Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1963: Blockhausbrief Nr. 8

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Vom Sinn des Lesens
Der Abendmahlskelch
Eine Wanderung zu unseren Großsteingräbern
Die "Damzicken" im Baumweg
Festtage an den Fischteichen haben begonnen
Spotlights on the Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 2. Oktober 1962 und 30. Oktober 1963
 

Festtage an den Ahlhorner Fischteichen haben begonnen

In den vergangenen Jahren lud der Leiter der Staatlichen Teichwirtschaft zum Abfischen der Talsperre ein. Im Oktober 1962 konnten die vielen Gäste das Abfischen des Helenensees miterleben. Darüber schrieb die Nordwest-Zeitung am 14.11.1962:

Alljährlich, wenn sich das Laub verfärbt und Nebelschwaden über das Land ziehen, beginnen in Ahlhorn die Festtage des Einbringens der Karpfenernte aus den staatlichen Fischteichen. So war es auch am Dienstag, als sich auf Einladung von Verwaltungspräsident Dannemann eine Anzahl Gäste in der Nähe des Blockhauses eingefunden hatten, wo sich in einer Mulde des schon zum größten Teil abgelassenen Teiches die Karpfen tummelten und im Wasser plätscherten, als sei hier eine erregte Auseinandersetzung im Gange. In seiner Begrüßung sagte Präsident Dannemann, daß es sich hier um die größten Fischteiche in der weiteren Umgebung handelt. Sein besonderer Gruß galt den Jungen und Mädchen einer nahegelegenen Schule, für die das Abfischen naturgemäß eine Freude ganz besonderer Art war, auch wenn mancher von ihnen nicht nur nasse Füße in Kauf nahm. Die Mütter werden sicher Nachsicht geübt haben.

Für die Forstwirtschaft, zu der die Teichwirtschaft zählt, ist die Aufzucht von Karpfen und ihr Absatz mehr als eine wirtschaftliche Angelegenheit, denn in den 60 Jahren seit ihrer Anlage haben die Teiche den eindeutigen Beweis erbracht, daß sie zur Regelung des Wasserhaushalts beitragen und den Ertrag der umliegenden Wälder in einem Maße steigern helfen, für die Forstmeister Hulverscheidt vom Forstamt Ahlhorn handfeste Zahlen zur Verfügung hatte.

abgefischte Karpfen in der Wanne

Länger als ein halbes Jahrhundert schon liegt seit der Gründung dieser Teichwirtschaft zurück, denn im Jahre 1906 wurde damit begonnen, systematisch zu arbeiten, um damit gleichzeitig eine Nutzung von 200 Hektar Odländereien anzustreben. "Man mag heute darüber lächeln", sagte Oberforstmeister Reents, "aber damals wurden ganze 70 Reichsmark für den Hektar bezahlt." Inzwischen seien hier auf 182 Hektar 40 Teiche angelegt worden, in denen der Fisch - außer Karpfen gedeihen dort Schleie und Zander sowie in geringerer Zahl Hechte - sorgsam gepflegt werden. Wucherndes Schilf muß ständig beseitigt werden, der Zu- und Abführung des Wassers wird immer besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wobei es wert ist, daran zu erinnern, daß die Teiche durch Handarbeit ausgehoben wurden, wofür es damals einen Tagelohn von 2,50 Reichsmark gab. Erst in den letzten Jahren hat die Technik auch hier Einzug gehalten, denn die Arbeitskräfte sind knapper geworden. Der Oberforstmeister wies aber auch darauf hin, daß die beiden Fischereiarbeiter Thien und Janssen schon von Anfang an dabei sind und auch heute noch keine Ruhe geben, bevor die zappelnde Ernte in den Hälterteichen umherschwimmt, bis die Fische eines Tages auf dem Mittagstisch serviert werden.

Die Mehrzahl der Abnehmer sind in nicht allzu großer Entfernung von Ahlhorn ansässig, so daß die Transportkosten in tragbaren Grenzen gehalten werden können. Das Rheinland ist zu weit entfernt, als daß die Großhändler darauf angewiesen wären, ihren Bedarf in Ahlhorn zu decken.

Beim Abfischen

"Die Nachfrage ist so groß, daß wir Mühe hoben werden, in diesem Jahre den Bedarf zu decken." Dies sagte Staatlicher Fischmeister Neudecker, der es an Bemühungen und Versuchen nicht fehlen läßt, um die Ergiebigkeit der Teiche noch weiter zu steigern. Der Umfang der Ernte pendelt zwischen 600 und 800 Zentnern im Jahr. Der vergangene Sommer aber hat menschlichen Bemühungen eine Grenze dadurch gesetzt, daß es kalt und regnerisch war, so daß die gewünschte Wassertemperatur von mindestens 16 Grad längst nicht immer erreicht wurde. Futter, das bei 15 Grad und darunter in die Teiche gegeben wurde, verschmähten die Fische, so daß Neudecker sein Urteil über seine Schutzbefohlenen dahin zusammenfassen kannte: "Die Karpfen waren zu faul zum Fressen." Entsprechend geringer ist diesmal auch der Zuwachs ausgefallen, aber von den Gesichtern der Fachleute konnte man beim Abfischen ablesen, daß die Qualität der Karpfen wieder jeder Kritik standhält.

In der Aussprache, die sich an das Abfischen anschloß, machten die Regierungsdirektoren Hensel und Schmidt interessante Ausführungen über Zusammenhänge, die sich aus den Bedürfnissen der Landwirtschaft einerseits und der Wasserwirtschaft im allgemeinen ergeben. (PI)

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