|
||
|
|
Gemeinschaft im BlockhausOberkirchenrat Dr. H. SchmidtAm 7. April 1959 wurde durch eine Sitzung der Kreispfarrer das neue Gästehaus in schlichter Weise in Gebrauch genommen. Bischof D. Jacobi vollzog diese Ingebrauchnahme durch eine festliche Ansprache. Zehn dieser Räume in dem neuen Haus sollen die Namen unserer Kirchenkreise tragen, die zu der Einrichtung der Zimmer beigetragen haben. Ein Gang durch das Haus zeigte, wie schlicht, geschmackvoll und gemütlich die einzelnen Zimmer eingerichtet sind. Daß wir auf eine größere Einweihungsfestlichkeit verzichtet haben bei diesem immerhin gar nicht so kleinen Bau, hängt auch damit zusammen, daß wir der Meinung sind, dieser Bau soll sich, wie das schon in der äußeren Holzverschalung sichtbar wird, in das Gesamtgefüge des Blockhauses einordnen; er soll dieses Gefüge nicht sprengen, und das heißt mit anderen Worten: Das Blockhaus Ahlhorn soll nach wie vor in allererster Linie der Jugend zur Verfügung stehen. Daß diese Stätte zwischen Wald und Teichen nun doch im Laufe der Jahre außer den Jugendgruppen und Schulklassen nicht nur Studenten, Vikare, junge Lehrer, sondern auch Ältere angezogen hat, so daß die verschiedensten Rüstzeiten bis hin zu Akademietagungen dort stattfanden, hat sicherlich seinen Grund in der herrlich abgeschiedenen Lage dieses Hauses. Dort kann man - fern von allen täglichen Geschäften - wirklich in einem Kreis von Menschen beieinander sein, dort wird man zu Gesprächen geradezu zusammengeführt. So hat es die Jugend im Laufe der Jahre - wahrscheinlich nicht immer mit Freude - erleben müssen, daß sie dort nicht nur ihresgleichen traf. Aber das ist, meine ich, gerade das Wertvolle an unserem Blockhaus, daß es eine Stätte der Begegnung nicht nur verschiedenster Altersstufen ist. Die Erwachsenen sollen erleben, daß sich die Jugend dort rüstet in ernstem Gespräch, im Wald sich spielend und singend tummelt, und die Jugend soll wissen, daß dieses Haus für alle Generationen eine Stätte ernster Arbeit, eine Stätte immer erneuter Begegnung mit dem Gotteswort in allen Schichten und Altersstufen der Menschen zu sein hat. Es soll die dauernde Erinnerung daran wachgerufen werden, daß die Gemeinde Jesu Christi, wie sie sich im Gottesdienst versammelt, aus Menschen aller Altersstufen besteht. Und es wäre schön, wenn es ab und zu einmal gelingen würde, eine Gruppe Jugendlicher mit einer Tagungsgemeinschaft Älterer zusammenzubringen zu mannigfaltigen Fragen und Antworten. Hier könnte dann das Modell einer echten Gemeindeversammlung entstehen, wie wir sie uns in den Gemeinden neben dem Gottesdienst so sehr wünschen. - Die Stätte aber soll das schlichte Blockhaus bleiben, wie es schon in dem Baustil zum Ausdruck kommt. Wir wollen kein vornehmes Hotel, aber wir möchten auch die Behaglichkeit, die für eine wirkliche Gemeinschaft und eine ernsthafte Arbeit unerläßlich ist. Der Heimleiter, der den inneren Ausbau und den Neubau mit immer erneuter Initiative begleitet hat, wird durch die Erweiterung des Menschenkreises vor immer neue und nicht ganz leichte Aufgaben gestellt. Denn alle, die dorthin kommen, wollen ihrer Eigenart entsprechend begrüßt und aufgenommen werden. Er muß mit seiner Frau gleichsam Elternstelle vertreten, nicht nur an der Jugend, sondern an allen, die dort aus und ein gehen, und je mehr das geschieht, desto mehr wird dieser Ort ein wirkliches Heim werden für alle, die dort aus und ein gehen. Es wird sich erweisen, daß die Erweiterung des Blockhauses um einen Neubau nicht nur mehr Zimmer schafft, mehr Möglichkeiten zum Nachtquartier, sondern daß mit einem solchen Neubau auch die Aufgabe wachsen, die unser Blockhaus zu erfüllen hat. Es mag mancher fragen: Wie ist das möglich, so viele verschiedene Menschen unter einem Dach unterzubringen, ohne daß sie sich stören, dauernd beeinträchtigen, sich durch die anderen geärgert fühlen? Nun, die Weiträumigkeit des Geländes trägt schon erheblich dazu bei, daß wir uns nicht gegenseitig auf die Füße treten, aber ich glaube, wir müssen ganz bewußt, alle einzeln, die Jungen und die Alten, uns dazu rufen lassen, als jeweils anders zusammengesetzte Gastgemeinschaft in diesem Hause bewußt miteinander zu leben. Das wird umso mehr geschehen können, als wir uns klar machen, daß es letztlich für alle Menschen und alle Generationen, die im Blockhaus weilen, um das Eine geht: Unter der Botschaft der Heiligen Schrift unser Menschsein, unser Miteinandersein in dieser unserer modernen Welt zu finden und zu vertiefen. |
|
| zurück zum Seitenanfang | ||