Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1962: Blockhausbrief Nr. 7

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Gerettete Welt
Das Tal der Lethe
Blockhaus Ahlhorn - einmal anders
Mit Konfirmanden in Ahlhorn
Musische Woche in Ahlhorn
Jugenderholung im Blockhaus
Erlebnisreiche Ferientage im Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 1. Juli 1961 und 1. Oktober 1962
Etwas Heimweh nach Ahlhorn
Aus einem Brief
 

Blockhaus Ahlhorn - einmal anders

Ursula Suckert

Das stand ich nun auf dem Platz vor dem Blockhaus. Eigentlich hatte sich nicht viel verändert: Rechts das Blockhaus, links das inzwischen fertig gewordenen Seehaus und vor mir das Küchenhaus. Auf dem See lagen die lustigen, rotgestrichenen Boote, und der große weiße Hund war auch noch da. Und doch: Es war nicht mehr "mein" Blockhaus, das ich von den Tagungen des Mädchenwerks und des Landesjugendpfarramtes so gut kannte. Das war der Großbetrieb, in dem ich an diesem Tage meine Stelle als Praktikantin der Frauenfachschule antreten sollte.

Irgendwie wurde dann jemand auf mich aufmerksam, und das große "Abenteuer" begann. Nach der allgemeinen Begrüßung ( die vielen Namen würde ich nie lernen, das war mir klar), fand ich mich, endlich allein, in meinem neuen Zimmer wieder. Im nächsten Augenblick stutzte ich, trat näher: Tatsächlich, da stand auf dem Tisch ein großer Teller mit Ostersachen. Nach dem zweiten Nougatei fühlte ich mich schon bedeutend wohler, und nach einem "Knickebein" war ich bereit, den Kampf mit dieser fremden Welt aufzunehmen.

Nun, aus dem Kampf wurde nichts. Stattdessen wurde ich binnen kurzer Zeit in alle möglichen Küchengeheimnisse eingeweiht: Wie man Buttersterne dreht, Malzkaffee kocht, einen 60 l Topf von Angebranntem säubert, und wie man den Küchenfußboden schrubbt.

Nach dieser "Grundausbildung" kam ich in den "gehobenen Dienst" und durfte auch mal den Nachtisch kochen oder Frikadellen braten. Und in meinem ganzen Leben werde ich den Tag nicht vergessen, an dem sich der Leiter einer Freizeit für das besonders schöne Mittagessen bedankte, denn dieses Essen hatte ich gekocht.

In der Blockhausküche

Nach 4 Monaten wechselte ich in das Haus über und kam damit, beim Saubermachen oder Geschirrspülen, mehr mit der "Außenwelt" in Berührung. Da kam es dann öfters vor, daß mich ein Tagungsteilnehmer so recht von Herzen bedauerte. Wie schrecklich, hier für längere zeit, von der Welt abgeschieden, leben zu müssen. Für eine Tagung oder Freizeit sei es ja genau das Richtige, aber für immer - nein, das war den meisten doch zu einsam. Als alter Blockhaushase habe ich nur gelächelt.

Kein Kino? O bitte, im Blockhaus werden des öfteren Filme gezeigt. Kulturelle Veranstaltungen? Dafür sorgen unsere Gäste und freuen sich, wenn das Personal an Vorträgen teilnimmt. Theater? Das Blockhaus hat einen Bus, der auf Wunsch nach Oldenburg fährt. Fernsehen? Im Personaltagesraum steht ein Apparat. Tanz? Wir können gar nicht alle Einladungen zu den Abschiedsabenden der Gruppen annehmen. Außerdem haben wir noch unsere eigenen Ideen, und so findet wohl mal ein Sommerfest oder eine nette Geburtstagsfeier statt.

Einsam habe ich mich im Blockhaus nie gefühlt, im Gegenteil, meine Verwandten und Freunde beschwerten sich mit Recht über meine Schreibfaulheit.

Und etwas sehr Wesentliches habe ich neben allem Fachwissen im Blockhaus erworben: Die Fähigkeit, Humor und Ruhe auch in den schwierigsten Situationen zu bewahren. Beides braucht man, wenn um viertel vor 12 Uhr die elektrische Kippbratpfanne streikt, wenn in zwei Stunden eine ganze Etage sauberzumachen ist, wenn man zum erstenmal in seinem Leben ein Huhn ausnimmt oder beim Schlachten hilft.

Mit Erschrecken stellte ich fest, daß der Oktober nahte, und meine Zeit in der "Einsamkeit" ihrem Ende zuging. Mit vielen guten Wünschen und Ratschlägen verließ ich das Blockhaus, das nun wieder so recht "mein" Blockhaus war. Der Abschied fiel mir schwer, aber daß er nicht für immer sein würde, stand für mich fest und tröstete mich.

In diesem Sommer lädt die evangelische Jugend meiner Heimatgemeinde nun zu einer Freizeit ein. Wo? Im Blockhaus natürlich!

    zurück zum Seitenanfang