|
||
|
|
[Titelinnenseite]Um das Unscheinbare zu lieben, wird man sehr jung und doch naiv über den Zenit der Eitelkeit hinaus sein müssen. Das Kind, das nicht mehr ein Holzscheit für eine Puppe nimmt, und der Mann, der sich noch immer in Positur setzen muß, weil ihm an einem Verdienstkreuz gelegen ist, sie werden für die Schweigsamkeit des Unscheinbaren, die Sören Kierkegaard die Häuslichkeit der Ewigkeit nannte, kein Gehör haben. Die Tätigen werden die Erde beherrschen, bis die von Jesus den Friedfertigen gegebene Verheißung sich erfüllt. Aber es müßten nicht wie heute die in einem bestimmten, uns gering erscheinenden Sinne Tätigen sein. Wir sind gebannt von den Demonstrationen, die sich die politisch, wirtschaftlich und "kulturell" Mächtigen gegenseitig erteilen. Was auf Menschen wirkt, halten wir für das Wirksame. Aber das in Wahrheit und darum in die Wahrheit Wirksame gehört einer an deren Dimension zu. Wahrheit und Wert sind mehr als Größen der Beziehung zwischen den Menschen, also der Perspektive und des Scheins. Die Wahrheit eines Menschen und eines geschaffenen Dinges ist, abgelöst von allem Schein, bei Gott aufgehoben. "Die Lilie, die ein Lehrmeister ist", schreibt derselbe Kierkegaard, "ist tiefsinnig. Sie läßt sich gar nicht mit dir ein, sie schweigt und will durch ihr Schweigen an deuten, daß du vor Gott stehst." Eine gottlose Welt kann das Unscheinbare nicht erkennen. Denn worauf anders hin als auf das Wissen eines allwissend, allerbarmend Allgewaltigen hin könnte ein Mensch, ein Werk oder Ding unscheinbar sein wollen und den Mantel der Geltung und den Schein des Ansehens ablegen? Die gute Tat im Verborgenen ist die Krone aller Taten. Von ihr, der unscheinbaren, lebt die Welt entgegen allem Schein. Johann Christoph Hampe |
|
| zurück zum Seitenanfang | ||