Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1958: Blockhausbrief Nr. 3

Inhalt:

Titelseite
aus: "Jungenwacht" v. Ernst Lange
Zum Geleit
Das Blockhaus, eine Gemeindesache
Mensch und Landschaft
Blütenpracht auf Dünensand
Die Apostelsteine - Kalendersteine der Vorzeit
Mission in Deutschland
Kurzbeiträge der Gäste zwischen dem 1. Dezember 1957 und 1. Oktober 1958
 

Mensch und Landschaft

Dr. Werner Schulte, Studienrat, Gymnasium Neheim-Hüsten

Lebenshilfen für den Menschen zu bieten, das scheint uns die Aufgabe der Erziehung zu sein. Zu den lebensformenden Kräften gehörten seit je Landschaft und Umwelt; in sie war der Mensch organisch eingefügt; sie stellten Aufgaben, von deren Lösung die Existenzsicherheit abhing; sie wiesen den Menschen darüber hinaus auf die Schöpfung und den Schöpfer hin und weiteten damit den Lebensraum über das rational Erfaßbare und vom Menschen Machbare hinaus. Seitdem der Mensch aber in immer stärkerem Maße die Naturkräfte beherrscht und alles nach seinen Gesetzen verwandelt, droht an die Stelle dieses Spannungsfeldes ein Organisationsdenken und daraus erwachsendes Gebilde ohne Transzendenzbezug zu treten.

Dieser Zug ist in einer aufblühenden Industrie- und Handelsstadt wie Neheim-Hüsten stark spürbar, weil hier beide Lebenserfahrungen noch eng beieinander liegen: die vielgesichtige Landschaft des Sauerlandes und ein verstädterndes Leben. Sieht man den Aufenthalt im Blockhaus Ahlhorn unter diesen Gesichtspunkten, so bietet er besonders für die Primen nicht nur eine Ausweitung des Erfahrungsbereiches, sondern er lädt zur Sammlung und Besinnung ein, in der die Anlagen sich entfalten können, auf die Ein menschliches Miteinander angewiesen ist. Die Natur und die Spuren der Geschichte wirken hier noch eigengesetzlich und lebensmächtig, die Seen und Wälder, die Moore und die Kulturlandschaft des arbeitenden Bauern, die Steinzeitgräber, das Museumsdorf in Cloppenburg und die Bauernhöfe, sie fordern Stille und Achtung, aus der die Ehrfurcht vor Baum, Strauch, Tier und Mensch, vor dem Leben, als Grundlage der Kultur erwachsen kann. Das alles ist nicht zu lehren, dem muß man Raum lassen, damit das Samenkorn der Freiheit in dieser Bindung zu seiner Zeit aufgeht.

Wir müssen warten können und den angedeuteten Kräften vertrauen, wir sollten aber trotzdem nicht verkennen, daß Menschen auch diesen Raum um das Blockhaus Ahlhorn erst bereiten mußten und daß es vielleicht die größte und schwierigste Aufgabe ist, ihn so zu erhalten, daß er weder uniform noch museal wird, sondern in die Gegenwart und für die Zukunft Lebenskräfte ausstrahlt. Und es bedarf der Arbeit weitherziger und aufgeschlossener Menschen. Daß wir beidem hier in Ahlhorn stets begegnet sind, das verbindet das Gymnasium Neheim-Hüsten mit dem Blockhaus Ahlhorn und seinen Bewohnern in Dankbarkeit.

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