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Eine Wanderung zu unseren GroßsteingräbernK. Michaelsen Meist wird es nur dem fachkundigen Wanderer durch die schöne Landschaft um Ahlhorn-Wildeshausen bewußt, daß er sich in der an urgeschichtlichen Denkmalen reichsten Gegend Deutschlands befindet. Trotzdem ist das, was sich hier noch vorfindet, an Riesensteingräbern der Jungsteinzeit, an steinzeitlichen, bronzezeitlichen und eisenzeitlichen Grabhügeln nur ein kümmerlicher Rest von dem was sich einst unsern Vorvätern an vorgeschichtlichen Denkmälern darbot. Es sind Zeugen einer reichen vorgeschichtlichen Besiedelung unseres Landes, aber ein großer Teil mußte der fortschreitenden Kultivierung weichen, größtenteils ohne genauere Untersuchung und Aufzeichnung. Um so mehr sollte unsere Zeit zu retten suchen, was noch zu retten ist, der D e n k m a l s c h u t z muß eine bewußte Angelegenheit des ganzen Volkes werden. Im Verwaltungsgebiet Oldenburg gibt es noch 63, im benachbarten Hümmling noch 91 und im übrigen Niedersachsen noch weitere 130 Großsteingräber, wenn es hoch kommt, sind es aber doch nur noch etwa 10 % des einstmals vorhandenen Bestandes. Im Umkreise von etwa 10km um die Achse Ahlhorn-Wildeshausen, zu beiden Seiten der Hunte und ihres kleinen Nebenflusses, der Aue, kann man noch über 30 Großsteingräber der Jungsteinzeit verschiedenen Typs und Alters studieren und nebenbei über einhalb Tausend Grabhügel der Stein-, Bronze- und Eisenzeit aufsuchen, z. T. in größeren Gräberfeldern vereinigt, wie u.a. die von P e s t r u p, H e i n e f e l d e und E i n e n. Wissenschaftliche Ausgrabungen von Großsteingräbern der neueren Zeit (z. B. in Kleinenkneten und Dötlingen) geben uns wertvollen Aufschluß vom Grabbau und Bestattungssitten, über Grabbeigaben aller Art, wie Waffen, Tonwaren und Schmuck. Sie lassen weiterhin Schlüsse zu auf die Lebensweise und die gesellschaftliche Ordnung unserer Vorfahren aus Zeiten, von denen uns keine geschriebenen Urkunden berichten. Alle, die an Heimat und Volkstum interessiert sind, können sich hier in reizvoller Landschaft wertvolle Belehrung holen. Unsere Vorfahrengeschichte reicht weit über die wenigen durch schriftliche Urkunden bekannten Jahrtausende in die graue Vorzeit zurück und hat uns ihre Spuren außer in jenen Denkmälern in noch lebenden uralten Sitten und Gebräuchen hinterlassen. Im oldenburgischen Gebiet ist noch Forschungsarbeit in Hülle und Fülle vorhanden, denn an die 20 Standorte von vollständig zerstörten Steingrabanlagen konnten nach wieder festgelegt werden. Gerade diese häufig nur oberflächlich ihrer Findlingsträger und Decksteine beraubten mehr oder weniger in den Boden eingetieften Grabkammern bergen, von außen kaum noch kenntlich, unter dem Boden meistens noch einen erheblichen Teil ihres Inhalts an Beigaben, wie Feuersteingeräte und -Waffen, Tongeräte für Speise und Trank und Bernsteinschmuck, wenn auch die ursprünglichen Lageverhältnisse zumeist erheblich gestört sind. Dafür können dann die heute noch vorhandenen Steingräber geschont und in möglichst gutem Zustand der Zukunft erhalten bleiben. Überblickt man die Karte der Großsteingräber des Gebietes um Ahlhorn-Wildeshausen (siehe Abbildung Für eine etwa halbtägige Orientierungsfahrt folgen wir kurz vor dem Dorfe Ahlhorn der Nebenstraße nach Visbek, überqueren den Bach und gelangen den Schildern nach Osten folgend zur Gaststätte Engelmann. Von hier aus sind 10 Steingräber, darunter die Gruppe des "Visbeker Bräutigam" in bequemer Fußwanderung zu erreichen. Bei näherer Betrachtung erkennt man auf unserer Karte die 5 im Lande Oldenburg vorkommenden Grabformen: 1. die meist kleineren Kammern ohne erkennbaren Eingang, aber schon für mehrere Tote bestimmt, das sog. K a m m e r g r a b (z. B. Heidenopfertisch, Brautwagen), 2. ähnliche kleinere oder größere Kammern mit einem kurzen vorgebauten Eingang (G a n g g r a b; z. B. Ahlhorner Kellersteine), 3. das gleiche kleinere Ganggrab in mächtiger rechteckiger Einfassung (H ü n e n b e t t; z. B. Visbeker Bräutigam, Visbeker Braut, Glaner Braut), 4. das große G a n g g r a b m i t o v a l e r E i n f a s s u n g für viele Tote, bei dem die Kammer die ovale Findlingseinfriedigung fast ganz ausfüllt, z. B. ovales Grob nordwestlich des Bräutigam, Hohe Steine bei Wildeshausen), 5. die kleine S t e i n k i s t e aus Steinplatten für 1-2 Tote aus der Übergangszeit in die Bronzezeit; (z. B. Steinkiste von Bargloy, sw. von Wildeshausen; selten!). Die zeitliche Reihenfolge der Typen steht noch nicht sicher fest, doch mag sie bei Berücksichtigung der allmählichen Weiterentwicklung des Baugedankens wohl die gleiche wie oben gewesen sein. Eine weiter nördlich der Elbe und in Dänemark noch verbreitete älteste Form, der D o l m e n (d. h. Steintisch), für nur 1-2 Tote, fehlt bei uns, so daß daraus eine spätere Besiedelung unserer Gegend von Norden her gefolgert werden kann. Auch die rechteckigen Hünenbetten sind im Norden häufiger. Das Bauglied jeder rechteckigen Grabkammer bildet das sog. Joch, aus zwei Findlingsträgern mit einem überliegenden Deckstein. Mehrere solcher Joche aneinandergefügt bilden die kleinere oder größere Kammer, die an den Schmalseiten durch meist besonders mächtige Endwandsteine abgeschlossen wird. Besonders große Decksteinplatten können auch mehrere Joche zusammenfügen (Heidenopfertisch: Platte 5 x 3 x 0,6 m, bei Berücksichtigung der Abrundung auf 12-15 Tonnen geschätzt). Besonders mächtige Decksteine finden sich auch beim "Brautwagen" und den Ahlhorner Kellersteinen, etwa 1 km östlich des Bräutigam. Der in den Boden eingetiefte und mit einem Steinpflaster versehene Innenraum hat bei größeren Kammern einen Innenraum von etwa Mannshöhe und, je nach Größe, 2,5-3 m Breite. Die Grabkammer des ovalen Ganggrabes nördlich des "Bräutigam" hat diese Breite bei einer Gesamtlänge von 25 m, so daß ein sehr großer gangartiger Bestattungsraum entsteht, der im Laufe der Zeit Hunderte von Toten aufnehmen konnte, wenn man bei nachfolgenden Beisetzungen die Skelettreste beiseite räumte, wie noch heute in unseren Grabkellern. Die mitgegebenen Tongefäße sind dabei häufig zertrümmert worden, so daß aus ausgegrabenen Kammern manchmal körbeweise Gefäßscherben geborgen werden und im Museum mühsam wieder zusammengepaßt werden müssen. (Siehe die Fundausbeute der ausgegrabenen Kammern von Kleinenkneten, Großenkneten, Dötlingen, Sandhatten und Lethe im Museum für Vorgeschichte, Oldenburg). Daneben finden sich Feuersteinbeile, -geräte, -pfeilspitzen und Bernsteinperlen in größerer Zahl. Zu erwähnen ist noch, daß bei den Kammern die flachen Seiten der Trägersteine nach innen, bei den rechteckigen oder ovalen Einfriedigungsmauern aber nach außen gesetzt sind. Die Lücken zwischen den aufrecht stehenden Steinen wurden mit einer sorgfältig eingefügten Trockenmauerung aus flachen Granitsteinbrocken ausgefüllt, dann die fertigen Kammern mit einem Packsteinmantel umhüllt und abschließend mit Erde überschüttet, so daß ein langer Erddamm oder ein runder Erdhügel entstand so bei dem kleinen Hügel dicht nördlich des "Bräutigam". Siehe auch das wiederhergestellte Hünenbett von Kleinenkneten). Der zumeist nach S, SO oder O gerichtete Eingang zur Kammer aus zwei seitlich gestellten Findlingen war mit einer Deckplatte überdeckt und mit einem Verschlußstein geschlossen. Bei Nachbestattungen mußte er beiseite geräumt werden. (Gut zu beobachten beim ovalen Ganggrab).
Das in der Gruppe liegende gewaltige Hünenbett des Visbeker "Bräutigam" hat eine Länge von 105 m und eine Breite von 9 m, eine seitlich gelegene, noch unversehrte und verhältnismäßig kleine Grabkammer und einen noch gut wahrnehmbaren inneren Erddamm mit flachen Außenböschungen. Nach den Erkenntnissen, die bei den Ausgrabungen des großen 54 m-Langbettes von Kleinenkneten gewonnen wurden, muß das Erdmaterial der Böschungen einstmals das lnnenrechteck bis über die Decksteine der Kammer ausgefüllt haben, während die Außenmauern schnurgerade ausgerichtet frei sichtbar standen. Die Frage nach dem Zweck des großen rechteckigen Innenraumes innerhalb der Einfriedigung wird beantwortet durch das kurz vor dem Kriege untersuchte kleinere Hünenbett von Kleinenkneten (siehe Karte Mit dem Besuch des sich südöstlich anschließenden vollständig unversehrten "Brautwagen" und einem kurzen Marsch nach den sehr eindrucksvollen Ganggräbern der A h l h o r n e r K e l l e r s t e i n e wollen wir unsere Einführung in die Grabkultur der Großsteingräberleute abschließen. Wer weiter forschen will, mag die Hinweise auf unserer Karte und die genauen Meßtischblätter benutzen. Mit dem verhältnismäßig großen Reichtum an urgeschichtlichen Denkmälern aller Art ist dem Verwaltungsbezirk Oldenburg auch eine große Verantwortung für ihre sorgfältige Erhaltung übertragen. Aber Denkmalschutz und -pflege des Staates allein genügen hier nicht; jeder muß in verständnisvoller Einsicht mithelfen, das Vermächtnis aus der Vorzeit zu erhalten, das uns über 4 Jahrtausende überliefert worden ist. |
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