen, da auch wir uns eine Aufrüstung holten in dem herrlichen Weltwinkel der stillen Seen und feierlichen Wälder, fern dem Hasten der Stadtwelt und ihrem lärmenden Getriebe und Gehupe. Dennoch ist die Stille und Einkehr so erlebnisreich im Innern, so fruchtbar! Wird man des morgens geweckt durch einen Posaunenchor, der, am See stehend, wohl gar nicht anders kann, als: Großer Gott wir loben Dich, zu intonieren, der aber ebenso schön und aufheiternd zu den alten, lieben Volksliedern übergeht, die man heutzutage so selten hört, so ist ein froher Tag schon fast gesichert.. . - Da denke ich an die Laienspielschar des Lycée Alain Alencon, die mit ihrem Omnibus aus Frankreich plötzlich auf dem Platz am See zwischen den Blockhäusern eintrafen zu einer Freizeit. Sind sie andere Menschen als wir? Ja und nein. Wenn man sich ein ganz klein wenig lieb um sie bemüht, trifft man sogleich die gemeinsame Ader, die in uns allen pulst. Und man erhält das rechte Gegengeschenk ihrer Art zurück. Mit welchem Charme spielten sie von Molière: "Der Bürger als Edelmann", so, wie vielleicht nur junge Franzosen es können! Wie anmutig trugen sie ihre wunderschönen Kostüme dazu, die sie mitbrachten aus Rennes, als ob sie darin ursprünglich lebten! Sie vermittelten unmittelbar Esprit und Welt ihres Dichters, allen verständlich trotz der anderen Sprache. Wiederum merkten aber auch wir beglückt, wie ebenso unsere innigen Volkslieder von ihren Herzen verstanden wurden, ohne Worte, als sie beim Abschied mit diesem Schatz beglückt in ihren Reisewagen... Ahlhorn birgt den ganzen Zauber von dem, was "Heimat" für mich ist mit ihrem Duft, den weichen, moosigen Waldwegen unter dem Gewölbe hoher Eichen, den lichten Wiesenpfaden oder Schilfdämmen, denen das Wasser seine geheimnisvollen Geschichten zuraunt, - die der Abend mit hundertfältigem Leben erfüllt all der Wesen, die in diesen Verstecken die Geborgenheit der Nacht erwarten. Geborgenheit, nachdem zuvor die Abendsonne ihren golden-strahlenden Mantel von unerhörter Schönheit über alles gebreitet hatte... oder ist es schöner, am Morgen, all die Wasservögel auf ihrer ungestörten Sandbank bei ihrem Tagewerk zu beobachten, sie, die jede Scheu vor dem Menschen scheinen verloren zu haben - wie auch die einsamen Reiher am Ufer oder so eigenartig in ihrer Haltung auf den hohen Bäumen? Unsere Füße gehen so leicht und sacht. Und wie dem Rotkäppchen ergeht es uns. Es locken all die Waldpfade vom Wege ab zu den Blumen und schönen Pilzen.
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