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Im LethetalHauptlehrer a. D. Hibbeler, Ahlhorn / LetheNachdem wir in den beiden letzten Blockhausbriefen Lebensbilder der Heide zeichneten, wenden wir uns heute dem Gebiet zu, aus dem die vielen Teiche ihr Frischwasser beziehen. Aus Zuleitern ergießt sich überall stark strömendes Wasser in die Teiche, um das versickerte, verbrauchte zu ersetzen. Es wird durch Stauwerke der Lethe entnommen. Der Name Lethe ist aus Lith entstanden, einer heimischen Bezeichnung für hohes, bewaldetes Flußufer, hat also nichts mit dem gleichnamigen "Trunk der Vergessenheit" aus der griechischen Mythologie zu tun. Ihre Quellen hat sie in der Garther Heide, südlich der Bahn Ahlhorn - Cloppenburg. Beim Mühlenteich von Gut Lethe fließt der Grenzbach aus dem Langen Moor hinzu. Der Damm dieses Teiches hat vorwiegend die Aufgabe, Wasserreserven für die Fischteiche aufzuspeichern. Bei der Feldmühle wird das Lethewasser nochmals aufgestaut. Aus diesem Teich strömt fast alles zufließende Wasser in einen Kanal (Hauptzuleiter). Dieser begleitet den nordwärts führen den Weg an der linken Seite, wendet sich den Anlagen im Halener Moor und dann nordöstlich auf einem hohen Damm der Sager Heide zu. Durch verbundene Röhren (Düker) gelangt sein Wasser in die Zuleiter zwischen den Teichen des östlichen Teils der gesamten Anlage. Nachdem aus dem Feldmühlenteich die Hauptwassermassen abgeflossen sind, bekommt die Lethe aus den beiderseitigen Ufern soviel Sickerwasser, daß sie schon bald wieder gestaut werden kann. Das geschieht bei den sog. Forellenteichen. Auch diese Stauanlage hat nur den Zweck, bei Trockenzeiten Wasser für die Fischteiche in Reserve zu haben. Die Lethe trifft schon bald auf einen weiteren Damm, der neuerdings erhöht und mit einem den Wasser stand regulierenden Durchlaß versehen wurde. Über ihn führt der Weg zum Feldmühlenholz und weiter zum Bahnhof Ahlhorn. Vor der hohen Sager Heide beim Düker wendet sich die Lethe westwärts zum großen Staudamm (Talsperre), über den die südliche Zuwegung zu den Fischteichanlagen und dem Blockhaus führt. Das Lethetal wird zu einem langgestreckten See. Hinter dem Damm rieselt die Lethe als Bächlein in einem tiefen, breiten Flußtal weiter westwärts. Aus dem Stausee fließt das Wasser direkt in einen Zuleiter. Dieser führt an den "13 Aposteln" vorbei, wendet sich dann westwärts und versorgt die großen Teiche in der Nähe und nördlich des Blockhauses. Die Lethe nimmt wieder Sickerwasser auf, nun auch von der Teichanlage her, dazu den Abfluß aus dem Halener Moor. Beim "Katzenkopf" wendet sie sich nach Norden, wird begleitet von Niederungswiesen und einem hohen Ufer, treibt Wassermühlen und berieselt Wiesen ,bis sie südlich von Oldenburg von der Hunte aufgenommen wird. Das Lethetal mit seinen vielen Stauseen, mit den mit Wacholderbüschen, Wetterfuhren und kurzstämmige Eichen bewachsenen hohen Ufern und den angrenzenden Naturseen bieten dem Naturfreund außerordentlich viele reizende Landschaftsbilder. Der Staat hat dieses Gebiet unter Landschaftsschutz gestellt und will, daß es der Willkür, der nur auf wirtschaftlichen Nutzen bedachten Menschen entzogen wird. Beginnen wir mit der Betrachtung beim Feldmühlenteich. Die ehemals hier gestandene Wassermühle ist bis auf kleine Mauerreste verschwunden. In und an dem Teich gedeiht eine üppige Pflanzengemeinschaft. Zwischen hohen Rohrkolben (Lampenputzer) stehen gelbe Schwertlilien, der giftige Wasserschierling, das dunkelrote Blutauge, Wasserampfer, Laichkraut u. a. Erlen, Pappeln, Weiden, Faulbeeren und Wacholder säumen ihn ein. Viele Entenarten, darunter die halb wilden Hochbrutenten des Försters, Teichhühner, Rohrsänger, Schwirrl u. a. kann man sehen und hören. - Einige hundert Meter westwärts im Forst entdecken wir zwischen hohen, mit Fuhren und Bergkiefern bepflanzten Dünen den großen und kleinen Dianasee. Beide haben keinen offenen Zu- und Abfluß, sind stark versandet, eignen sich nicht als Fischteiche und des Schlammes wegen wenig zum Baden. Hier treffen wir neben Entenarten den mittleren Taucher als Brutvogel an. Die Dünen haben hier noch ihre von Westwinden gestalteten Formen, sind mit Flechten, Moosen, Krons- und Blaubeeren bedeckt und geben einen herrlichen Rastplatz. Auf und zwischen dem Moos des kleinen Dianasees blühen im Mai Rosmarinheide (Andromeda genannt) und die zierliche Moosbeere und im flachen Wasser der Bitterklee - auch Biberklee genannt - mit hyazinthenähnlichen Blütenständen. - Die aufgegebenen Forellenteiche, ihre Dämme und Zuggräben haben sich mit einem fast undurchdringlichem Gestrüpp aus Brom und Himbeeren, Weiden, Erlen, Faulbeeren und hohen Gräsern bedeckt. Hier haben viele kleine Freibrüter eine gute Nistgelegenheit. Am Bach scheint auch der Eisvogel seine Bruthöhle zu haben. Wir konnten ihn oft beim Fischen beobachten und sahen ihn wie einen grün und rotblitzenden Funken abfliegen. - Weiter nördlich kommen wir zu dem Rüdersee, der als Fischteich genutzt wird. Sein Wasser bekommt er vom Zuleiter und der Abfluß führt zur Lethe. Auch dieser kleine See ist ganz von Wald eingerahmt. An dem Weg davor entdeckten wir eine Kreuzung zwischen Blau- und Kronsbeere. Sie hat sich dort durch Ausläufer stark ausgebreitet. Rechts vom Wege dem Lethetal zu gelangt man durch meterhohen Adlerfarn zu einer Letheschleife, die bei der Begradigung stillgelegt wurde. Wachsende Torfmoose, der Erlenbruchwald und seine Begleitpflanzen zeigen uns, wie Niederungsmoore entstehen. Über dunklem Wasser schweben im Mai die rosafarbenen Blütenstände der Sumpfprimel (Hottonia). Erlen, Weiden und Faulbeersträucher sind mit Flechten behangen, einige von Geiß blattranken umwickelt und eingeschnürt. Büsche des duftenden Gagelstrauches säumen die Ufer. An den vielen Reh- und Hirschspuren erkennen wir, daß dieses Wild hier oft zur Tränke kommt. Der ruhige Beobachter kann an diesem versteckten Winkel all das erleben, was Hermann Löns in seinem Buch "In Bruch und Moor" beschreibt. - Wir versuchen nun, um den Rüdersee herum an den Hauptzuleiter zu kommen und sehen vor uns die mit Dämmen durchzogenen Anlagen des Halener Moores. Hier befanden sich die zuerst angelegten Fischteiche unseres Gebietes; sie wurden später aufgegeben und werden größtenteils als Wiesen und Weiden genutzt. Die vielen hundert Apfelbäume auf den Dämmen bringen kaum einen Ertrag, scheinbar fehlt es an Bienen; Nachtfröste während der Blütezeit treten oft auf und eine richtige Zusammenstellung der Sorten ist wohl nicht erfolgt. Nur die flachen Laichteiche in der Nordostecke stehen noch in Beziehung zur Fischwirtschaft. Für die Naturfreunde aber ist hier ein herrliches Beobachtungsgebiet, besonders das der Vogelwelt. Hier trifft man stets Fischreiher und viele Enten, im Durchzuge sogar Kraniche, Schwäne, Gänse und viele nordische Entenarten. Nicht nur Bussarde und Habichte, sondern auch Fischadler und Wanderfalken ziehen ihre Kreise. Dort rüttelt ein Turmfalk und in schnellem Fluge segeln Weihen über das Gelände. Abends und morgens treten Rehe und Hirsche aus dem Forst auf die Wiesen. Manch mal gelingt es, einen Dachs oder Fuchs beim Mausen oder beim Ausscharren von Wespen- und Hummelnestern zu beobachten. Durch das Quaken der vielen Tausend Wasserfrösche klingt am Abend der Ruf des Waldkauzes und das Schnarren der Wiesenralle, im Frühjahr auch der Balzruf der Waldschnepfe. Die Sumpfschnepfe läßt sich oft sehen. Wenn sie auf einem Pfahl sitzt, ahmt sie das "Tick-Tack" einer Wanduhr nach, beim Fliegen das Meckern einer jungen Ziege, darum nennen die Leute sie auch Himmelsziege. - Eine reiche Blütenpracht entwickelt sich auch auf und an dem großen Stausee zwischen der Talsperre und dem Dammweg am Feldmühlenholz. Große Flächen davon bedecken sich im Mai mit den weißen, sonnenwendigen Blüten des Wasserhahnenfuß, dazwischen stehen vereinzelt die zarten Blütenstände der Sumpfprimel. In der Nähe der Nordwestecke des Feldmühlenholzes blüht die Sumpfkalla in großer Zahl. Pfeilkraut und Froschlöffel verdanken ihren Namen der Blattform. Wenn dann noch Stock oder Krickenten mit ihren Kücklein wie ein Schlepper mit vielen Lastkähnen vorbeiziehen, erleben wir die Wunder der Schöpfung. Wie wenige Menschen finden heute noch Zeit und Geduld, die innigen Freuden zu suchen, die das Betrachten einer schönen Landschaft mit all ihren Lebewesen gibt! Möge mein Beitrag den einen oder den anderen da für gewinnen. |
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