Bibliothek im Blockhaussaal
Kurzbeiträge der Gäste
zwischen dem 1. Juli 1961 und 1. Oktober 1962
Jugendkreis Kierspe/Westfalen / H. Speckenbach
(10 Teilnehmer, 31.7.-7.8.1961)
Aus der Freien Evangelischen Gemeinde Kierspe (Westfalen) weilten Jungen und Mädchen für eine Woche im Blockhaus. Nach Abschluß der Freizeit sagte der Leiter dieses Jugendkreises: "Wir sind überrascht von dieser schönen Landschaft und haben uns im Blockhaus sehr wohlgefühlt. Immer wieder zog es uns hinaus auf den stillen See und in die Abendstille hinein sangen wir unsere Lieder. Ob wir auf den stillen Pfaden zwischen den Seen, oder durch die weiten Wälder wanderten, überall war die gleiche Ruhe, die wir gehetzten Menschen so nötig haben. Jeden Morgen ließen wir in der Bibelarbeit das Wort Gottes zu uns reden. Abends am Kaminfeuer befaßten wir uns mit Lebensbildern von Menschen, die Gott berufen und in seinen Dienst gestellt hat: Gräfin Waldersee, Ohm Michel und Mathilde Wrede. Ein Woche innerer und äußerer Freude liegt hinter uns. Gestärkt können wir wieder in den Alltag gehen.
DGB - Landesbez. Niedersachsen / H. Hardt
(25 Teilnehmer, 6.8.-12.8.1961)
Der Deutsche Gewerkschaftsbund, Landesbezirk Niedersachsen, veranstaltete vom 6. bis 12. August im Blockhaus Ahlhorn eine "Woche der jungen Beamten". Junge Beamte aus allen Berufszweigen fanden sich zu ernsten Aussprachen über politische und gesellschaftliche Probleme zusammen.
Verwaltungsgerichtsrat Dr. W. Lang, Bremen, sagte in seinem Einführungsvortrag "Der Staatsbürger und seine Rechte": "Wir Bürger müssen uns unserer Rechte viel mehr bewußt werden und dabei auch Zivilcourage zeigen. Wer allerdings auf seine Rechte pocht, muß seine Pflichten auch ganz ernst nehmen."
Siegfried Merten, Hannover, Leiter der Fachgruppe Justiz bei der ÖTV-Bezirksverwaltung Niedersachsen, sprach mit den jungen Beamten über das neue Personalvertretungsgesetz. Es würden sich noch einige Schwierigkeiten bei der Durchführung dieses Gesetzes ergeben, meinte man in der Aussprache, denn aus dem Gesetzestext könnten sich noch manche Zweifel ergeben.
Bei der Frage: Menschenführung in der Verwaltung war man der Auffassung, der Behördenzopf müsse endgültig abgeschnitten werden. Die junge Beamtengeneration müßte dabei helfen. Regierungsrat Harald Ingensand, Hannover, entwarf das Bild des Menschen in Ost und West und führte dabei aus: "Wir werden oft mit einer verblüffenden Logik der östlichen Propaganda überrumpelt. Wenn wir uns in eine solche Diskussion einlassen, müssen wir uns vorher viel genauer über die wirklichen Verhältnisse des Ostens informieren und kritischer denken lernen."
Die Woche ließ erkennen, daß eine kritische Beamtengeneration heranwächst, die uns Bürgern aufgeschlossen entgegentritt.
Rheinelbe Bergbau AG Gelsenkirchen / H. Limpinsel
(39 Teilnehmer, 7.8.-21.8.1961)
Wie in den vergangenen Jahren wohnten auch in diesem Jahr Berglehrlinge der Rheinelbe Bergbau AG, Gelsenkirchen, im Zeltlager beim Blockhaus Ahlhorn. Die jungen Bergleute aus den Zechen "Bonifacius" und "Holland" sind nach vierzehntögigem Aufenthalt in den "Kohlenpott" zurückgekehrt.
Trotz des schlechten Wetters kam keine Langeweile auf, denn es gab viele Möglichkeiten zum Spielen. Auf dem Sportplatz beim Blockhaus wurden Mannschaftskämpfe im Fußball und Handball ausgetragen, und auch im Tischtennis wurde der Einzelsieger ermittelt. Die Boote auf dem Helenensee waren der Anziehungspunkt der Jungen. Bei Wanderungen in die Sager Heide und zum Baumweg konnten sie Wild beobachten, das sie sonst nie in der freien Wildbahn gesehen hatten. Filme der Kreisbildstelle Ganderkesee machten die Jungen noch vertrauter mit den Tieren des Waldes. Ein lustiger Abschiedsabend, den die Jungen selbst gestalteten, schloß den Aufenthalt im Zeltlager beim Blockhaus Ahlhorn ab.
Jugenderholung Hildesheim / H. Heinrich
(29 Teilnehmer 5.8.- 2.9.1961)
In Hildesheim gibt es den Pferdeanger. Es ist das Armenviertel dieser Stadt. Die Innere Mission unterhält dort einen Kindergarten und -hort. Etwa 240 Kinder werden täglich betreut. Fast ein Drittel davon durften mit ins Blockhaus fahren.
Diakon Heinrich, der früher in Oldenburg tätig war und zu den Freunden des Hauses gehört, hatte mit seiner Frau diese vierwöchige Erholungsfreizeit vorbereitet und geleitet. Die vier- bis zwölfjährigen Jungen und Mädchen lebten mit den Kindergärtnerinnen und Praktikantinnen in der Abgeschiedenheit des Blockhauses. Sie durchstreiften die umliegenden Wälder und spielten auf dem Helenensee "Seemann".
Abends saßen sie um den Kamin und waren gute Zuhörer, wenn ihnen Geschichten vorgelesen wurden. Unvergeßlich bleibt wohl für die Kinder die Abendfahrt auf dem Helenensee, bei der die Boote mit selbstgebastelten Lampions geschmückt waren. - Gut erholt nahmen sie Abschied.
Oberschülertagung Oldenburg / Frl. Birschel
(56 Teilnehmer, 5.10.- 9.10.1961)
Unter dem Thema: "Unsterblichkeitshoffnung der Antike und christlicher Auferstehungsglaube" trafen sich Abiturienten und Primaner aus dem Bereich der Landeskirche Oldenburg in Ahlhorn. Die Tagung stand unter der Leitung von Pastor Mechau, Rastede, und der Landesjugendsekretärin D. Birschel. Zu den Vorträgen waren als Referenten gebeten worden: Oberkirchenrat Dr. Schmidt, Oldenburg, Studienrat Odinga, Varel, und Pastor Trensky aus Berne.
Studienrat Odinga legte in seinem Referat zunächst ein Fundament durch die Darlegung der reinen Tatsachen, die zur Weiterbehandlung des Themas notwendig waren. Er sagte, daß bei der Frage nach dem Weiterleben nach dem Tode zwei Anschauungen vertreten werden.
1. Das Leben wird als eine Einheit angesehen, und es erfolgt keine Trennung von Leib und Seele,
2. Leib und Seele werden getrennt, wobei wir vom Dualismus sprechen. Diese zweite Auffassung habe jedoch ihren Ursprung im Griechischen und nicht im Christlichen; sie entspringt Platons Ideenlehre.
Pastor Mechau führte das Thema dann weiter mit seinem Vortrag: "Das biblische Verständnis des Todes - wider die Entwertung des Todes". Wer nicht über den Tod nachdenkt, der macht sich auch keine Gedanken über den Sinn des Lebens. Im Leben aber haben wir die einzige Möglichkeit Gott zu ehren, Tod jedoch bedeutet: keine Gelegenheit mehr dazu haben! Es gibt also ein "Zuspät" für das menschliche Denken und Handeln.
"Auferstehung: Utopie oder Wirklichkeit", so lautete das Thema, das Oberkirchenrat Dr. Hans Schmidt behandelte. Er stellte in aller Deutlichkeit heraus, daß mit der Anzweifelung der Auferstehung auch Gott selbst in Zweifel gestellt wird. Unsere Hoffnung auf die Auferstehung begründe sich allein auf die Aussage Christi: Ihr werdet auferstehen! Das aber ist Verkündigung und keine Beweisführung.
Pastor Trensky verstand es, in seinem Referat "Die Aussagen der Kirchenmusik zur Auferstehung" mit Hilfe der Musikbeispiele die Hauptthematik noch einmal als ein geschlossenes Ganzes hinzustellen, da ja in den Diskussionen das Problem doch ein wenig zerlegt worden war.
Im Seehaus unterm Dach
Soldatenrüstzeit Oldenburg / P. Dr. Thyen und P. Geerken
(58 Teilnehmer, 30.10.-2.11.1961)
Die evangelischen Standortpfarrer in Oldenburg, Dr. H. Thyen und M. Geerken, hatten zu zwei Rüstzeiten ins Blockhaus eingeladen. Unter dem Thema: "Die Reformation - unser Schicksal und unsere Aufgabe" trafen sich Offiziere und Fähnriche der Standorte Brake, Oldenburg und Delmenhorst. Vorher waren schon Unteroffiziere und Mannschaften aus diesen Standorten der Einladung gefolgt, um sich mit demselben Thema zu befassen.
Die beiden Militärpfarrer gaben mit ihren Referaten: "Die Reformation - unser Schicksal und unsere Aufgabe" und "Christsein in der Krise der Gegenwart", genügend Stoff für eine lebhafte Aussprache. Die konfessionelle Verschiedenheit mit dem Problem - etwa der Mischehe - sei ein aus dem Zeitalter der Reformation auf uns gekommenes Erbe und zugleich unser Schicksal. Wie müssen wir uns zur Reformation verhalten? Das ist die Frage, die sich immer wieder aufs neue am 31. Oktober, dem Tag von Luthers Thesenanschiag im Jahre 1517, stellt. Die Antwort kann nur sein, "Reformation" nicht bloß als ehrwürdige Epoche der Geschichte zu verstehen sondern als die jeder Generation neu gestellte Aufgabe, die kirchlichen Verhältnisse nach dem Willen Gottes zu formen.
Das setzt allerdings voraus, daß sich der einzelne Mensch in seinem Wesen von Gott verwandeln, reformieren läßt. Die Krise der Gegenwart besteht darin, daß wir den Ruf von der anderen Seite nicht mehr hören und deswegen nicht mehr um die Antwort im Sinne der Verantwortung wissen. Oberkirchenrat H. Höpken, Oldenburg, und Dekan Leis vom Wehrbereich II, Hannover, gaben weitere Beitröge zu diesem Thema. Als Ergebnis der Aussprache kann festgehalten werden: Obwohl die Christenheit in die verschiedenen Konfessionen gespalten ist, gibt es gute Ansätze für ein besseres Verständnis zwischen den Konfessionen. Auch in der Urgemeinde war die Einheit nicht mehr vorhanden. Das .Grundverständnis der evangelisch-lutherischen Kirche liegt in der Schrift und in der Gemeinschaft der Gläubigen verankert, wobei Christus allein als Haupt der Kirche gelten kann.
Nieders. Landjugend - Bez. Oldenb. / H. Hahnenkamp
(45 Teilnehmer, 4.11.- 5.11.1961)
Der Bezirksbeauftragte für die Niedersächsische Landjugend im Bezirk Oldenburg, Erich Heitzhausen, Stenum, hatte zu einem Gruppenleiterlehrgang ins Blockhaus Ahlhorn eingeladen. Dieser Lehrgang, den W. Hahnenkamp, Oldenburg, leitete, stand unter dem Leitthema: "Unsere mitbürgerliche Verantwortung". Wir dürfen nicht auf die Hilfe von außen oder auf die unserer Mitmenschen warten, sondern lernen, selbst verantwortlich zu denken und zu handeln.
Wenn die jungen Menschen von heute auf dem Lande sich solche Ziele setzen, müssen sie sich in Fragen der Allgemeinbildung, Wirtschaft, Politik und des Gesellschaftslebens immer weiter bilden. Mit Beispielen wurde den jungen Gruppenleitern erläutert, wie sie dieses Thema in der eigenen Gruppe auf dem Lande umsetzen können. Da die Landjugend alle Jugendlichen in den Dörfern anspricht - ganz gleich welchem Beruf sie angehören -wird diese Gruppenarbeit vielen jungen Menschen eine Lebenshilfe bedeuten.
H[erbert] Harder vom Landvolk Oldenburg-Land sprach über die Aufgaben, die die Jugendlichen als zukünftige Betriebsleiter zu lösen haben. Er ging dabei auf das Verhältnis zwischen alt und jung auf dem Hofe ein. Rechte und Pflichten des einzelnen im Familienrecht wurden erörtert. Ein weiterer Diskussionspunkt war: Welche Aufgaben erfüllen heute die Genossenschaften und das Absatzwesen? Schließlich wurden Paragraphen aus dem Gesetzbuch besprochen, die sich eigentumsbeschränkend auswirken könne
Akademietagung für Pfarrer, Offiziere und Pädagogen / P. Jastram
(35 Teilnehmer, 14.11.-15.11.1961)
Offiziere der Bundeswehr in Oldenburg hatten der Evangelischen Akademie in Oldenburg ein Gespräch mit Pädagogen und Pfarrern vorgeschlagen, das dazu dienen sollte, die Frage nach dem Ziel der Erziehung zu klären.
"Auf was hin erziehen wir?" war das Leitthema. Das Eingangsreferat hielt Oberstleutnant Dr. Wagemann vom Standort Oldenburg. Er erläuterte, wie sich das Leitbild des Offiziers in Krisen der deutschen Geschichte bewährt habe. Die rein taktischen und technischen Aufgaben seien meist gut bewältigt, aber die wirtschaftlichen Faktoren häufig unterschätzt und die politischen Aufgaben nicht ausreichend erkannt und wahrgenommen worden. Weil die Bundeswehr dieses erkannt habe und weil heute die freie Welt einer ständigen Kampfansage der bolschewistischen Machtgruppe standzuhalten habe, die mit politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlich-technischen, ideologischen und subversiven Mitteln geführt wird, begründete Dr. Wagemann die doppelte Aufgabe, die sich die Bundeswehr gestellt habe: im Soldaten den Staatsbürger zu erziehen, im Staatsbürger aber auch das Verständnis für die Notwendigkeit der staatlichen Selbstbehauptung gegenüber der Bedrohung von außen zu wecken. Folgende Aufgaben seien noch ungelöst:
1. Mangelnde Verbindung zwischen Schule und Bundeswehr;
2. Lösung des Konfliktes, der für den Soldaten entsteht, wenn er sich für die Verteidigung von Menschen einsetzen soll, die anscheinend nicht verteidigt werden wollen;
3. Bildung zivil-militärischer Stäbe statt rein militärischer Art.
Wie solche Erziehung in der pluralistischen Gesellschaft - in der viele geistige und religiöse Mächte wirksam sind und das christliche Erziehungs- und Bildungsmonopol abgelöst haben - möglich ist, und wie die Erziehung in einer so gearteten Gesellschaft aussieht, darüber referierte Pastor Dr. Köster aus Bremerhaven. Er ging davon aus, in der heutigen Gesellschaftsstruktur könnte kein einheitliches Leitbild aufgestellt werden, auf das hin wir erziehen können. Auch die bewußt und unbewußt erziehenden Instanzen der Gegenwart wie Rundfunk, Film, Reklame, Schule, Kirche u. a. erschweren die Aufgabe der Erziehung. Der Referent meinte: wir Menschen von heute sind für diese gesellschaftliche Struktur, die das Gefäß unserer Freiheit sei, verantwortlich. Wir dürfen dabei nicht gedanklich in das romantische Mittelalter fliehen mit seinem christlichen Staat und seiner christlichen Gesellschaft. Alle ideologischen Totalansprüche sind im Erziehungsprozeß ständig kritisch in Frage zu stellen: Die einseitigen Bindungen zerstören die Personalität des Soldaten und entziehen ihn der Verantwortlichkeit. In der sehr lebhaften Aussprache brachte Dr. Köster noch folgendes Beispiel: Bei einer Übung muß ein gummibereifter Wagen der Bundeswehr einen Privatweg benutzen. Der Besitzer wird um Erlaubnis gefragt, lehnt aber ab. Ist es ein Beweis für die mangelnde Bereitschaft des Bürgers der pluralistischen Gesellschaft, seine Freiheit gegen äußere Feinde zu verteidigen? Ist es ein Schlag gegen die Erziehungsarbeit der Bundeswehr, den jungen Menschen zur Verteidigung des demokratischen Systems bereitzumachen? Oder ist es eine Chance für den Offizier als Erzieher, den jungen Menschen auf den positiven Sinn der Freiheit aufmerksam zu machen, ihn zu den demokratischen Tugenden der Geduld, Toleranz und Verhandlungskunst zu führen und ihm zu zeigen, daß gerade die Möglichkeit solcher Konflikte die Stärke unserer Lebensweise ist?
Studiendirektor Tebbe aus Preetz sprach über "Ziel und Ziele der Erziehung". Die wahre Erziehung muß durch persönliche Begegnung des Erziehers mit dem Erziehenden bestehen Es gibt viele Nahziele: Erziehung in der Schule, Erziehung im Beruf, Erziehung zum Soldaten. Das Fernziel jeder Erziehung aber muß sein, daß der Mensch zur Versöhnung mit Gott kommt.
Professor Dr. Giese, Berlin, stellt sich die Frage: "Brauchen wir ein Leitbild für die Erziehung?" In seinen Ausführungen kam er zu dem Schluß: "Wir brauchen kein Leitbild, sondern Vorbilder."
Nieders. Landjugend Weser-Ems, Gruppenleiterlehrgang / Hendrik-Jan Koers
(36 Teilnehmer, 20.11.-21.11.1961)
Hendrik-Jan Koers, der Vorsitzende der Niedersächsischen Landjugend Weser-Ems, hatte die Vorstandsmitglieder, Kreisvertreter und -vertreterinnen der Landjugend im Bereich Weser-Ems zur Gebietstagung ins Blockhaus eingeladen "Jugendarbeit hüben und drüben" hieß das Referat, das zunächst der Leiter der ländlichen Volkshochschule Mariaspring, Dr. W. Plessen, hielt.
Nach einer Aussprache stand der Abend dann unter dem Motto "Froh zu sein, bedarf es wenig". Die etwa 50 Teilnehmer sondierten sich am nächsten Arbeitstag in 4 Gruppen und stellten sich folgende Themen
1. Welches sind die ideellen Werte unserer Landjugend?
2. Verantwortung tragen - was heißt das in der Landjugend?
3. Nachwuchssorgen in den Landjugendgruppen? Was muß geschehen?
4. Freiheit - was verstehen wir darunter? Was ist sie uns wert?
In der gemeinsamen Aussprache forderten die Sprecher der einzelnen Gruppen dazu auf, die persönliche Freiheit zu verteidigen, die christliche Lehre als Lebenshilfe anzuerkennen, den Wert des Landlebens zu sehen und das Gemeinschaftsbewußtsein zu fördern. Zu den Nachwuchssorgen meinte man: Wenn die Arbeit in der Landjugendgruppe so ausgerichtet ist, daß sich alle Jugendlichen im Dorf angesprochen fühlen - ganz gleich welchen Beruf sie ausüben - gibt es keine Nachwuchssorgen.
Wohl kaum ein Wort erhitzte die Gemüter wie das Wort "Freiheit". Die Aussprache ergab: Es gibt keine absolute Freiheit! Freiheit ist nur durch Bindung an die 10 Gebote denkbar. Anschließend beriet die Versammlung, was in den Gruppen vordringlich getan werden sollte. In der folgenden Wahl wurde Bernhard Thie aus Hemmelte, Kreis Cloppenburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden im Gebiet Weser-Ems gewählt.
Landesjugendkonvent / H. Wiede
(45 Teilnehmer, 25.11.-26.11.1961)
Der Landjugendkonvent der ev-luth. Kirche in Oldenburg tagte kürzlich im Blockhaus. Die Konventmitglieder hatten als Thema gewählt: "Unsere Verantwortung für den anderen vor Gott". Den Einführungsvortrag hielt Pastor Stakemann vom Lutherstift.
Der Landesjugendpfarrer von Bremen, Pastor Lubkoll, referierte über "Verantwortlich leben" und führte dabei aus: Leben sei Gabe, und die Antwort des Menschen bestehe in der dankbaren Hingabe zu Gott. Leben sei Leihgabe, daher müsse der Mensch es eines Tages zurückgeben und sich vor Gott verantworten. Leben sei schließlich Aufgabe, Gott wolle nicht, daß die Menschen ihr Leben selbstsüchtig führen, sondern sie sollten vielmehr auch ihre Verantwortung erkennen und wahrnehmen. Eine Gemeinde könne nur dann wirklich leben, wenn die Menschen nicht nebeneinander herlebten. Die Umwelt sei nicht in erster Linie die weite Welt, sondern der Arbeitsplatz und die Schule. Es wurde in den Aussprachen angeregt, örtliche Kontakte zu anderen Jugendverbänden stärker auszubauen.
Akademietagung f. Landwirtschaft / KR Kiausch
(48 Teilnehmer, 7.12.- 8.12.1961)
Unter dem Leitthema "Der Bauer in der heutigen Wirtschaft" trafen sich Bauern und Bäuerinnen, Lehrer der landwirtschaftlichen Fach- und Berufsschulen, Mitarbeiter des Landvolkes, der Landjugend, der Landjugendgruppen, Mitarbeiter im ländlichen Genossenschaftswesen, Lehrer und Pastoren zu einer Tagung der Evangelischen Akademie im Blockhaus. -"Wir wollen miteinander nachdenken über die Stellung des Bauern in der heutigen Wirtschaft. Zeiten des Wandels sind Zeiten der Unsicherheit Sie tragen aber auch die Chancen besonderer Beweglichkeit in sich", sagte Kirchenrat Kiausch, der Leiter dieser Tagung, in seiner Einleitung.
Daß der Kenner unseres Bauerntums die bäuerliche Vollexistenz sozial und soziologisch nicht gefährdet sehe, erklärte Dr. Morgen, Professor an der Pädagogischen Hochschule für Landwirtschaftslehre in Wilhelmshaven. Dieses Bauerntum hätte sich ökonomisch der Gesamtwirtschaft angepaßt. Sozialökonomisch gesehen seien aber 700 000 Kleinbetriebe gefährdet. Sie würden uns bei der Eingliederung in unsere moderne Wirtschaft ernste Sorge machen. Durch Agrarstrukturmaßnahmen verschiedener Art konnte ein Teil der gefährdeten Betriebe in tragfähige bäuerliche Betriebe umgewandelt werden.
Trotz mancher Schwierigkeiten sei der Bauer ein echtes Glied unserer erfolgreichen Wirtschaft geworden. Wenn das Bauerntum auch zahlenmäßig nicht mehr sehr stark sei, stelle es doch keine Minderheit dar. Dr. Morgen schloß seine Ausführungen mit der Feststellung, "ein tragfähiges, sozialpolitisch gesichertes Bauerntum wird auch heute in der Lage sein, dem größten Trachten unseres Volksherzens fruchtbare Impulse geben zu können".
Landwirtschaftsrat Dwehus aus Oldenburg ging in seinem Referat von agrarpolitischen Erwägungen aus. Auf unseren Höfen und in der Agrarstruktur vollziehe sich z. Zt. eine Revolution, die ein Chronist vielleicht mit der Zeit nach der Stein-Hardenbergschen Agrarreform vergleichen würde.
Der Vortragende gab ein sehr einprägsames Bild der Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren In dieser Zeit habe die Zahl der Betriebe mit zehn Hektar um fast ein Drittel abgenommen, während die Zahl der Betriebe in der Größenordnung 20 bis 50 Hektar um zehn Prozent zunahm. Bisher sei der Landwirtschaft eine Sonderstellung zugestanden worden. In den letzten Jahren seien Ansätze für eine aktive Agrar-Politik zu erkennen gewesen, doch der Lübke-Plan bliebe unwirksam, da nur unzureichende Mittel zur Verfügung stünden. Dwehus erklärte dann, wie er sich eine zukünftige Agrar-Politik vorstelle:
1. Mittelpunkt auf nationaler und EWG-Ebene wird der leistungsfähige bäuerliche Familienbetrieb sein. Viele kleine Betriebe werden aufbauen müssen oder über eine stärkere Einschaltung von Verpflegungsrichtungen auf Kraftfutterbasis umstellen, um zu einem akzeptablen Familieneinkommen zu gelangen.
2. Großzügige Meliorationsvorhaben und eine weitgehende Flächenvereinigung sind Voraussetzungen für die erforderliche Rationalisierung. Diese Vorhaben müssen als Voraussetzung von der Allgemeinheit getätigt werden.
3. Es müssen Wege gefunden werden, um zur überbetrieblichen Zusammenarbeit in Flächen-Arbeitswirtschaft und des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu kommen.
4. Ver- und bearbeitende Einrichtungen, Lager- und Versandeinrichtungen müssen diese Entwicklung unterstützen. Formen des Fachschulwesens, des ländlichen Bildungswesens und eine verstärkte Wirtschaftsberatung sind notwendig.
Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Ahlhorn sprach zum Leitthema "Der Bauer in der heutigen Wirtschaft" auch Oberkirchenrat Dr. H. Schmidt, Oldenburg, dessen Referat vor allem das bäuerliche Leben aus der Sicht des Evangeliums behandelte.
Wenn vom Glauben gesprochen werde, so sagte Oberkirchenrat Schmidt einleitend, so sei dieser Glaube nur dann eine Hilfe, wenn man an den dreieinigen Gott glaube. Das bedeute, daß man Gott in Christus begegnen solle, dem gestorbenen und wiederauferstandenen Gottessohn. Das gelte auch für das bäuerliche Leben. Dieser dreieinige Gott will frei machen vom Knechten durch die Mächte unserer Zeit. Er will uns befähigen, in dem anderen den Menschen zu sehen, ihn zu lieben und für ihn dazusein.
So könnte auch das bäuerliche Haus, das in der Einheit von Betrieb und Familie lebt, Hausgemeinde werden. Auf diese Weise würde man zur Arbeit auf dem Feld und auf dem Hof ein anderes Verhältnis gewinnen, die wachsende und reifende Saat als Schöpfung Gottes begreifen und eine Haltung zur Kreatur einnehmen, die sie nicht allein Objekt des Verbindens werden läßt.
In weiteren Ausführungen wurde auf das Pfarrhaus von Blumhardt in Möttling und Bad Boll hingewiesen, das wirklich ein Haus der offenen Tür war, in dem sich der Mensch geborgen wußte, und aus dem er oft an Leib und Seele geheilt wieder in sein Leben gehen konnte.
Nieders. Landjugend, Bez. Oldenbg. / H. Heitzhausen
(61 Teilnehmer, 6.1.- 7.1.1962)
Der Bezirksvorsitzende der Niedersächsischen Landjugend in Oldenburg, Erich Heitzhausen, Stenum, hatte für die Ortsvorsitzenden einen Lehrgang einberufen. Der Lehrgang, den der Bezirksreferent G. Hahnenkamp aus Oldenburg leitete, sollte weitere Anregungen für die Gruppenarbeit auf einem Landjugendabend geben. Jugendliche aus Friesland, Ammerland und Oldenburg nahmen an dem Lehrgang teil.
So ein Landjugendabend soll allgemeinbildend sein, echte Geselligkeitsformen pflegen und den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich zu vervollkommnen. So war man auf diesem Lehrgang übereingekommen, aus der Mitte der Teilnehmer kurzfristig Programme für einen Gruppenabend aufstellen zu lassen.
Ein kurzer Fachvortrag über Landwirtschaftsfragen - für die Mädel über Haushaltskunde - darf nicht fehlen. Im Unterhaltungsteil kann ein Quiz veranstaltet werden. Dabei sollen aber Fragen aus den Gebieten der Geschichte, der Erdkunde, der Politik und Fragen des Fachwissens vorkommen.
Die Teilnehmer waren mit Begeisterung bei der Sache. Die "Lehrproben" wurden eingehend besprochen. In der weiteren Aussprache wurde noch darauf hingewiesen, daß alle Jugendlichen im Dorf zur Landjugend gehören, ganz gleich welchen Beruf sie ausüben. Da die jungen Menschen eines Tages Leitungsaufgaben im Dorf oder im Kreis übernehmen, sollten sie für diese Aufgaben gerüstet werden
Akademietagung - Junge Generation, Oldenburg / P. Jastram
(34 Teilnehmer, 20.1.-21.1.1962)
Pastor Jastram, der Leiter der Evangelischen Akademie in Oldenburg, hatte zu einer Tagung für die junge Generation ins Blockhaus eingeladen. In Zusammenarbeit mit dem Amerika-Haus in Bremen war diese Tagung unter dem Thema: "Amerika heute" vorbereitet worden.
Dr. Multhoff, Braunschweig, führte die jungen Menschen zunächst in die Geschichte der USA ein. Er schilderte, wie sich aus der Geschichte der Vereinigten Staaten die Wesensart des Amerikaners entwickelt hat. "Wenn man die Amerikaner recht verstehen will, muß man davon ausgehen, daß die Vereinigten Staaten kein Land, sondern ein Kontinent sind", sagte er. Ihr Fortschrittsglaube, sonst immer durch die stetige Entwicklung des Landes bekräftigt, habe allerdings durch die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit an Überzeugungskraft verloren. Auch besitze der Amerikaner den Glauben nicht mehr, daß sich das Gute schließlich immer durchsetzt. "Man muß das politische Leben dieses Volkes betrachten", sagte der Vortragende, "dann erkennt man, daß für den Bürger Demokratie keine Staatsform, sondern eine Lebensform bedeutet."
Oberkirchenrat H. Höpken zeigte abends Lichtbilder von einer Reise durch die USA. Auf dieser Reise fiel ihm - wie er sagte - besonders eine weitverbreitete Hilfsbereitschaft auf. Wenn man aber weiß, daß 60 Prozent der Amerikaner irgendwie aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen, sei dieser Zug des Amerikaners wohl verständlich. Mit dem Erziehungs- und Rassenproblem seien die Amerikaner aber noch nicht fertiggeworden.
Das Thema wurde später durch den privaten Dozenten für Anglistik und Amerikanistik an der Universität Münster, Dr. Blanke, weitergeführt, der in seiner Darstellung der einzelnen Charakterzüge von allgemeinen Grundorientierungen des Menschen ausging. Alle Denk- und Verhaltensweisen, die man in Amerika feststellen könne, kämen auch bei uns vor. Nur die Akzente seien anders gesetzt. "Der Amerikaner ist wie der Deutsche äußerst rührig, aber er ist weniger "tierisch ernst" bei der Arbeit. Sein Weg nach oben ist zugleich ein Weg zu anderen, und sein finanzieller Erfolg wird erst dann voll gewertet, wenn er der Gemeinschaft zugute kommt", meinte Dr. Blanke.
Im Kaminzimmer
Akademietagung, Stud. u. Offiziere / P. Jastram
(50 Teilnehmer, 3.2.- 4.2.1962)
"Freiheit in der Bundesrepublik", war das Thema, das die Evangelische Akademie Oldenburg Studenten und jungen Offizieren im Blockhaus gestellt hatte. Der Leiter der Evangelischen Akademie, Pastor Jastram, hatte diese Tagung mit den Studentenpfarrern aus Oldenburg und Rüstersiel sowie den evangelischen Militärpfarrern aus Oldenburg vorbereitet. In dem Referat: "Welche Freiheit gibt der demokratische Staat seinen Bürgern?" sagte der Referendar Dux aus Wilhelmshaven: Der demokratische Staat garantiert nicht nur seinen Bürgern das Recht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, sondern er muß erwarten, daß jeder Staatsbürger an der Gestaltung des Staates mitwirkt. In verwaltungstechnischen Dingen muß ein demokratischer Staat regulativ eingreifen, um das Zusammenleben der Menschen zu ermöglichen. Wenn aber der Staatsbürger der totalen Regulierung entgehen will, muß er einen Teil der regulativen Maßnahmen als freiwilligen Verzicht -gerade um der Freiheit willen - auf sich nehmen. Schließlich ist es Bürgerpflicht., sagte der Vortragende, gegenüber dem demokratischen Staat alle verbleibenden Rechte auszuüben und zu gebrauchen, damit Demokratie Wirklichkeit wird.
Militärpfarrer P. Dr. Thyen sprach anschließend zu den jungen Menschen über: "Christliche Freiheit und Freiheit im demokratischen Staat" Nach dem christlichen Glauben ist nur der von sich selbst frei geworden, der nicht mehr von der Lust und Laune des Augenblicks getrieben wird. Diese Freiheit von mir selbst schenkt die christliche Botschaft dem, der sie hört. Es gibt keine christlichen Rezepte, sondern der christliche Glaube bewahrt uns davor, Ideologien zu verfallen. Wer in dieser christlichen Freiheit lebt, dem wird es auch leicht, in vernünftiger Weise im demokratischen Staat mitzuarbeiten Eine lebhafte Aussprache schloß sich in den Arbeitsgruppen an.
Den Sonntagsgottesdienst für alle Gäste im Blockhaus hielt Pastor Jastram. "Der Verzicht auf Freiheit" wurde im wesentlichen verstanden als ein Verzicht auf Alternativen und auch ein Verzicht auf alternative politische Kräftebildungen, sagte der Dozent Dr. Freiwald. Der Gewinn von Freiheit ist aber nur dort denkbar, wo sich - objektiv und subjektiv - Alternativen eröffnen. Da im Zeitalter der Gleichheit große Volksmassen bei Wahlen mobilisiert werden müssen, haben die Organisatoren von Wählermeinungen und -willen, vornehmlich die politischen Parteien, in unserer Zeit eine so große Bedeutung erlangt. Daher war auch in der Aussprache die Frage, ob die Parteien Alternativen und damit politische Freiheit ermöglichen, eine der bewegendsten. In diesem Zusammenhang interessiert, daß auch andersgeartete Auffassungen als die der "Parteilinie" innerhalb einer Partei offen ausgetragen werden können und entsprechend in der noch ausstehenden Regelung des Artikels 21 im Grundgesetz durch den Bundestag in einem Gesetz festgelegt werden.
Mitarbeitertagung Burckhardthaus / Frl. Sauermann
(36 Teilnehmer, 12.2.-15.2.1962)
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Evangelischen Jugend aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland trafen sich zu einer mehrtägigen Rüstzeit im Blockhaus. Das Landesjugendpfarramt in Oldenburg hatte diese Tagung mit der Evangelischen Jugend Deutschlands - Burckhardthaus vorbereitet. Das Burckhardthaus wendet sich an die Mädchenjugend und an Frauen der jungen Generation und sucht ihnen Heimat zu geben in der Gemeinschaft der Jugend und der Kirche. - Die Mitarbeiter befaßten sich in Vorträgen, Aussprachen und Arbeitsgemeinschaften mit Problemen der Jugendarbeit. Die Verwendung von Schallplatten in der Gruppe, von Bildern in der biblischen Verkündigung und dem Schrifttum für Jugendarbeit wurde in den Referaten und Aussprachen erörtert. Das Thema des Lehrgangs lautete "Von der Freude Gottes - von der Freude seiner Gemeinde".
Akademietagung - Junge Generation / P. Jastram
(49 Teilnehmer, 9.3-13.3.1962)
Fast eine Woche waren Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen und der Fachschulen aus dem Oldenburger Land Gäste der Evangelischen Akademie Oldenburg im Blockhaus. Im Mittelpunkt des Gesamtthemas der Tagung "Die Verantwortung des jungen Menschen", standen Lesungen, Erklärungen und Besprechungen der Werke von Camus.
"Die Verantwortung als Revolte" wurde an seinem Werk "Die Pest" dargestellt und durch Studentenpfarrer Hollweg, Rüstersiel, erläutert. Pfarrer Lic. Striebeck aus Oldenburg referierte über "Licht und Schatten der Verantwortung", erklärt am "Mythos des Sysiphus". Pfarrer Jastram, der Leiter dieser Tagung, erarbeitete mit den jungen Zuhörern "Die Rechtfertigung des Verantwortlichen" an Camus' Werk "Der Fall".
Die Teilnehmer der Tagung verstanden dank der Bemühungen der Referenten den Aufruf Camus': Der Mensch soll für das Leben leben, nicht für eine Idee. Wie Luther warnte Camus vor den Abgöttern, die den angefochtenen Menschen aus der Hoffnungslosigkeit befreien sollen.
Ein "Dahinleben" mit dem Trost, Christ zu sein, ist verantwortungslos. Wir werden von Camus zur Verantwortung aufgerufen, ganz besonders als Christen.
Kommissarin Hopp und Jugendstaatsanwalt Dr. Felmy berichteten im Rahmen der Zusammenkunft über ihre Erfahrungen mir jungen Menschen.
Bäuerl. Volkshochschule Rastede / Dr. Dageförde
(28 Teilnehmer, 16.3.-21.3.1962)
Die Bäuerliche Volkshochschule in Rastede veranstaltete im Blockhaus Ahlhorn für Schüler des Winterlehrganges und für Altschüler ein geschlossenes Seminar. "Unsere Meinungsbildung, das Ergebnis von Information oder Suggestion?" löste als Gesamtthema nach den Referaten lebhafte Gespräche aus. Schon der Besuch des Studio Oldenburg des Norddeutschen Rundfunks zeigte den jungen Menschen, welche starken Kräfte der Meinungsbildung uns beeinflussen. In seinem Referat "Verantwortung von Rundfunk und Fernsehen für die Meinungsbildung" wies Redakteur Verres auf das Recht der eigenen Meinungsbildung und auf die Freiheit der Berichterstattung hin. Mit Interesse verfolgten die zukünftigen Bauern und Bäuerinnen die Ausführungen Dr. Jeurinks, des Leiters der Pressestelle an der Landwirtschaftskammer in Oldenburg über: "Aufgaben der Fachpresse als Informationsorgan und allgemeine Presseprobleme". Von der "lma" - lnformationsgemeinschaft für Meinungspflege und Aufklärung - erläuterte Dr. Amend die Arbeitsweise der "lma". Sie ist eine Einrichtung des Niedersächsischen Landvolkes und setzt sich besonders für ein besseres Verstehen zwischen Land- und Stadtbevölkerung ein. Der Vortrag des Leiters des Seminars, Dr. Dageförde aus Rastede: "Suggestion im Aberglauben" erwies sich als Hilfe die Begriffe "Information" und "Suggestion" zu klären. Sozialsekretär Heuer sprach mit den Lehrgangsteilnehmern über: "Wie informiere ich mich und wie gebe ich Informationen"? - Den Abschluß bildete ein interessanter Vortrag von Pastor Jastram: "Unser Glaube, das Ergebnis von Suggestion und Information?" Der Vortragende gab den jungen Menschen Lebenshilfen.
Matthias Filmgesellschaft / Dr. Papendieck
(64 Teilnehmer, 2.7.- 9.7.1962)
Die Matthias-Filmgesellschaft, die zentrale Film-Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland, versammelte die Mitarbeiter der kirchlichen Filmdienste in der Woche vom 2. bis zum 8. Juli zu einer Rüstzeit im Blockhaus. Außerdem nahmen an dieser Rüstzeit eine erfreulich große Anzahl von Pastoren aus dem Gebiet der Landeskirchen Braunschweig, Oldenburg, Westfalen und Hessen-Nassau teil. Der Wettergott hatte es in dieser Woche nicht gut mit uns gemeint. Tag für Tag erlebten wir stürmisches Regenwetter mit Tiefsttemperaturen und mußten uns daher die fehlende sommerliche Wärme in der Nähe eines geheizten Ofens oder eines flackernden Kaminfeuers als notwendigen Ersatz herholen. Wenn diese Rüstzeit trotzdem zu den atmosphärisch besten gehört, so spricht das zweifellos für die Aufnahme, die wir in dieser Insel der Stille, zwischen Wald und Seen gelegen, und fern von jedem weltlichen Getriebe, gefunden haben. Vielleicht war es sogar gut so, daß die Sonne sich nur gelegentlich für Augenblicke zeigte, denn sicherlich hätte sie die Teilnehmer allzu rasch in oder auf das Wasser gelockt, sie zu Wanderungen durch das herrliche Wald-Seen-Gebiet verführt und es wäre nicht so leicht gewesen, alle Schäflein pünktlich zur vereinbarten Stunde zu unseren Aussprachen und Filmvorführungen zu versammeln. Denn schließlich waren wir ja nicht zum Baden und Wandern hierhergekommen - obwohl auch dies in das Tagungsprogramm mit eingeplant war - sondern zu ernsthafter Arbeit.
Die Matthias-Film-Gesellschaft hat die Aufgabe, den landeskirchlichen Filmdiensten geeignete Filme zur Verfügung zu stellen, die diese mit ihren 16-mm-Vorführgeräten den Gemeinden an besonders festgelegten Filmgemeindeabenden zur Vorführung bringen. Die Filmdienste sind motorisiert und besuchen an jedem Abend eine Gemeinde mit einem Film. Dabei handelt es sich aber nicht um eine kirchliche Filmunterhaltung, um der Gemeinde das Kino zu ersetzen, sondern um einen volksmissionarischen Auftrag, den die Filmdienste mit den Filmen zu erfüllen suchen. Jeder Film wird von allen Filmbegleitern - die nicht zu Unrecht auch als Filmmissionare bezeichnet werden - mit einer dem zentralen Thema des Films entsprechenden Einführung eingeleitet. Meistens werden die Filmgemeindeabende auch mit Lied und Gebet vor und nach der Filmvorführung eingerahmt, so daß der Charakter eines echten Gemeindeabends gewahrt wird.
Auf unserer Rüstzeit im Blockhaus wurden die Erfahrungen, die die Filmdienste im letzten Jahr auf ihren Filmreisen gemacht hatten, ausgetauscht, neue zur Verfügung stehende Filme angesehen und besprochen und eine Reihe "monatsbester" Filme gezeigt und diskutiert.
Die Atmosphäre, der wir im Blockhaus vom ersten Tag an begegneten, war so recht dazu angetan, daß jeder einzelne sich hier wohlfühlen konnte, daß alle Teilnehmer sich sehr schnell zu einer selbstverständlichen Gemeinschaft zusammenfanden und daß ernsthafte Arbeit, Erholung und fröhliches Beisammensein in ein rechtes Verhältnis zueinander gesetzt werden konnten.
Wir danken dem Heimleiter und allen seinen rührigen Helferinnen, die uns so vorzüglich versorgt haben, für alle ihre Fürsorge und hoffen nur, daß wir das wahrmachen können, was wir ihnen allen am Ende dieser Tage zuriefen: Auf Wiedersehen!
Soldatenrüstzeit, Delmenhorst / P. Pahlow
(22 Teilnehmer, 27.8-30.8.1962)
Vom 27. 8.- 30. 8. 1962 veranstaltete der evangelische Standortpfarrer Delmenhorst eine Soldatenrüstzeit im Blockhaus. Sie stand unter dem Thema: "Liebe und Ehe". Nicht nur wegen seiner besonderen Aktualität unter den Soldaten war es auf die Tagesordnung gekommen, sondern es bot sich nach den vorhergegangenen ,Rüstzeiten für Soldaten geradezu an. Wir hatten nach dem Wesen des Menschen und nach seiner Herkunft gefragt und waren der Frage nach dem Sinn des Lebens nachgegangen.
Wer eine Soldatenrüstzeit einmal miterlebt hat, weiß, daß sie nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Referenten und den Leiter ein Erlebnis besonderer Art ist. Das offene Fragen und Miteinanderreden ist immer wieder ein erfreuliches Zeichen ,für die Aufgeschlossenheit unserer jungen Generation für die eigentlichen Fragen des Lebens. So war auch auf dieser Rüstzeit das Gespräch vom ersten Augenblick an im Fluß. Daß man sich ebenso freimütig und ehrlich in eine christliche Hausordnung einfügt und an der täglichen biblischen Besinnung und dem Abendmahlsgottesdienst mit der gleichen Aufmerksamkeit teilhat, ist für unsere Rüstzeiten selbstverständlich. Die Gottesdienste unter den Soldaten zählen für mich persönlich zu den schönsten Dingen meines Dienstes als Militärpfarrer.
Aber zu der Rüstzeit noch ein paar Worte: der erste Tag galt der allgemeinen Einführung in die Problematik und am Abend waren wir zum Einanderkennenlernen um den Kamin des Seehauses versammelt. Ich habe bei der Gelegenheit den Rüstzeitteilnehmern von meinem Einsatz in Texas (USA) erzählen und in Farblichtbildern berichten können.
Am nächsten Tage fragten wir dann sehr grundsätzlich nach dem Verhältnis von jungem Mann und jungen Mädchen. Hier verstand es Pastor G. Orth in einer ihm eigenen Weise die Soldaten (aller Dienstgrade übrigens> anzusprechen und zu einem sehr offenen und natürlichen Gespräch zu führen. Das zweite Referat am Nachmittag stand unter dem Thema: "Ehe und Familie".
Wir haben am folgenden Tag ganz bewußt die sehr heikle Frage der konfessionell gemischten Ehe miteinander besprochen. Dazu referierte der katholische Standortpfarrer Delmenhorst, Pater Egfried Staubach, in einer sehr offenen und brüderlichen Weise über das, was seine Kirche dazu lehrt. Ich selber habe dann unseren evangelischen Standpunkt zur Mischehenfrage dargelegt. Selten habe ich es bei dieser Frage erlebt, daß jungen Menschen in so heilsam-erschreckendem Maße die ganze Problematik deutlich und bewußt geworden ist.
Der letzte Tag der Rüstzeit war für den Abendmahlsgottesdienst in der Kirche zu Großenkneten vorbehalten. Am Vormittag diskutierten wir die Frage der Geburtenregelung und der "Verantwortlichen Elternschaft". Ausgehend von der modernsten Diskussion konnten manche Mißverständnisse und Ressentiments gegenüber der Kirche und ihrer Stellung in diesen Fragen geklärt und abgebaut werden.
Die Nacharbeit auch dieser Rüstzeit erfolgt nun im Standort in kleinen Kreisen, zu denen in der Regel die Teilnehmer andere Soldaten miteinladen und an offenen Abenden. Daß die Soldaten sich im Blockhaus immer sehr wohl fühlen, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden. Wenn es dennoch geschieht, so deswegen, um auch einmal dem Heimleiter und seiner Frau und dem gesamten Personal Dank zu sagen und ihnen wieder neuen Mut zu machen, das fortzusetzen, was dort in großer Treue für die Gäste des Blockhauses getan wird. (P.Pahlow)
Im Eingang zum Haupthaus
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