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Das "Blockhaus Ahlhorn"Eine Plauderei über das Haus und seine EntwicklungD. Schelling Dem Reichsarbeitsdienst ist die Erschließung der zauberhaften Seenlandschaft eigentlich zu danken. Die Männer des Reichsarbeitsdienstes machten dem damaligen "Gauleiter" Röver ein kleines, äußerst bescheidenes Häuschen mit kleinem Wohnraum, Küche und 2 Schlafzimmern zum Geschenk. Die Lage dieses Hauses ist sehr gut ausgesucht, es liegt auf einem Hügel und bietet eine entzückende Aussicht. Hier beginnt die Geschichte des Blockhauses Ahlhorn. Dieses kleine Wochenendhaus - heute umgebaut und Jungenburg genannt - ist die Keimzelle des Blockhauses. Schon nach kurzer Zeit wurde dann das erste Parteiheim geplant. Die Arbeiten an diesem Haus sind zum größten Teil von Angehörigen der Partei durchgeführt worden. Es kam dabei zu heiklen Situationen. Die Stellung der Stützen im Altbau verraten noch, daß das bauliche Gefüge nicht so ganz in Ordnung war. Immerhin wurde der Bau fertig und ist bis heute standfest geblieben. 1937 habe ich dieses erste Haus dann erweitert. Der große Saal - heute wird er eigenartigerweise Linoleumsaal genannt - wurde um eine Achse vergrößert. Der Querbau mit dem Kaminzimmer, dem Büro und den beiden seitlichen Räumen ist danach entstanden. Die Küche des Hauses - sie war sehr klein - wird heute als Waschraum benutzt. Im Obergeschoß wurden 3 Räume für den Gauleiter Röver eingebaut. Nach meinem Auftrag durfte ich nicht mehr als 38 000,- RM verbauen. Da der Bau während der Abwesenheit des Bauherrn durchgeführt wurde, mußten wir alles auf unsere Kappe nehmen. Mit den bewilligten Geldern war nicht viel zu machen. Und so kam was kommen mußte: Die Oberschreitung der Bausumme um etwa 40 %. Als Röver nach seiner Rückkehr das Haus sah, war er begeistert. Leider wurde diese Begeisterung sehr geschmälert, als er die Bausumme erfuhr. Es gab in Ahlhorn einen heillosen Krach. Bei seiner drastischen Art wurden die Worte nicht auf die Waagschale gelegt - es kam zu einer Schimpfkanonade. Beim Kaffeetrinken fing es an und ging über das Abendessen weiter. Nach dem Essen lud mich Röver nach zu einer Flasche Wein ein. Ich lehnte ab. Kaffee mit Radau, Abendbrot mit Radau, da würde ich bei der Flasche Wein nach mehr zu hören bekommen haben. Trotz Zuredens fuhr ich wütend nach Hause. Nach einiger Zeit war alles vergessen und in den neuen Räumen entfaltete sich eine herzliche Gastfreundschaft. Künstlerkreise - Maler, Architekten, Bildhauer und Dichter - trafen sich zu zwanglosen Zusammenkünften. (außer zu den Parteiveranstaltungen) In der Hauptsache war es natürlich ein Parteihaus, wo alle vier Wochen etwa 100 Männer tagten. Bei diesen Zusammenkünften war das Essen immer ein Eintopf. - Auf den guten Tropfen freute sich mancher und sprach dem Naß mehr zu, als er vertragen konnte. Nun könnte man annehmen, daß mancher Teilnehmer mit seinem Auto angesäuselt nach Hause fuhr. Aber nein, hier wurde vorgesorgt. Aus den Autos der nicht mehr Nüchternen wurde der Zündverteiler herausgenommen, so daß ein Starten nicht möglich war. In dem seenreichen Gebiet eine weise Maßnahme. Nach dem Tode Rövers begann unter der Nachfolge von Wegener eine neue Zeit für Ahlhorn. Häufiger traf sich ein kleinerer Kreis zu ernsthaften Besprechungen. Dann gab es zu Mittag auch mal ein Karpfenessen. Die Karpfen brauchten ja nur von der Teichwirtschaft besorgt zu werden. Aber auch in diesen Jahren blieb der Zuschnitt immer angemessen. Ich möchte hier nicht vergessen, des Hausverwalters, des Amtmannes Heinrich Schnier zu gedenken, der wohl für alle Dinge, die in Ahlhorn geschahen, verantwortlich zeichnete. Es war ein Zeichen guter Kameradschaftlichkeit, wenn nach der guten Erbsen- oder Bohnensuppe der Dank im gemeinschaftlichen Sprechchor ertönte: "Heinrich Schnier, wir danken Dir". Das bescheidene Hauswartspaar Bohlen und Frau sorgten rührend für das Haus. 1944, als der Kriegsschauplatz sich immer mehr nach Deutschland verlagerte, wurde dann die "Gauausweichunterkunft" gebaut. Das Baumaterial war schon sehr knapp geworden, und wir mußten auf zwei OKW-Baracken zurückgreifen, die auch nur schwer zu beschaffen waren. Aus diesen Baracken ist der Speisesaal, die Küche mit Nebenräumen und der ältere Teil des Kindergartens entstanden. Genützt sind diese Räume zweckentsprechend nicht mehr. Zu schnell kam das Unheil und der Schrecken in unser Land. Ausgeplündert wurden die Gebäude leider durch deutsche Landsleute. Türen, Fenster, Bilder, Möbel, alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde abgefahren. Ich glaube, wenn man heute suchen würde, manches käme wieder zu Tage. Dann bezogen Kanadier das Haus. Es wurde notdürftig wieder hergerichtet. Nachdem die Kanadier abzogen, schien das Haus verwaist. Aber sehr bald zog neues Leben - christlich ausgerichtet - in das frühere Parteiheim. Die Landeskirche übernahm das Haus als Freizeitheim. Es war bestimmt nicht leicht für den Heimleiter v. d. Dovenmühle und seine Frau, aus diesem "Resthaus" etwas ordentliches zu machen. Aber mit zähem Fleiß und großer Beharrlichkeit wurde es gegen viele Widerstände geschafft. Wenn ich allein an die baulichen Dinge denke: Allenthalben fehlte es, es gab keine Dachpappe um die Dächer zu flicken, es gab eigentlich nichts. Und doch wurde es geschafft, langsam, aber aus dem verwahrlosten Haus entstand in mühevoller Arbeit ein Freizeithaus, welches sich sehen lassen konnte. Es fehlte noch vieles, aber aus eigenen Mitteln war es einfach nicht zu schaffen. Nach kurzen Beratungen erklärte der verantwortliche Finanzmann des Oberkirchenrats Dr. R. Schmidt, daß in Ahlhorn eine Arbeit geleistet würde, die für die Zukunft alle Förderung verdiene. Somit schaltete sich der Oberkirchenrat in die finanziellen Dinge ein. Jetzt ging es steil bergauf. Zunächst wurde die Jungenburg großzügig erweitert. Dann kam die Küche, der Kindergarten und das Haupthaus. Die größte Bereicherung für den Betrieb war der Bau des Gästehauses. Zugleich mit der Errichtung dieses Hauses wurde die gesamte Heizungsanlage auf Ölfeuerung umgestellt. Das Gästehaus ist auch kein Prunkbau, es erfüllt lediglich in angemessener Ausstattung seinen Zweck. Das Obergeschoß des Hauses dient zur Unterbringung der im Hause beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Alle haben dort behagliche Räume und einen Gemeinschaftsraum erhalten. Auch dieser Neubau fügt sich trotz seiner zwei Geschosse gut in den Rahmen der bereits vorhandenen Bebauung ein. Heute bauen wir wieder an einem kleineren Gebäude, es steht an Stelle des Stalles und der Waschküche. Dort werden eine Milchbar, ein Aufenthaltsraum und Übernachtungsräume entstehen. So ist das "Blockhaus Ahlhorn" langsam gewachsen und hat sich zu einem sehr beachtlichen Faktor in der Aufbauarbeit der landeskirchlichen Einrichtungen entwickelt. |
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