Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1961: Blockhausbrief Nummer 6

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Versuchsfeld der Gemeinde
Über Pflanzen und Blumen rund um das Blockhaus
Landschaft im Wandel der Zeit
Wiedersehen mit dem Blockhaus
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein"
Blockhaus Ahlhorn - Haus der Begegnung
Nicht durch Heer und Kraft
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.6.1960 bis 1.7.1961
 
Konzert im Großen Saal
Konzert im Großen Saal

Kurzbeiträge der Gäste
vom 1. Juni 1960 bis 1. Juli 1961


Rheinelbe-Bergbau AG Gelsenkirchen
(1.6. - 15.6.1960, 38 Teilnehmer)

Auch in diesem Jahre eröffneten 40 Berglehrlinge von den Zechen Nordstern, Pluto und Graf Moltke der Rheinelbe A. G., Gelsenkirchen, das Zeltlager beim Blockhaus Ahlhorn zwischen dem Helenensee und Teich 21 a. Die Lehrlinge schliefen in den weiter verbesserten, großen Wohnzelten, die mit Holzfußböden, Hartfaserplatten an den Zeltwänden und Liegebetten mit Matratzenauflagen ausgestattet sind. In kleinen Gruppen erwanderten sie die schöne Umgebung des Blockhauses. Hauptanziehungspunkte waren für die Jungen natürlich das Baden und das Kahnfahren auf dem Helenensee. Auch Bergassessor von Felsen, Bergwerksdirektor der Zeche Nordstern, besuchte die Berglehrlinge kurz vor Abschluß des Lagers.


Neusprachliches Gymnasium Neheim-Hüsten / Frau StRin Schmidt
(17. 6-25. 6.1960, 47 Teilnehmer)

Wie schon in den letzten Jahren wurde auch in diesem Sommer wieder vom Neusprachlichen Gymnasium in Neheim-Hüsten eine Studienfahrt unter Leitung der Studienrätin Frau Schmidt und des Studienrats Schulte ins Jugendheim Ahlhorn für zwei Oberstufenklassen durchgeführt. Das Blockhaus bildete den Ausgangspunkt für Fahrten in die nähere und weitere Umgebung. Hauptlehrer Hibbeler aus Lethe gab den Schülern an Hand der in dieser Gegend befindlichen Steinsetzungen ein umfassendes Bild der Frühgeschichte dieses Siedlungsgebietes. Dazu bot das Freilichtmuseum in Cloppenburg eine ausgezeichnete Ergänzung in bezug auf die Entwicklung der hiesigen Wohnkultur in den letzten Jahrhunderten. Einen überzeugenden Beweis für die wirtschaftliche Nutzbarmachung des Moores durch den Fleiß seiner Bewohner vermittelten die Anlagen in Wiesmoor. - In Bremen besuchten die Schülergruppen den ehrwürdigen Dom und die herrschaftlichen Häuser der Patrizier, die einen Einblick in die bürgerlich-kaufmännische Wohnkultur der Freien Hansestadt gewährten. Ferner war man im Überseemuseum und im Hafen. Eine Fahrt nach Norderney brachte den Gästen aus dem Sauerland eine willkommene Entspannung.


Deutsch-Niederl. Pfarrerfreizeit / P. Dr. Schultz
7. 6.- 1. 7.1960, 28 Teilnehmer)

Die Evangelischen Akademien Oldenburg und "de Oorsprong" in Holland hatten zu einer Tagung Pfarrer aus Oldenburg, Ostfriesland und den Niederlanden ins Blockhaus eingeladen, die unter dem Generalthema stand: "Vom Dienst der Kirche in der modernen Gesellschaft". Die theologischen Vorträge hielten Professor van Ruler, Utrecht, und Oberkirchenrat Dr. Hübner aus Hannover. Die sozialwissenschaftlichen Aspekte zu diesem Thema behandelten Professor Dr. Wendt, Wilhelmshaven, und Dr. Rupp, Leyden. In der Aussprache war man sich darüber, einig, daß die Kirchen heute sehr viel ernster nehmen müßten, was in den verschiedenen Lebensbereichen vor sich geht. Die Glieder der Kirche, die in diesen Lebensbereichen tätig sind, sollten daher viel mehr zur Mitarbeit in den Synoden und im Gottesdienst herangezogen werden.


Jugenderholung / Herr Horn
(30.6. - 20.7.1960, 72 Teilnehmer)

65 Jungen aus dem Oldenburger Lande im Alter von 7-14 Jahren verlebten in den ersten drei Juliwochen im Zeltlager beim Blockhaus Ahlhorn einen Teil ihrer Sommerferien. 7 Betreuer bemühten sich mit Unterstützung der Leiter und Angestellten des Blockhauses, den Jungen erholsame und abwechslungsreiche Ferien zu bieten.
Der Tagesablauf hatte durch die 4 Mahlzeiten und die streng eingehaltene Mittagsruhe einen gleichbleibenden Rhythmus. Ober die Gestaltung der übrigen Zeit wurde wegen der unbeständigen Witterung oft erst von Stunde zu Stunde entschieden.
Sehr beliebt waren bei gutem Wetter die Fußballspiele auf dem Platz vor den Zelten. In Meisterschaftsspielen wurden die Besten ermittelt, die sich dann bei den übrigen Jungen eines gewissen Ruhmes erfreuen kannten. An den wenigen warmen Tagen werde gebadet. Die nahen Wälder lockten zum Blaubeersammeln. Bei regnerischem Wetter wurde gebastelt. In kleinen Gruppen kneteten, modellierten, klebten, falteten und malten die Jungen. Eine Ausstellung zum Schluß des Zeltlagern zeigte später die kleinen Kunstwerke. Auch mit Vorlesen, Singen, Kasperletheater und Filmvorführungen tröstete man sich über schlechtes Wetter hinweg.
Besondere Höhepunkte des Zeltlagers waren der Ausflug nach Dangast und zum Jaderberger Tierpark sowie eine Besichtigung des Ahlhorner Flugplatzes. An einen kleinen Nachtspaziergang auf verschlungenen Wegen und ein Lagerfeuer am vorletzten Abend werden sich die Jungen ebenfalls besonders gern erinnern.
Zum Abschied gab es hier und da bei den Jüngsten verstohlene Tränen, Adressen wurden ausgetauscht und das Versprechen gegeben, bald zu schreiben.


Gymnasium Bremen / Dr. Suhling
(19.8. - 23.6.1961, 41 Teilnehmer)

40 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6 b des Gymnasiums an der Hamburger Straße in Bremen verbrachte vier Tage im Zeltlager des Blockhauses Ahlhorn. Trotz Regen und Kühle ließ sich die junge Schar nicht entmutigen, sondern vergnügte sich teils mit Spielen in einem der großen gemütlichen Tagesräume, teils im Wald, auf dem Teich oder auf dem Sportplatz. Die vier Tage vergingen viel zu schnell, und ungern trennte wich die lebhafte Gesellschaft von der erlebnisreichen Zeit einer gelungenen Klassenfahrt.


Oberschüler Oldenburg / P. Müller
(6.10. - 10.10.1960, 43 Teilnehmer)

Vom 6. bis zum 10. Oktober veranstaltete das Landesjugendpfarramt in Oldenburg eine Freizeit für Oberschüler im Blockhaus Ahlhorn. Die Studientage hatten das Thema "Der Monotheismus und der Glaube an den dreieinigen Gott."
Während man in Oldenburg noch Kramermarkt feierte, beschäftigtes sich über 40 Jungen und Mädchen aus dem ganzen Oldenburger Land ernstlich mit diesem überaus schwierigen Thema, das von Anbeginn des Christentums viele theologische Streitigkeiten entfachte und auch heute nach von vielen Christen mißverstanden wird. Den Leitern der Tagung, dem Landesjugendpfarrer H. Müller und der stellvertretenden Landessekretärin der ev. Schülerinnenarbeit, Sigrid Lichtenthäler, war es gelungen, mehrere Referenten für dieses Thema zu gewinnen.
So sprach Pastor Mechau, Delmenhorst, über die Entstehung der Trinitätslehre, die jahrhundertelang das Streitobjekt der alexandrinischen und antiochenischen Theologenschulen war, bis sie auf dem Konzil von Nicaea 325 ihre endgültige Form fand. Die Trinitätslehre besagt, daß Gott Vater, Sohn und heiliger Geist wesenseins sind, und daß Jesus Christus wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch ist. Der Glaube an den dreieinigen Gott ist keine theologische Spitzfindigkeit, wie aus einem Referat von Pastor Berg, Delmenhorst, hervorging. Die Trinität ist die einzig gültige Aussage für das Christsein heute. Es ist eine Unmöglichkeit, Gott, Christus oder den heiligen Geist voneinander zu trennen.
Ein Vortrag von Oberkirchenrat Höpken, Oldenburg, klärte über den Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam auf, der auch nur an einen Gott glaubt. Der Monotheismus des Islam bezieht sich nur auf Gott den Schöpfer, während im Christentum der Monotheismus gerade darin bewahrt wird, daß sich der eine Gott als Schöpfer, Versöhner und Erlöser offenbart.
Die Aussagen der Kirchenmusik über die Trinität, die praktisch den christlichen Glauben ausmacht, finden in den liturgischen Gesängen, in Chorälen und in kirchlichen Orchesterwerken ihren Ausdruck. An Hand von praktischen Beispielen von Bach bis in die moderne Kirchenmusik referierte Pastor Trensky, Berne, über diese Ausdrucksart des Glaubens an die Trinität.
Mit weiteren Vorträgen, auch aus dem Kreis der Jugendlichen selbst, mit Diskussionen und Bibelstudien wurde die Freizeit so interessant und nachdenklich gestaltet, daß die jungen Leute viele wertvolle Gedanken mit in ihre Heimatstädte nehmen konnten. (E. Piotrowski)


Soldatenrüstzeit Bremen / P. Lenz
(24.10 - 27.10.1960, 18 Teilnehmer)

20 junge Offiziere und Offiziersanwärter aus dem Standort Schwanewede bei Bremen waren für eine Woche im Blockhaus Ahlhorn. "Der Christ in der modernen Welt" hieß das Thema der Tagung, zu der Militärpfarrer P. Lenz, Bremen, eingeladen hatte. Erfahrene Menschen aus verschiedenen Berufen führten die Teilnehmer durch Referate und Aussprachen zu dem Leitthema hin und gaben ihnen Hilfen, wie man mit den täglichen Problemen des Lebens fertig wird und als Christ zu leben und zu handeln hat.


Landesjugendpfarramt und SPD-Jungsozialisten / P. Möller
(29.10. - 30.10.1960, 47 Teilnehmer)

Das Landesjugendpfarramt der ev-luth. Kirche in Oldenburg und der Bezirk Weser-Ems der SPD-Jungsozialisten hatten zu einem Wochenendgespräch mit Oberkirchenrat H. Kloppenburg DD, Dortmund, eingeladen, um gemeinsam Fragen der staatsbürgerlichen Verantwortung junger Menschen zu erörtern.
Die beiden einführenden Referate "Kirche und Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert" und "Unsere politische Verantwortung im gegenwärtigen Europa" hielt Oberkirchenrat H. Kloppenburg DD. Er ging aus von einer Analyse der Lage des Menschen in der industriellen Gesellschaft, die durch den immer kleiner werdenden Bereich echter, eigener Entscheidungen bestimmt wird. Politische Gleichgültigkeit und schematisches Denken in vorgeprägten Formen könne nur überwunden werden durch Erweiterung der Bereiche, in denen eigene Entscheidung und Verantwortung möglich ist, z. B. im Betrieb und durch Vermittlung von Sachkenntnissen über die großen Weltprobleme. Die Diskussionen, die auch die Frage des Wehrdienstes umfaßte, war gründlich und ergab in vielen Fragen Übereinstimmung unter den Teilnehmern aus verschiedenen Gruppen.


Landjugendtagung / Herr Heitzhausen
(12.11. - 13.11.1960, 88 Teilnehmer)

Im Blockhaus Ahlhorn konnte der Bezirksbeauftragte der Niedersächsischen Landjugend für Oldenburg, Erich Heitzhausen, 90 Gruppenleiter und Mitglieder der Landjugend begrüßen. Diese Veranstaltung sollte dazu dienen, Anregungen für die Winterarbeit in den Dörfern zu geben. "Wie lebe ich mit den Mitmenschen im Alltag und auf Festen und wie helfe ich mit, gute Sitten in der Gemeinschaft zu fördern", waren Gesprächsthemen, die sehr freimütig angepackt wurden. Übungen in der freien Rede und die Möglichkeiten der Gesprächslenkung auf Gruppenabenden sollen auf den nächsten Tagungen erarbeitet werden. Den Sonntagsgottesdienst hielt Landesjugendpfarrer Pastor Müller.
Im Anschluß an diese Tagung wurde, wie in den vergangenen Jahren, im Blockhaus Ahlhorn die Jahrestagung für das Gebiet Weser-Ems gehalten. Neben Verwaltungs- und Organisationsfragen stand ein aktuelles Thema aus dem Bereich der Landwirtschaft zur Debatte.


Ev. Jugend, Wildeshausen / Frl. Sternagel
(26.11. - 27.11.1960, 17 Teilnehmer)

In froher Gemeinschaft verbrachte der evangelische Jungmädchenkreis Wildeshausen zwei Tage im Blockhaus Ahlhorn und erlebte auf der "Jungenburg" unvergeßliche Stunden seiner Freizeit. Am prasselnden Kaminfeuer sangen die Mädchen mit ihrer Gruppenleiterin, Fräulein Sternagel, Adventslieder, hörten andächtig Bibelbetrachtungen und vergnügten sich beim Spiel. Ein besonderes Erlebnis am Sonntag war der Gottesdienst mit der Predigt von Landesjugendpfarrer Pastor Müller unter der Mitwirkung des Oldenburger Jugendchores, der adventliche Lieder sang. Auch Pastor Prochnow, Wildeshausen, besuchte den Mädchenkreis und berichtete ihm von seinen Erlebnissen auf einer Reise durch die Sowjetzone.


Landfrauenverband Oldenburg / Frau Hammje
(5.12.-9.12.1960, 21 Teilnehmer)

"Die Frau in Familie und Heimat" war das Leitthema der Freizeit im Blockhaus für die Vorsitzenden der Landfrauenverbände Weser-Ems. Nach der Begrüßung durch die Landesvorsitzende Frau Garbade wurde die einwöchige Freizeit mit einem Weihnachtsliedersingen unter Leitung von R. Orth, Organist an der Auferstehungskirche in Oldenburg, eröffnet.
K. H. Zumbroich, pädagogischer Leiter der Ländlichen Erwachsenenbildungsarbeit in Niedersachsen, besprach mit den Teilnehmerinnen Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Abends war dann Prof. Duis mit seinem Quartett zu Gast. Seine "Alte Weihnachtsmusik" wurde mit großer Anteilnahme aufgenommen. Professor Dr. W. Grotelüschen führte den Teilnehmerkreis in die Landschaft und Landschaftsgeschichte unserer Heimat ein.
Nachmittags bastelte die Jugendleiterin Frau Gerda Nannen mit den Frauen. Als weiterer Referent sprach Dr. Schulenburg von der Pädagogischen Hochschule Oldenburg über "Der Wandel der Autorität in Gesellschaft und Erziehung". Eine vorweihnachtliche Buchbesprechung und Buchausstellung gab weitere neue Anregungen. Am letzten Abend erzählte der Heimleiter am Kamin des neuen Seehauses über eine Reise nach Ostpreußen. Kirchenrat Kiausch, Westerstede, beantwortete die Frage: "Wie begleiten Eltern ihre Kinder ins Leben?".


Soldatenrüstzeit, Oldenburg / P. Dr. Thyen u. P. Geerken
(5.12. - 9.12.1960, 71 Teilnehmer)

Die Oldenburger Militärpfarrer Dr. Thyen und Geerken veranstalteten im Blockhaus eine Rüstzeit für evangelische Soldaten der Standorte Oldenburg, Ahlhorn, Rostrup, Lingen, Fürstenau und Diepholz. Sie diente dazu, die Arbeit der Militärseelsorge in den einzelnen Standorten zu stärken und zu festigen.
Die Soldaten kannten sich mit den Militärpfarrern über Glaubensfragen aussprechen. 70 Soldaten empfanden diese Freizeit als eine Unterbrechung des militärischen Alltags und für viele war es ein besonderes Erlebnis, in christlicher Gemeinschaft zu leben. "Die Bewährung des Glaubens im Alltag", darüber sprach der Leiter des Gymnasiums in Ahlhorn, Studienrat Ahlers. Oberkirchenrat H. Höpken beantwortete die Frage: "Kann man ohne kirchliche Bindung Christ sein?" Pastor Dierken, Eversten, besichtigte mit den Soldaten alte und neue Kirchen in der Umgebung und wies darauf hin, jeder Kirchbau sei eine Glaubensäußerung. In der Kirche zu Großenkneten wurde ein Abendmahlsgottesdienst gehalten. Forstmeister Hulverscheidt, Ahlhorn, verstand es ausgezeichnet, seine Zuhörer darauf hinzuweisen, welche Verantwortung wir Menschen der Schöpfung gegenüber tragen.

Seehaus

Ev. Akademie, Oldb., Bauerntagung / Kichenrat Kiausch
(16.12. - 17.12.1960, 16 Teilnehmer)

Vorweihnachtlich still und doch voller spannunggeladener Themenbehandlung verlief die letzte Tagung der Evangelischen Akademie Oldenburg im alten Jahr. Die Abgeschiedenheit des Jugendheims Blockhaus Ahlhorn war der geeignete Ort mit der Atmosphäre, wo sich Bauern und Landfrauen, Lehrer und Theologen über "heiße Eisen" aussprechen kannten.
Die eurapäisch-weitreichenden Ausführungen des Diplomlandwirts Robert Dannemann über die EWG sowie das Thema "Seelsorge am Menschen auf dem Lande", von Pastor Mechau, Delmenhorst, und der zweite Tag mit "Problemen der ländlichen Familie" führten die Teilnehmer aus Stadt und Land in die ernste Besinnung unter dem Leitgedanken: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein".
Das Bündel von Sorgen, das die Landwirtschaft der Bundesrepublik wegen der auf sie zukommenden Aufgaben innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft erfüllt, die Gründe für die Landflucht vieler unentbehrlicher Bauernsöhne und -töchter, das stetige Abnehmen der Nutzfläche waren nicht der einzige Inhalt des Präsidentenvortrags. Vielmehr nannte er Lichtblicke und Ruhmesblätter:
Der Leistungsstand deutscher Bauern hat die Vorkriegsleistungen überflügelt trotz der früher autarken Agrarpolitik und trotz der Lücke, die noch immer zwischen dem Ertrag der Landwirtschaft und dem der übrigen Wirtschaft klafft.
Einige der Forderungen, die der Referent aus den bisherigen Grünen Plänen und den zwangsläufigen Begleiterscheinungen der - hoffentlich nicht verkürzten - Übergangszeit bis zum vollen Inkrafttreten der EWG zog, waren: Übergang zu vereinfachten Betrieben mit Spezialkulturen, die die Märkte erobern; Flurbereinigung; Bau von Wirtschaftswegen; Verkehrserschließung, damit die Landgebiete Anschluß an die übrige Gesellschaft gewinnen. "Die Autobahn muß kommen!" betonte der Verwaltungspräsident nachdrücklich; außerdem müßten die Mittel, die aus dem Grünen Plan für Wirtschaftswege kommen, der Landwirtschaft dienen und nicht zur Finanzierung der Gemeindestraßen. Für die mannigfachen kulturellen Bedürfnisse müsse auf dem Lande viel mehr geschehen als bisher.
"Der Ernst der Lage möge bis auf den letzten Hof erkannt werden", schloß Robert Dannemann; "geben wir der bäuerlichen Jugend die beste Ausbildung, dann werden wir den bevorstehenden Wettbewerb nicht zu scheuen brauchen. Den Partnern Italien und Frankreich ist unsere Landwirtschaft turmhoch überlegen; Belgien und Holland haben zwar Vorsprung, aber wir werden uns auch mit ihnen auf den europäischen Märkten tummeln!"


Ev. Akademie, Oldb., Handwerkertagung / Kichenrat Kiausch
(28.1. - 29.1.1961, 48 Teilnehmer)

Handwerksmeister, Gesellen und ältere Lehrlinge, aber auch Lehrer von Volks- und Berufsschulen und vor allem auch die Frauen von Handwerksmeistern aus dem Oldenburger Lande nahmen an einer Tagung teil, die von der Evangelischen Akademie Oldenburg im Blockhaus veranstaltet wurde und den Erziehungs- und Bildungsauftrag des deutschen Handwerks zum Thema hatte. Es war ein Treffen von verantwortungsbewußten Menschen, die es sich angelegen sein lassen, der Jugend von heute eine gute Erziehung zu vermitteln. Ersprießliche Diskussionen schlossen sich an die Referate an.
Den ersten Vortrag hielt Oberkirchenrat Dr. Hans Schmidt , der die Bildungsgüter mit den Erziehungsaufgaben verband, "Wir alle stehen im geistigen Bereich, der auch handwerkliche Arbeit in das Lebensganze einordnet. Bildung ist nicht das Anhäufen von viel Wissen, sondern das Beteiligtsein an Zusammenhängen des Lebens". Für den jungen Menschen bedeute das neben der Hinführung zum Beruf die Ausfüllung des Raumes, in dem das Menschsein erhalten bleibt und ausgebildet wird.
"Wirklich gebildet ist ein Mensch dann, wenn er um rechte Muße weiß", sagte der Vortragende und erläuterte dies mit dem Tun dessen, was Freude macht und in Freiheit getan wird, nicht um zu scheinen. Echte, gute Strebsamkeit sei nicht zu verwechseln mit dem Jagen nach irdischen Gütern, schon gar nicht mit Schwarzarbeit. Der Beruf dürfe nie nur Erwerbsquelle sein. Der Redner wies auf den Unterschied zwischen guter, nachdenklicher geistiger Kost und der Scheinwelt von Groschenheften, Kriminalschmökern und seichten Filmen hin.
Die rechte Lebensmitte sei weithin verlorengegangen, fuhr der Redner fort; die Bewältigung von Leid, Krankheit und Tod sei nur dem möglich, "der sich durch Gott erlöst weiß von Krampf und Schein, den die Mühsal nicht verbittert, und den auch echte Leistungserfolge nicht hochmütig werden lassen". Das Ziel rechter Erziehung und Bildung sei erst da erreicht, wo der junge Mensch diese Lebensmitte gefunden habe, frei von der Ichbezogenheit, frei zu Lob und Dank gegenüber dem Schöpfer und zum Bejahen des Mitmenschen.


Abiturientenrüstzeit, Oldenburg / P. Müller
(24.3. - 26.3.1961, 51 Teilnehmer)

In der Zeit vom 24.-26. März trafen sich 48 Abiturienten und Oberprimaner (Jungen und Mädchen) zu einem Wochenende im Blockhaus Ahlhorn.
Der erste Abend gab uns einen Überblich über das, was man unter dem Begriff "Atheismus" versteht. Einleitend sagte Pastor Schroer, daß man sich darüber klar sein muß, wenn man sich mit den Formen des Unglaubens auseinandersetzen will, daß man dieses Thema eigentlich nur subjektiv behandeln kann, weil es sich dabei um einen eigenen Glauben bzw. Unglauben handelt, zu dem man nicht objektiv stehen kann. Es geht dabei um ein eigenes Ja oder Nein, die Trennung vollzieht sich im eigenen Herzen. Er erläuterte uns dann an Hand van Beispielen die verschiedenen Farmen des Unglaubens:
1. Der wissenschaftliche Unglaube entsteht durch die immer fortschreitende Entwicklung aller Wissenschaften, der "Gott" nur noch als "Lückenbüßer" der letzten Erkenntnisse sieht, der so wahrscheinlich einmal überflüssig werden wird.
2. Der humanistische Unglaube baut darauf, daß der Mensch durch freiwilligen Unglauben an Gott zum Menschen wird. Er kann sich sein Heil selbst schaffen.
3. Der ideologische Unglaube strebt die Selbsterlösung an, der die Religion nur als Machtmittel innerhalb des Klassenkampfes ansieht (Freidenkertum, Marxismus).
4. Der banale Unglaube ist wohl der weitverbreitetste und gleichzeitig gefährlichste Unglaube, weil er nicht an Gott glaubt, aber sich christlich nennt. Man gehört zur Kirche, weil sich das so schickt, aber der Glaube ist keine Gewißheit, sondern eine Meinung, die alles offen läßt.
Diesem Referat schloß sich eine "aufregende" Diskussion an, weil wir bald zu wesentlichen Fragen gelangten, die unseren eigenen Glauben und Unglauben betrafen. (Anke Keck)


Walddörferschule, Hamburg, Kl. 11d / Dr. Gumpricht
(12.6. - 19.6.1961, 27 Teilnehmer)

Acht Tage weilte eine Obersekunda der Walddörfersschule aus Hamburg im Blockhaus. Als musische Klasse - Kunsterziehung und Musik sind Hauptfächer - konnten die Schüler und Schülerinnen ganz ihren Interessen nachgehen. Zwischen den Teichen und in den Wäldern fand sich manches gute Motiv. Es wurde fließig musiziert. Am 17. Juni versammelte sich die Klasse mit der Hausgemeinschaft.


Landesjugendpfarramt, Jugenderholung / Herr Hanke
(27.6. - 17.7.1961, 62 Teilnehmer)

"Für die schönen Tage im Blockhaus möchte ich Ihnen heute noch einmal sehr herzlich danken, denn meine Erwartungen sind in mancher Hinsicht übertroffen worden.
Auf unseren Wanderungen und bei vielen kleinen Spaziergängen erlebten wir die reiche Verschiedenartigkeit des Ahlhorner Landes, die Seen in ihrer liebliches Herbheit, mit den Wasserpflanzen, Fisches und Vögeln - die Wälder, die einen immer wieder durch ihre Andersartigkeit überraschten, manchmal an gepflegte Parks, dann wieder an Urwald oder Dschungel erinnernd - die Heide, die gerade zu blühen begann, und die weiten Blaubeerund Preißelbeerfelder - die fruchtbaren Felder, auf denen die Bauern das Korn mähten und einfuhren, manchmal ein alter niedersächsischer Bauernhof. -
Und nach der Rückkehr immer wieder die Möglichkeit, zu schwimmen, zu rudern, zu turnen oder zu spielen. Natürlich war dann die Freude groß, wenn wir uns das Essen aus der Küche holen konnten, um es gemeinsam und in aller Ruhe in unserem Dachstübchen zu uns zu nehmen; oder wenn wir abends nach einem so ausgefüllten Tag müde in die Betten sanken.
Wir waren zwar nur eine kleine Gruppe, aber vielleicht haben wir gerade Ahlhorn um so intensiver erlebt und neue Kräfte sammeln können. Unseren herzlichen Dank, daß Sie dazu beigetragen haben! Möge es mit Gottes Hilfe noch vielen Menschen möglich werden, in Ahlhorn zu sein - und vielleicht dürfen auch wir einmal wiederkommen"

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