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Musische Woche in AhlhornHelga Minnich, Kippenberg Gymnasium Bremen Es ist in unserer Schule Tradition geworden, jedes Jahr eine Fahrt mit allen Mädchen des musischen Zweiges und allen, die an einem musischen Kurs beteiligt sind, zu machen. Ziel ist es, sich eine Woche lang ausschließlich mit den musischen Fächern zu beschäftigen. Natürlich könnte man das auch in der Schule, aber wieviel leichter wird uns das intensive Arbeiten, wenn wir es im Freien in einer landschaftlich schönen Umgebung tun können, und wieviel näher kommen wir uns, wenn wir auch unsere Freizeit gemeinsam verleben. Wir haben unsere "musische Woche" schon an mehr oder weniger glücklichen Orten verbracht und haben in Ahlhorn endlich den idealen Platz gefunden. Die schöne Umgebung mit den großen Wäldern und den Fischteichen bot unseren angehenden Zeichnern und Malern zahlreiche reizvolle Motive. Wenn man in einer freien Stunde einen Spaziergang machte, stolperte man an Baumgruppen, auf Wegen und Brücken über die nimmermüden Zeichner. ![]() Auch die Anlage des Heimes war für uns wie geschaffen. Wenn man einen Spaziergang durch das Gelände machte, fühlte man sich lebhaft an Goethes "Pädagogische Provinz" erinnert. In jedem Haus des kleinen Weihers hatte sich eine Musengruppe einquartiert. Aus einem hörte man Brittens "Missa brevis", die der Chor einstudierte. Im gegenüberliegenden Gebäude probte das Orchester ein Flötenkonzert von Vivaldi. Das kleine Orchester übte unermüdlich im Flur eines Hauses auf alten Instrumenten, nicht immer zur Freude seiner Bewohner, die gerade die Texte für ihr Laienspiel lernten. Manche von ihnen wünschten sich mehr als einmal, die lieben Kleinen möchten sich an Goethe erinnern und "aus eigener löblicher Gesinnung, niemand lästig sein zu wollen, freiwillig länger oder kürzer in die Wüste gehen"; denn "Ihr werdet selbst gestehen, daß in der wohleingerichteten bürgerlichen Gesellschaft kaum ein trauriger Leiden zu dulden sei, als das uns die Nachbarschaft eines angehenden Flöten- oder Violinspielers aufdringt." In dem Raum, in dem sich die "Kunstmusen" täglich zu einer Besprechung trafen, waren ihre Zeichnungen zu allgemeiner Betrachtung und Kritik ausgestellt. Das Gartenhaus war für die Laienspielgruppe reserviert, die "Träume" von Günter Eich einstudierte. Nach den offiziellen Proben hörte man noch bis spät abends auf den Zimmern die ganz Unverdrossenen, die in kleinen Gruppen übten. Neben diesen vielen Arbeiten hatte man jedoch noch reichlich Gelegenheit, sich in der Umgebung umzuschauen, oder aber, auf einem der Fischteiche bootzufahren, ein heißbegehrtes Vergnügen. ![]() Am letzten Abend vor unserer Abreise zeigte jede Gruppe, was sie sich in der vergangenen Woche erarbeitet hatte. Nicht alles gelang ohne Fehler, und doch war es für uns ein gelungener Abend, denn wir merkten, daß wir viel gelernt hatten und daß ein ganzes Jahr Schulunterricht nicht diese eine Woche ersetzen könnte. Wir werden gern nach Ahlhorn zurückkehren. |
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