Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1963: Blockhausbrief Nr. 8

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Vom Sinn des Lesens
Der Abendmahlskelch
Eine Wanderung zu unseren Großsteingräbern
Die "Damzicken" im Baumweg
Festtage an den Fischteichen haben begonnen
Spotlights on the Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 2. Oktober 1962 und 30. Oktober 1963
  Der Abendmahlskelch

Der Abendmahlskelch

Hermann Müller

Nach einer Anregung im Berneuchener Haus, Kirchberg


Vor uns steht ein Kelch. Er ist eines von vielen Gefäßen, die Menschen machen. Und doch soll er ein Gefäß der Gnade sein. Er ist nach oben geöffnet und wartet darauf, daß er gefüllt wird: mit dem Wein, mit dem Blut Jesu Christi. -

Der Kelch ist so geformt, daß er fest steht und die Gabe Gottes nicht nutzlos zerrinnt. -

Der Kelch ist nicht nur um seiner selbst willen da. Eine Hand muß ihn ergreifen und ausleeren in das Leben der Menschen hinein, die an dein Altar treten. Würde der Kelch niemals geleert werden, dann wäre er sinnlos, und der Wein würde faulig werden. -

Der Kelch ist ein Sinnbild für das Christsein. Gott sucht Menschen, die sich mit seinen Gaben füllen lassen: mit dem Geist Gottes, mit der Gnade und der Kraft Gottes, mit seiner Liebe und Geduld. Christen wissen, daß wir nicht für Gott offen sind, aber sie bitten darum, daß Gott sie öffnet und ihnen seine Gaben anvertraut. -

Christen wissen, daß sie die Gaben Gottes schlecht bewahren. Wir vergeuden und verwässern sie durch unsere vielen Worte, durch Lieblosigkeit und Gedankenlosigkeit. Darum bittet und müht sich ein Christ, daß er die Gaben Gottes bewahrt. -

Auch ein Christ ist nicht um seiner selbst willen da. Er empfängt Gottes Gaben, um sie weiter zu geben, an die Menschen, mit denen er lebt und arbeitet. Wie einen Kelch will Gott ihn ergreifen und ausleeren. Wollten wir Gottes Gaben, wollten wir den Glauben für uns selbst haben, dann würde er schal und nutzlos werden. Beides gehört eng zusammen, das Gefülltwerden und das Ausgeleertwerden. Wer sich nicht von Gott füllen läßt, der kann anderen nichts geben, und wer sich nicht ausleeren läßt, der kann nicht von Neuem gefüllt werden. -

Der Kelch ist ein Sinnbild für Jesus Christus. Er war erfüllt von Gott wie kein anderer Mensch. Er hat Gottes Gabe nicht verloren und nicht verleugnet. Er hat sie nicht für sich selbst behalten, sondern er hat alles und sich selbst hingegeben - für uns alle. -

Wir betrachten den Kelch, wir denken an unseren Herrn und beten: Herr, mache uns zu Gefäßen deiner Gnade.

    zurück zum Seitenanfang