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Geschichtliches von der TeichwirtschaftOberforstmeister WillmsDie Besucher unseres Blockhauses Ahlhorn wird es gewiß interessieren, wie die hiesige Landschaft, die durch die zahlreichen in die Wälder eingebetteten Teiche einen so reizvollen Rahmen erhalten hat, früher ausgesehen haben mag und wie das heutige Bild entstanden ist. Die Teichwirtschaft Ahlhorn ist eine Gründung des Landeskulturfonds. Es war dies eine selbständige Behörde innerhalb des Oldenburgischen Staatsministeriums, die die Aufgabe hatte, Odländereien aufzukaufen und zu kultivieren oder zu besiedeln. Der Landeskulturfond (LKF) ist später nach dem ersten Weltkrieg unter Leitung des späteren Ministerpräsidenten Cassebohm in das heutige Siedlungsamt umgewandelt worden. Obwohl die Anlage von Teichwirtschaften nicht zu den Hauptaufgaben des Landeskulturfonds gehört haben dürfte, hat man sich doch in dieser Behörde schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Gedanken über die Förderung der Binnenfischerei gemacht. Die jetzige Teichwirtschaft Ahlhorn hat ihren Ausgangspunkt in der sogenannten Halener Mark im Süden des jetzigen Teichgeländes genommen. Dort war bereits im Jahre 1884 der Rüdersee angelegt, benannt nach dem Geheimen O. Kammerrat Rüder, der früher, als das Kanalbauamt und der LKF noch von einer Stelle aus geleitet wurden, diese Leitung inne hatte. Der Rüdersee war 1888 abgefischt worden und hatte ein völliges Mißergebnis erbracht. Ausgesetzt waren dort rd. 4000 Schleie und Karpfen im Wert von 1328 Mark, das ist je ha bei rd.3 ha Teichfläche = 443 Mark. Das Ergebnis waren jedoch nur 124 Karpfen und 3 Hechte. Alle anderen Fische waren entweder eingegangen oder vom Fischotter geraubt. Trotz dieses Mißerfolges hat man Ende des vorigen Jahrhunderts im LKF, dessen Leiter damals Herr Landesökonomierat Heumann war und der sich auf verschiedene, teils von auswärts herangezogene sachverständige Mitarbeiter stützen konnte, die Pläne zur Anlage von Teichwirtschaften weiter verfolgt. Hierzu boten sich in der Nachbarschaft des Rüdersees in erster Linie die Rieselwiesen an. Diese waren in den Jahren 1887 - 1900 durch Notstandsarbeiter angelegt worden. Sie waren aber wenig einträglich und wurden später entbehrlich, weil die Pächter durch den Aufschwung des Kunstdüngers selbst auf ihren Siedlerstellen genügend Grünfutter erzeugen konnten. Auch grenzt weiter nördlich das sogen. Schwarzmoor an, das ebenfalls in die Planung mit einbezogen werden sollte. Auf Grund einer Bereisung im Jahre 1898 wurde beschlossen, das erwähnte Gelände zu einer ordnungsmäßigen Teichwirtschaft auszubauen. Das benötigte Wasser war bereits bei Anlage des Rüdersees von der Lethe entnommen worden. Hier war bei der Feldmühle ein Stauwerk errichtet worden, von der ein Zuleiter zu den vorerwähnten Anlagen geleitet wurde. Die Feldmühle, die jetzt zur Revierförsterei Lethetal umgebaut ist, war eine ehemalige Wassermühle des Gutes Lethe, die früher bei Anlage der Rieselwiesen angekauft worden war. Dort wurde die Lethe zum sogen. Feldmühlenteich angestaut und von dort aus der oben erwähnte Zuleiter abgezweigt. Bei allen diesen Vorarbeiten war außer dem Ld. Ök. Rat Heumann und seinem Mitarbeiter Dr. Hillmann auch der ORR. Gramberg maßgeblich beteiligt, der der landwirtschaftliche Referent im Oldenburger Ministerium war. Ferner hat noch eine weitere Anzahl von Mitarbeitern mitgewirkt, von denen ich hier noch den Forstkandidaten Kröger, den Forstassessor Ruhstrat und den Vermessungsinspektor Treiß neben 2 auswärtigen Beratern, dem Fischmeister Riggert aus Osede und später dem Wanderlehrer für Fischerei Giesecke von der LWK Hannover nennen möchte. Die Beteiligten waren sich darüber einig, daß der Betrieb zunächst in Selbstbewirtschaftung genommen werden sollte. Später solle evtl. auch an eine Verpachtung gedacht werden. Auf jeden Fall war man sich aber darüber einig, daß man für das Werk eine ständige Persönlichkeit brauche, die die ganze Arbeit örtlich leisten mußte. Diese Kraft wurde in der Person des Herrn Julius Keimer gefunden, der damals beim LKF tätig war. Keimer hat dann seine ganze Arbeitskraft dem weiteren Ausbau der Teichwirtschaft gewidmet, sodaß man sagen kann, daß die jetzige Teichwirtschaft im wahrsten Sinne sein Lebenswerk geworden ist. Keimer, der im Jahre 1954 verstorben ist, nach dem er die Teichwirtschaft als Fischereidirektor noch bis zu seinem 69. Lebensjahr geleitet hatte, war ein großer Naturfreund und Jäger und ging ganz in seinem Werk auf. Sicherlich ist er in seinen Prognosen bezüglich der künftigen Rentabilität der Teichwirtschaft vielfach reichlich optimistisch gewesen und vielleicht ist er mit seinen Plänen auch gelegentlich über das Ziel hinausgeschossen, aber sicher ist auch, daß das Werk, das vielfach angefeindet wurde und das in späteren Jahren auch einer sehr scharfen Krifik des Oldenburger Landtags unterzogen wurde, ganz zum Erliegen gekommen wäre, wenn Keimer es nicht immer wieder verstanden hätte, maßgebliche Persönlichkeiten für seine Ideen zu gewinnen und einzuspannen. Die Leitung des LKF übernahm später nach dem Ausscheiden des Ld. Ok. R. Heumann Herr Reg. R. Prof. Buhlert, der leider im ersten Weltkrieg gefallen ist. Buhlert war ein sehr weitschauender Mann, der auch einen klaren Blick für das wirklich erreichbare und technisch Mögliche hatte, und gab durch seine kluge Leitung sicherlich den manchmal zu weitreichenden Plänen Keimers die richtige Abgrenzung. Er war ein eifriger Förderer der Teichwirtschaft, während sein Mitarbeiter Glas dem Unternehmen nicht immer ganz gewogen war. Bei den ständigen Beanstandungen des Landtags, der eine höhere Rentabilität gewahrt wissen wollte, hat Glas ernstlich den Verkauf der gesamten Teichwirtschaft beantragt und betrieben. Nachdem die vorerwähnten Anlagen in der Haler Mark, also Rüdersee, Rieselwiesen und Schwarzmoor in ordnungsmäßigen Betrieb genommen waren, hat der Land tag 1906 die nötigen Gelder bereitgestellt, um weiteres Gelände anzukaufen und die Teichwirtschaft ganz wesentlich zu erweitern. Dabei und auch in den späteren Jahren hat sich der ehemalige Landtagspräsident Schröder als aufrichtiger Förderer der Teichwirtschaft erwiesen und sich stets für die Bereitstellung der angeforderten Geldmittel eingesetzt. Für den Ankauf weiteren Geländes ergaben sich noch große Möglichkeiten. Östlich und nördlich der Lethe lagen noch rd.300 ha ungenutzte Heideflächen. Es war ein hügeliges Gelände mit ausgewehten Niederungen und aufgewehten Wehsanddünen. Bei Besichtigung dieses Geländes hat ein früherer Landtagsabgeordneter, Herr Hollmann, Geveshausen, einmal die Worte ausgerufen: "Diesen Boden hat unser Herrgott einst in seinem Zorn erschaffen". Von diesen Flächen erwarb sich der Staat zunächst etwa 200 ha zum Preise von 70 Mark pro ha, weil man erkannte, daß die flachen Mulden der ausgewehten Niederungen sich vorzüglich zur Anlage von Fischteichen eigneten, während das Gelände sonst zu anderer landwirtschaftlicher Nutzung keineswegs geeignet war; es diente lediglich zur Schafweide, war überwiegend mit Heide und mit einzelnen Eichenstühbüschen bedeckt und wurde bei trockenen Winden, wenn der Wehsand in Bewegung kam, durch große Staubwolken überweht. Von diesem Urzustand sieht man heute nichts mehr. Durch die Anlage der Teiche hat sich der Wasserhaushalt des sonst sehr armen Bodens wesentlich verbessert. Infolge dessen ist eine üppige Bereicherung der Fauna und der Flora eingetreten, sodaß ein wahres landschaftliches Paradies entstanden ist. Hierzu hat besonders beigetragen, daß Keimer außer der Anlage der Teiche es auch verstanden hat, das zwischen den Teichen liegengebliebene Dünengelände aufzuforsten und hier sehr gutwüchsige Waldbestände zu schaffen, sodaß jetzt alle Teiche vom Wald umgeben sind und wie natürliche Waldseen wirken. Bei dem geringen Boden kam für die Aufforstung in erster Linie die Kiefer in Betracht, die dort jetzt einen recht guten Wuchs zeigt. Es ist Keimer aber auch besonders hoch anzurechnen, daß er überall die vorhandenen alten Stockausschläge, die sogen. Stühbüsche oder Eichenkratthölzer stehengelassen hat, sodaß wir auch jetzt noch überall in den Nadelwäldern diese Laubholzinseln vorfinden. Ferner hat er den Kieferkulturen auch je nach Standort, Fichte, Sitkafichte und Lärche beigemischt und endlich auch Pappeln und Roteichen angebaut, sodaß ein buntes vielseitiges Bild entstanden ist, das auch unseren heutigen modernen Anforderungen in jeder Weise standhält. Doch nun noch einmal zurück zum weiteren Ausbau der Teichwirtschaft. Nachdem das oben beschriebene Gelände angekauft war, wurde zunächst der zu den Rieselwiesen führende Zuleiter nördlich des Rüdersees abzweigt, zur Lethe geführt und bei dem scharfen Letheknick mittels eines Dükers unter dem Flußbett hindurchgeführt. Diese Arbeit wurde durch den jetzt noch in Oldenburg in Ruhestand lebenden Ök. Ob. Inspektor Behrens ausgeführt. Die Lethe fließt dort wesentlich tiefer, sodaß der Zuleiter durch das starke Gefälle, das er durch den Düker erhält, das Wasser auf dem jenseitigen Letheufer wieder auf das Niveau des dortigen Geländes bringt und von dort aus mit schwachem Gefälle weiterfließt. Von diesem Zuleiter aus wurden nun die nördlich der Lethe neu angelegten Teiche bewässert. Diese Wasserführung hat sich bis zum heutigen Tage so gut bewährt, daß das dort vorsorglich errichtete Pumpenhäuschen, das mit Hilfe eines Motors in Notzeiten zusätzlich Wasser für die oberen Teiche herauf pumpen sollte, bisher nur in Ausnahmefällen in Tätigkeit zu treten brauchte. Unterhalb der Feldmühle im Lethetal liegen noch zwei weitere Stauanlagen. Die erste dient zur Speisung der sogen. Forellenteiche, die jetzt aber nicht mehr mit Forellen besetzt werden, sondern auch der Karpfenzucht zugeführt sind, nachdem eine im Jahre 1926 angelegte Forellenzuchtanstalt später wieder aufgegeben worden ist. In der zweiten Stauanlage wird das Wasser zu der in den Jahren 1911 - 1914 ausgebauten rd. 14ha großen Lethetalsperre angestaut und zur Speisung der in der westlichen und nördlichen Sager Heide liegenden Teiche verwandt. Der entsprechende Zuleiter verläßt die Talsperre an dem Stau südlich der 12 Apostelsteine und umfaßt von Süden her den Teichkomplex rund um das Blockhaus Ahlhorn. So entstand im Laufe der Zeit ein Teich nach dem anderen bis hinauf zu dem nördlichsten Teich 38, der westlich des Flugplatzes Bissel bei der Baracke Troschel gelegen ist. Die Nivelements in der Sager Heide sind durch Herrn Ökonomieamtmann Ahrens durchgeführt, der von der Gründung der Teichwirtschaft an mitgearbeitet hat und ebenfalls noch in Oldenburg in Ruhestand lebt. Die gesamten Erdbewegungen, die für die Anlage der Zuleiter und die Errichtung der Teichdämme erforderlich waren, sind s. Zt. durch Handarbeit ausgeführt. Der Tagelohn betrug in der ersten Zeit nur 2,50 Mark, wobei noch sehr weite Anmärsche in Kauf genommen werden mußten. Später ist Keimer dann überwiegend zum Einsatz von Strafgefangenen aus Vechta übergegangen, die in einem Gebäude der Teichwirtschaft stationiert wurden. Der Platz, auf dem das heutige Blockhaus steht, hat damals den Namen "Buhlertsberg" erhalten. Der dem Blockhaus vorgelagerte zum Baden und Rudern freigegebene Teich ist nach der leider im Jahre 1958 verstorbenen Frau Keimer "Helenensee" getauft, und der gegenüberliegende mit Kiefern bestandene Höhenzug heißt "Cassebohms Höhe". Im ganzen umfaßt die Teichwirtschaft jetzt außer der Talsperre über 40 Teiche mit einer Wasserfläche von 182 ha. Daneben sind noch 40 ha Äcker und 30 ha Grünländereien vorhanden, die zum Teil verpachtet sind, zum größeren Teil aber von der Teichwirtschaft selbst bewirtschaftet werden. Seit 1933 ist die Teichwirtschaft als selbständiger Betrieb der Forstverwatung unterstellt, wobei die Forstflächen ganz dem Forstamt Ahlhorn zugefallen sind. Über den Betrieb der Teichwirtschaft ist zu sagen, daß die Teiche nicht nur eine sorgfältige Pflege durch Schilfmähen und sachgemäße Regulierung des Wasserstandes mit Hilfe der sogen. Mönche, sondern auch eine jährliche Düngung erfordern. Von der früher gebräuchlichen Düngung des Teichbodens mit organischen und mineralischen Stoffen in Verbindung mit landwirtschaftlicher Zwischennutzung und von dem späteren Übergang zum Düngen des Wassers mit Stalldünger - ein alter Schweinestall von der damals eingerichteten Schweinemästerei ist jetzt noch in der Nähe des Teicharbeitergehöftes Stratmann vorhanden - ist man heute auf Grund neuerer Erkenntnisse ganz abgekommen und düngt jetzt nur noch mit Kunstdünger. Zur Verwendung kommen Kalk, Phosphorsäure, Kali und auch Spurenelemente. Eine Bearbeitung des Teichbodens findet nur in Ausnahmefällen bei stark versauerten Teichen statt, da sich sonst ein Auflockern der gebildeten Schlammschicht schädlich auswirkt. Die Teiche werden jährlich im Herbst abgelassen und zum Frühjahr wieder "bespannt". Sie gliedern sich in Laich-, Brut-, Vorstreck-, Abwachs- und Winterteiche. Ferner gibt es noch Hälterteiche, in denen die Fische nach dem Abfischen bis zum Verkauf gehältert werden. Gezogen werden in erster Linie Karpfen und Schleie vom Ei bis zum Speisefisch, daneben auch Zander, letztere überwiegend als Satzfische für Fischereivereine. Da das Wasser der Lethe nicht sehr nährstoffreich ist, muß in jedem Teich zwei bis dreimal wöchentlich nach einem genauen Plan gefüttert werden. Zur Verwendung kommen Lupine, Sojaschrot, Getreide u. dergl. Wenn die Karpfen "3-sömmerig" sind, sind sie vollwertige Speisefische und werden zu Weihnachten in großen Ladungen verkauft. Der jährliche Ertrag beträgt 500 - 750 Zentner. Für alle diese Arbeiten stehen 6 ständige Teicharbeiter zur Verfügung, die größtenteils in den eigenen Gebäuden der Teichwirtschaft wohnen. Von den alten Veteranen, die seit der Begründung der Teichwirtschaft mitgearbeitet haben (als Gründungsjahr gilt das Jahr 1906), sind noch der alte Fischmeister Bernhard Thien und der alte Gespannführer Jos. Janzen vorhanden, die beide mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet sind. Nach der Pensionierung des Fischereidirektors Keimer im Jahre 1947 wurde die Leitung des Betriebes von Herrn Willhelm Mrosk übernommen, der es mit großer Sachkenntnis und ungewöhnlicher Arbeitskraft verstanden hat, die Teichwirtschaft, der es in den Kriegs- und Nachkriegszeit sehr an Arbeitskräften und Geldmitteln gefehlt hatte, wieder in die Höhe zu bringen und rentabel zu machen, sodaß sie jetzt jährlich einen sehr befriedigenden Überschuß abwirft. Ein solcher Betrieb kann in Notzeiten sehr rasch verfallen, zumal die Teiche bei nicht genügender Pflege überraschend schnell versumpfen und verkommen. In dieser Lage bewährte sich Herr Mrosk als der richtige Mann am rechten Platz, und es war eine große Tragik, daß er im Jahre 1958 auf der Höhe seiner Schaffenskraft im Alter von nur 52 Jahren einer tückischen Lungenkrankheit erlag. Neben den Verdiensten Keimers werden auch die seinigen stets unvergessen bleiben. - Seit dem 1.11.1958 ist die Leitung nunmehr von Herrn Fischereiverwalter Willy Neudecker übernommen, der sich als guter Nachbar des Blockhauses eingeführt hat und das Werk seiner Vorgänger fortführen wird. |
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