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Die Vogelwelt im JahreslaufSkizze aus den Ahlhorner Fischteichen von Hans TroschelAlle waren sie wiedergekommen. Alle die Gefiederten mit denen wir vertraute Zwiesprache hielten Jahr für Jahr. "Ulrike" unsere Waldohreule war die erste wieder, die hoch in einer Kiefer, nicht weit vom Hause entfernt, ihren alten Horst bezog. Als der Frühling noch recht schüchtern mit blauen Veilchenaugen in die Welt blinzelte, saß sie schon brütend fest und unerschüttert in ihrem Neste. Stürme rüttelten und schüttelten gewaltig ihren Baum, und Schneetreiben, die im April noch über das Land fegten, hielt sie aus. Ein sonderbarer Anblick, sie, nach stillen Vorfrühlingstagen, wieder in einer Winterlandschaft brüten zu sehen. Schnee lag dick auf dem Horstrande, Schnee lag auf ihrem Federkleide. Sie schien keine Notiz von all dem zu nehmen, sie rührte sich nicht, weil sie die Wärme für das keimende Leben halten mußte. Nicht weit von unserer Eule hat auch der Bussard seinen Horst bezogen. Einen neuen Wohnsitz hatte er sich bauen müssen, den alten hatten Stürme des Herbstes hinabgeworfen. Seine neue Hochburg saß diesmal fest und sicher gefügt in der Krone einer mächtigen Kiefer, gehalten wie von einer Riesenhand, die eine kostbare Last in die Höhe reckt. Jetzt aber segeln sie schon - die Alten mit den Jungen - in den luftigen Weiten, die blau über den Wäldern liegen. Sein gellender Schrei ist ein bezaubernder Ruf aus Urkraft und Lebensfreude. Auch unser See hat mit seinem Ringsum aus Schilf und wuchernden Wasserpflanzen wieder die lebhafte Schar seiner Sänger und Schwimmer aufgenommen. Teichhühner, Taucher und Enten tummeln sich jetzt im Röhricht oder auf freier Fläche des Sees. Im Schilfwalde geistert das Völkchen der Rohrsänger - wie Weberschiffchen von unsichtbarer Hand hin und her geworfen, huschen sie unaufhörlich an den starren Stengeln entlang. Schließlich haben sie ein Nest - ein zartes Kugelgebilde geschaffen, das fest an mehrere Halme geflochten, leicht pendelnd über dem Wasser hängt. Ebenso sind von unseren Freunden hier noch andere wahre Meister im Bau ihres Nestes. Die Drossel hat wie ein Maurer fein und geschickt die Innenwand des Nestes mit einer Masse aus Erde und Speichel säuberlich ausgeschmiert. Im grünen Dämmerlicht einer Tanne ist ihr Wohnsitz wohlgeborgen vor Wetter und Wind und anderen Gefahren. Kein Lied erfreut uns so wie das ihre, das selbst in stiller Nacht noch voller Wehmut und Lust zugleich und der Liebe zum Leben gesungen wird. Andere der leicht Beschwingten, sind bei uns schon seit Jahren wirkliche Hausgenossen geworden. Zunächst die Meisen und Stare, die in den ersten Frühlingstagen schon ihre Brutkästen bezogen haben, sind unsere muntersten und innigsten Freunde geworden. Wahre Spaßvögel sind die Stare bei ihren musikalischen Darbietungen, sie flöten weich und melodisch, sie knarren und wispern, sie schnarren und schnattern und einer von ihnen hat plötzlich den Einfall, genau wie ein Huhn zu gockeln und zu gackern. Andere fallen ein, so daß Besucher schon glaubten, wir hätten einen ganzen Hühnerhof hier. Ein anderer wieder ahmt erstaunlich genau den prächtigen Ruf des Piroles nach. Manche können wie der Kiebitz kiewiten und vielerlei andere Stimmen kopieren. Immer aber ist es ein besonderes Ereignis, das Familienleben unserer Stare zu beobachten. Wenn die Jungen erst da sind, wirbeln die Alten erregt um die Kästen herum. In herrlichem Schwebefluge kommen sie immer herbei, um das gebrachte Futter den Kindern sogleich tief in den Schnabel zu stopfen. Aber hastig flatternd verlassen sie stets die Stube der Kleinen. Nie ohne eine "nasse Windel" im Schnabel mit hin auszunehmen, die dann irgendwo in die Gegend geworfen wird. Sauberkeit ist eine gute Sache, das wissen selbst Stare zu schätzen. Eines Tages aber blicken die Jungen schon neugierig hinaus in die Welt. Dann versuchen die Eltern sie mit lebhaften Gebärden ganz aus dem Kasten zu locken. Manche der Kleinen, die den Sprung in das Leben noch nicht gewillt sind zu wagen, wird von den Alten erst mit viel Mühe und Auf wand ein wenig Mut gemacht. Wenn aber alles Bemühen nichts nützt, wenn vorsingen, vorfliegen und flattern auch keinen Erfolg versprechen, kommen die guten Nachbarn herbei - schon aus Neugier kommen sie gern - herzlich gern um nur mal zu sehen was im Nebenhäuschen so eigentlich "im Gange" ist. Mit Getratsche, Geschrei, wohlmeinenden Ratschlägen und anderem Getue soll der Zaghafte veranlaßt werden, doch endlich sein dunkles Verließ - die Wiege seiner ersten Kindertage zu verlassen. Nun, unser Starensprößling scheint auf anderem Standpunkte zu stehen. Nach drei Tagen erst riskiert er - ganz freiwillig sogar - den Kopfsprung ins Leben zu wagen. Außer den Meisen, Grasmücken, Rotschwänzchen und Staren, denen wir ständig Nist- und Wohnstätte zu bieten haben, sind da noch andere liebwerte Sänger, die Sommer für Sommer nicht versäumen, mitten im Garten an sicherer Stelle ihren Brutplatz direkt in den Boden zu bauen. Mit viel Scharfsinn und fast unauffindbar hat der Baumpieper dort unter allerlei wucherndem Kraut sein Nest hergerichtet. Mit seinem lieblichen Trillern, Flöten und Pfeifkonzert, das jubelnd von den Baumwipfeln schallt oder im Schwebefluge vorgetragen wird, hat er sich ganz zum Freunde des Hauses gemacht. Nicht ganz so verborgen im "Unsichtbaren" wohnt im Garten unter dichten Kartoffelstauden die Goldammer. In ihrem, mit feinen Halmen, Pferdehaaren und Wurzelfasern ausgepolstertem Neste liegen die Kleinen zartweich, mattmüde und reglos nur ein filziges Knäuel. Plötzlich aber züngeln wie bunte Flämmchen die blauvioletten überschlanken Hälse mit dem Feuerrot der gesperrten Schnäbel aus dem Nest heraus, recken und strecken sich, fuchteln hin und her, immer Futter verlangend mit pendelndem Kopfe. Zu bewundern war, wie die Alten, den Schnabel voller Kinderkost immer zum Neste kamen. Auf schmalen Wegen, in wucherndem Kraut und Gras allmählich gebahnten Laubengängen, schlüpfen sie stets in trippelndem Lauf geduckt und heimlich herbei. Denn bei Bodenbrütern ist besondere Vorsicht immer geboten. Doch mir gegenüber, den sie schon kannten, weil ich oft durch den Garten ging, schwand nach und nach jede Scheu, so daß ich schließlich - um dieses Familienidyll für immer zu bannen - eine Nahaufnahme am Neste wohl wagen konnte. Sogar ist die Mutter noch mit auf dem Bilde, weil sie gerade den Schnabel voller Schnaken und Fliegen den hungrigen Jungen bringt. Wir werden immer unserer Goldammer gedenken, die bis zu des Sommers Neige ihr Lied uns noch singt. Wer Glück hat, kann sie im Glanz der sinkenden Sonne auf einem Wipfel sitzen sehen - ein Märchenvogel - ein Vogel aus purem Gold! |
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