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"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein"
Udo Frhr. v. Frydag
Wir Landwirte sind Glieder eines Berufsstandes, der Generationen hindurch eine gewisse Bevorzugung erfuhr. Wir sorgten für die "Nahrungsfreiheit", also ein Stück militärische Sicherheit, durch unser Denken und Planen in langen Zeiträumen, durch die Pflege des von den Vorvätern ererbten Hofes trugen wir wesentlich zur Weitergabe kultureller Werte bei. Unsere Abhängigkeit von den Gewalten der Natur und unsere konservative Grundeinstellung führten zu einem vielfach besonders treuen Verhältnis zwischen Bauernstand und Kirche.
Aber ist dieses Verhältnis nicht im Laufe der Jahre mehr und mehr veräußerlicht? Wäre der Weg ins 3. Reich mit allen seinen Weiterungen möglich gewesen, wenn jeder, seiner sozialen Stellung entsprechend, die Weisungen, die er einmal von frommen Pfarrern und getreuen Schulmeistern erhalten hatte, zu jeder Stunde beherzigt hätte?
Alte Wertvorstellungen und die gewachsene Ordnung sind - nicht ohne unsere persönliche Schuld - verfallen. Der Bauer, gestern nach geborgen und selbstsicher, sieht sich urplötzlich einer ihm fremden Umwelt gegenüber, in der er etwas wie ein notwendiges Übel zu sein scheint. Wie wird er, wie wird die Landjugend mit dieser neuartigen Lage fertig? Welche Chancen bestehen, sich in die industrielle Wohlstandsgesellschaft einzuschalten und den Lebensstil zu verstädtern? Und wie hoch ist der Preis, den unsere Seele zahlt, um den Anschluß an "die Welt" zu gewinnen?
Unsere Kirche hat oftmals Brennpunkte sozialer Wandlungen oder politischen Unrechts deutlich erkannt. Sie stellte sich vor den Arbeiter, als man ihn noch ausbeutete, sie mahnte die Gewissen zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Sie versucht auch heute dort, wo Menschen sich reiben, wo Ordnung und Gerechtigkeit in Gefahr sind, aus der Kraft und Weisheit der Religion Augen und Herzen zu öffnen. Auch das Blockhaus Ahlhorn dient der Begegnung von Mensch zu Mensch, von Beruf zu Beruf, von Interessengruppe zu Interessengruppe.
Die Ahlhorner Tagung für Bauern und Landfrauen im vergangenen Dezember ließ uns alle einmal Getriebe der vorweihnachtlichen Zeit stille werden. Wir härten die Analyse der landwirtschaftlichen Situation vom Verwaltungs-Präsidenten Dannemann und wir diskutierten sie freimütig und unter dem Motto "Agrarpolitik muß Sozialpolitik sein". Pfarrer Mechau übersetzte die Problemstellungen aus dem Beruflichen ins Seelsorgerische. Dr. Dageförde, Rastede, umriß die Auswirkungen der ländlichen Revolution auf das Leben und Gedeihen der Familie. Und Kirchenrat Kiausch stellte unsere Sorge, unseren Alltag unter die Weisheit des Neuen Testaments (Joh. 1, 19-28). Wir Landwirte und Landfrauen danken ihm und danken dem Blockhaus.
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