Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1960: Blockhausbrief Nummer 5

Inhalt:

Titel
Was wird daraus? - Eine besinnliche Plauderei über Ahlhorner Erfahrungen
Der Baumweg
Das "Blockhaus Ahlhorn" - Eine Plauderei über das Haus und seine Entwicklung
Wissenswertes über die Staatliche Teichwirtschaft
Ein Vorwort, das eigentlich Nachwort heißen müßte
Evangelisches Jugendheim Blockhaus Ahlhorn
Soldaten im Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.5.1959 bis 1.6.1960
 

Wissenswertes über die Staatliche Teichwirtschaft

Aus Aufzeichnungen von Ewald Thien

Die hauptsächliche Wassermenge bezieht die Teichwirtschaft aus der Lethe, die in der Garther Heide entspringt. Auch befinden sich weitere Quellen noch bei der ehemaligen Feldmühle und bei der oberen Talsperre.


Zuchtverfahren der Karpfen

Die Ahlhorner Karpfen finden in den letzten Jahren wegen ihrer Qualität sehr guten Absatz. Das ist zum Teil auf die Beschuppungsform und auf die Rasse zurückzuführen; es handelt sich hier um den Spiegelkarpfen, der der Galizier-Rasse angehört. Aber auch die erfahrenen Arbeiter haben einen großen Einfluß auf die Qualität, denn sie führen die Auslese der Laichkarpfen durch und bestimmen die Paarung und Besetzung der Teiche.

Bei der Züchtung spielen die Erbanlagen und die Umwelteinflüsse für den Fisch eine wesentliche Rolle. Deshalb werden nur solche Fische zur Zucht ausgewählt, die gute Futterverwerter und Nahrungssucher sind, eine hohe erbliche Resistenz besitzen, einheitliche Nachkommen bringen und nicht zu früh laichreif sind. Es werden ca. 1000 Fische ausgewählt, die jedes Jahr wieder sortiert werden, bis sie dann als Laichkarpfen Verwendung finden. Milchner (Männchen) werden nach drei Jahren, Rogener (Weibchen) erst nach fünf Jahren zur Zucht verwandt.

Da der Karpfen wahrscheinlich aus den Zuflüssen des Schwarzen- und Kaspischen Meeres stammt, laicht er bei uns in den natürlichen Gewässern sehr selten ab. Aus diesem Grunde muß man in der Teichwirtschaft eine besondere List anwenden, um den Karpfen zum Ablaichen zu bringen. Die Laichteiche haben eine Größe van 8 x 20 m und eine Wassertiefe von 30 - 40 cm. Sie liegen fast das ganze Jahr trocken und werden mit besonderer Sorgfalt gepflegt, weil davon der ganze Fischbesatz abhängig ist. Wenn dann im Mai/Juni, wenn nicht mehr mit Nachtfrösten zu rechnen ist, die Laichzeit der Karpfen eintritt, werden diese Laichteiche bespannt und mit Laichkarpfen besetzt. Die Laichkarpfen werden bis dahin in kühlen Hälterteichen, nach Geschlechtern getrennt, gehalten. Die Trennung erfolgt im Frühjahr nach dem Abfischen der Winterteiche.

Die Stärke der Besetzung beträgt in den Dubischteichen etwa 1 - 3 Satz. Ein Satz besteht aus einem Rogener und zwei Milchnern. Im allgemeinen werden 8 - 10 Satz jährlich angesetzt, damit immer genügend Besatz vorhanden ist. Unter Umständen kann schon ein Satz den jährlichen Besatz sämtlicher Teiche decken, wenn günstige Witterungs- und Nahrungsverhältnisse vorhanden sind.

Das Ablaichen der Karpfen erfolgt, bei günstiger Wassertemperatur von 16- 20° C, schon am gleichen Tage, sonst normalerweise jedoch erst am nächsten Tag. Ein Rogener legt ca. 700.000 Eier, aus denen ca. 100.000 Stück Brut gewonnen werden können. Nach dem Ablaichen werden die Elternfische aus den Laichteichen herausgenommen, damit sie nicht den Teich aufwühlen, die Brut fressen und vor allem keine Krankheit an die Brut übertragen, wenn sie davon befallen sein sollten.

Bleibt die Wassertemperatur weiterhin günstig, so schlüpft sie nach 4 - 10 Tagen aus und hängt erst hilflos an den Grashalmen. Nach kurzer Zeit schwimmen sie jedoch frei umher. Schon drei Tage nach dem Schlüpfen wird mit dem Umsetzen der Brut begonnen. Diese Arbeit ist nach acht Tagen abgeschlossen. Das Umsetzen wird in möglichst kurzer Zeit durchgeführt, weil die Brut, die mit K0 bezeichnet; wird, nicht genügend Nahrung in den Laichteichen mehr findet. Das Abfischen erfolgt mit großen flachen Gazeketschern. Nach dem Abfischen werden die Laichteiche trocken gelegt und in bester Kultur gehalten. Vor allem wird auf einen guten Süßgräserbestand geachtet. Dieser Bestand wird durch Kalkung gefördert. Beim Umsetzen wird außerdem noch die Brut gezählt, damit man eine Obersicht über die Menge hat. Die Zählung wird durchgeführt, indem man eine bestimmte Menge, z. B. einen Liter, abgezählt hat und dann die übrige Menge schätzt.

Die Karpfenbrut, auch "Strich" genannt, wird zunächst in Vorstreckteichen, die ca. 0,5 ha groß und 50 cm tief sind, ausgesetzt. Diese Teiche liegen auch fast das ganze Jahr trocken und werden während der Zeit durch Bodenbearbeitung und Düngung fruchtbar gemacht, damit der Karpfenbrut genügend Nahrung zur Verfügung steht. Die Vorstreckteiche werden nach dem Ablaichen mit Wasser gefüllt und stehen 4 - 6 Wochen der Karpfenbrut zur Verfügung. In dieser Zeit erreicht die Brut eine Länge von etwa 5 cm und wird als KV bezeichnet. Die Besetzung der Vorstreckteiche beträgt je nach Fruchtbarkeit des Teiches ca. 50 000 Stück je Hektar. Danach wird die vorgestreckte Brut wieder abgefischt und in die Brutstreckteiche übergesetzt. Diese Teiche, die bis Anfang Juli trocken liegen, werden ebenfalls durch Bodenbearbeitung und Düngung fruchtbar gehalten. Die Brutstreckteiche sind so tief angelegt, daß sie im Herbst nicht abgefischt zu werden brauchen, denn das bedeutet Schonung der 1-sömmrigen Karpfen, die K1 genannt werden. Im Herbst haben die K1 ein Gewicht von mindestens 35 g erreicht. Der Verlust von der Brut bis zur K1 beträgt ca. 50 %.

Im Frühjahr wird die K1 wieder abgefischt und in die Streckteiche übergesetzt. Jetzt wird eine genaue Besatzberechnung vorgenommen, weil der Ertrag je nach dem Grade der Düngung und Fütterung sehr verschieden ist.

Im Herbst des zweiten Jahres werden dann die K2, das heißt 2-sömmrige Karpfen, abgefischt und zu ca. 1 - 2 Stück je Quadratmeter in die Winterteiche übergesetzt. Die Karpfen haben dann ein Mindestgewicht von 350 g erreicht.

Die 2-sömmrigen Karpfen werden im Frühjahr aus den Winterteichen abgefischt und kommen in die Abwachsteiche und Talsperren, um sie im Herbst als 3-sömmrige Karpfen mit einem Gewicht von mindestens 1250 g auf den Markt zu bringen. Die Besetzung der Abwachsteiche wird auch genau berechnet, weil sich danach die Fütterung richtet. Man rechnet mit etwa 2 - 5 % Verlust. Die Besetzung beträgt ca. 400 Stück pro Hektar. Das Bespannen und Besetzen der Abwachsteiche erfolgt im zeitigen Frühjahr, sobald die Winterteiche eisfrei sind. Die Talsperren, die 18,2 ha einnehmen, werden extensiv ohne Zufütterung genutzt. Das Abfischen der Teiche wird im Oktober und November, bevor die Nachtfröste eintreten, vorgenommen. Die Teiche werden langsam abgelassen. Die Fische ziehen sich deshalb allmählich mit dem Wasser zurück, bis sie dann in Fanggruben zurückbleiben. Aus diesen Gruben werden sie mit Netzen herausgefischt und in Fässer getan. In diesen Fässern werden sie dann ins Fischhaus bzw. in die Hälter gebracht. Das Sortieren erfolgt beim Umsetzen in die Hälter. Diese Arbeit wird mit der Hand ausgeführt. Mitte Dezember beginnt der Fischversand in die Städte Nordwestdeutschlands. Die Teichwirtschaft verkauft zur Zeit jährlich ca. 300 Ztr. 3-sömmrige Speisekarpfen.


Die Naturnahrung

Die erste Voraussetzung für die Haltung von Fischen in künstlichen Gewässern ist, daß der Baden imstande ist, genügend Naturnahrung zu bilden; denn jeder Fisch muß einen bestimmten Teil Naturnahrung zu sich nehmen. Vor allem ist er im ersten Jahr seines Lebens vollkommen davon abhängig. Aber auch die älteren Fische sind ebenso zu einem Teil an die Naturnahrung gebunden, weil diese zur vollständigen Verdauung notwendig ist. Die Naturnahrung besteht in erster Linie aus dem Plankton. Das sind mikroskopisch kleine Pflanzen und Tiere, die im Wasser schweben. Die Hauptfischnahrung bilden das tierische Plankton und sonstige Tiere, vor allem Geißeltiere, Wimpertierchen, Rädertiere, Wasserflöhe, Hüpferlinge, Kiemenschwänze, Zuckmückenlarven, Eintagsfliegen, Insekten, lnsektenlarven, Würmer, Krebstiere, Schnecken und andere. Die pflanzliche Naturnahrung besteht zum größten Teil aus Algen; aber auch sonstige niedrige Pflanzen sind nicht ohne Bedeutung, denn sie sterben nach einer bestimmten Zeit ab und bilden den Ditritusschlamm. Dieser dient wieder als Nahrung für die Fischbrut und auch für die niedrige Tierwelt. Somit befindet sich im Teich auch ein ständiger Kreislauf.


Das Futter

Die intensive Nutzung der Teichwirtschaft bringt es aber mit sich, daß die Naturnahrung nicht mehr ausreicht. Aus diesem Grunde ist man bei einigen Fischarten auf eine Zufütterung angewiesen. Die Zufütterung erfolgt in erster Linie bei den Karpfen. Sie schließt die Schleienfütterung mit ein, weil diese ähnliche Futteransprüche stellen. Als Beifutter wird die blaue Lupine verwendet, da diese von den Fischen, vor allem vom Karpfen, am besten verwertet wird. Nach dem Futterwert der Lupine werden die anderen Futtermittel, wie Mais, Gerste, Sojaschrot, Fischmehl, Kartoffeln, Roggen, Hülsenfrüchte und andere mengenmäßig berechnet. An die Futtermittel werden in Hinsicht auf die Qualität keine großen Ansprüche gestellt, sie müssen nur eine geeignete Größenform haben, so daß sie von den Karpfen vollständig aufgenommen werden können. Die Wirkung der Futtermittel ist von ihrem Gehalt an Kalorien und verdaulichen Nährstoffen abhängig. Alle wertvollen Nährstoffe, die der Karpfen zum Aufbau seiner Körpersubstanz braucht, bezieht er aus der Naturnahrung, die auch bei starker Fütterung annähernd zur Hälfte an der Deckung des Nahrungsbedarfes beteiligt ist. Die Futtermenge richtet sich nach der Besetzung der Teiche. Im allgemeinen werden für die Erzeugung von 1 Ztr. Fischfleisch 4,5 Ztr. Lupinen gerechnet. Somit kann man aus dem Einsatzgewicht und dem gewünschten Endgewicht unter Abzug des Naturzuwachses die erforderliche Futtermenge errechnen. Der Naturzuwachs beträgt bei normalen Verhältnissen 200 - 400 kg/ha.


Die Fütterung

Die Fütterungszeit beginnt bei Karpfen Ende Mai und dauert bis Ende September. Die Fütterung erfolgt ca. 3 maI wöchentlich. Das Futter wird mit Kähnen an bestimmte Futterplätze gebracht. Auf einen Hektar entfallen ca. 3 Futterplätze. Sie sind an schlammfreien Stellen angelegt und müssen bei jeder Futterzeit sauber sein, denn eine vollständige Aufnahme ist unbedingt erforderlich. Bei Überfütterung kann ein Verderben des Futters eintreten und zu Rückschlägen führen. Die Futtermenge beträgt im ersten Monat ca. 10% des Gesamtfutterbedarfes. Sie steigert sich im Juli auf 35 %. Später nimmt die Menge wieder ab. Die größte Futteraufnahme liegt bei den Teichfischen in den Sommermonaten. Deshalb ist in dieser Zeit auch eine stärkere Fütterung erforderlich. Mit der Beifütterung wird erst begonnen, wenn die Wassertemperatur mindestens 13° C beträgt.

In ungünstigen Jahren, wenn die Futtermittel zu teuer sind, so daß der Ertragszuwachs geringer bleibt als die Futtermittel betragen, wird auf eine Beifütterung verzichtet. Man beschränkt sich dann auf den Naturzuwachs.


Die Düngung der Teiche

Die Grundlage für jede Düngung in der Teichwirtschaft ist die Kalkung des Wassers und des Bodens. Der Kalk schafft ein neutrales oder schwach alkalisches Wasser und verbessert die Bodenbeschaffenheit, indem er organische Bodensäuren abstumpft und die zurückgebliebenen Schlammmassen zersetzt. Ebenso dient er zur Bekämpfung van Fischkrankheiten bzw. zur Bekämpfung von Krankheitserregern. Nebenbei fördert der Kalk noch das Pflanzentum, das zum Teil indirekt als Naturnahrung dient. Als Kalkdüngemittel wird Mergel verwendet.

Neben dem Kalk sind noch andere Düngemittel zu nennen, die in der Teichwirtschaft Bedeutung erlangt haben. Hier werden vor allem die Phosphatdüngemittel als unentbehrlich empfunden, da sie beachtliche Ertragssteigerungen aufweisen. Die Ertragssteigerungen entstehen, weil die Phosphorsäure eine günstigere Entwicklung der natürlichen Nahrungsprodukte bewirkt.

Die Anlegung der Teichwirtschaft hat auf dem Gebiet des Wasserhaushaltes der Umgebung eine Verbesserung herbeigeführt, weil der Grundwasserstand erhöht wurde. Dadurch wurde für andere Pflanzen in der Gegend eine Kulturmöglichkeit geschaffen. So konnte z. B. ein Teil des Baumweges nach Anlegung der Teiche mit besseren und wertvolleren Bäumen verpflanzt werden, weil nunmehr genügend Feuchtigkeit während der Vegetationszeit zur Verfügung steht.

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