Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)Dezember 1957: Blockhausbrief Nr. 2

Inhalt:

Titel
"Um das Unscheinbare zu lieben...", ein Text von Johann Christoph Hampe
Verehrte Freunde!
Blockhaus Ahlhorn oder Die Macht der Verwandlung
Wir lesen im Gesicht einer Landschaft
Sie kamen nur einen Sommer
Rückblick auf die Arbeit vom 1. Mai bis 30. Novb. 1957 (Kurzberichte)
Jugenderholungs-Maßnahme 1957... (Auszüge aus einem Bericht)
Konfirmandenfreizeit im Blockhaus Ahlhorn
Bergwerkslehrlinge im Blockhaus
Blockhaus 1957 - Rückblick einer Gemeindehelferin
Neubau des Personal- und Gästehauses
 

Blockhaus 1957
Rückblick einer Gemeindehelferin

U. Bussemer

Im zu Ende gehenden Jahr weilen die Gedanken noch einmal bei den Tagen und Stunden, die ich im Blockhaus Ahlhorn verbracht habe.

Da waren Tage voller Verantwortung: z. B. die Konfirmandenfreizeiten, in denen wir der Mädchenschar durch Bibelarbeiten und Gespräche ein wenig Hilfe geben wollten für ihr Leben als junge Christen.

Da gab es Wochenenden mit kleinen Gruppen, bei denen es uns vor allem um das "Sich-näher-kennenlernen" und die Gemeinschaft unseres Jugendkreises ging. Wir hatten kein großes Programm, sondern wir sangen, spielten, wanderten und hatten vor allem viel Zeit füreinander.

Aber auch zur eigenen Zurüstung und Erholung kamen wir ins Blockhaus. Welch ein herrliches Gefühl ist das, einmal nur zuhören zu können, nicht mit anderen Lieder einzuüben, sondern einfach mitsingen zu dürfen, oder morgens geweckt zu werden, anstatt seine eigene Schar "aus den Federn zu werfen".

Zu allen Jahreszeiten und Witterungen habe ich das Blockhaus erlebt und immer wieder erschien mir das Altvertraute neu und immer wieder schön. Selbst strömender Regen - von der ersten bis zur letzten Minute - konnte uns nicht "kleinkriegen". Das geplante Botschaftenspiel fiel deshalb nicht ins Wasser, sondern ging über Treppen und Flure, durch Schlaf und Tagesräume.

Unvergeßlich war die Silvesternacht am Lagerfeuer. Es war nicht leicht, bei Schnee und Eis trockenes Holz zu finden und es anzubrennen. Bei lodernder Flamme sangen wir in das neue Jahr hinein:

"Wir jungen Christen tragen ins dunkle deutsche Land ein Licht den schweren Tagen als Fackel in der Hand. Wir wollen Königsboten sein des Herren Jesu Christ; der frohen Botschaft heller Schein uns Weg und Auftrag ist."

Schon wenige Tage später war der Schnee zerschmolzen und wir machten lange Spaziergänge durch die abgelassenen und ausgetrockneten Teiche. Und dann kam der Frühling. Wer nur eben einen Kahn erwischen konnte ruderte auf den See, lag still in einer Bucht und ließ sich von der Sonne bescheinen, oder sang Frühlingslieder über das Wasser. Immer wieder aber klangen die verschwommenen Klänge des Ahlhorn-Kanons ans Ufer:

"Gottes sind Wogen und Wind..."

In des Sommers Hitze diente der Teich der eigenen Abkühlung. Besonderen Spaß machte das - trotz Verbotsschild - kurz vor'm Schlafengehen beim Mondenschein. Weit klang dann das Gejuche der Wasserschlachten in den sonst so stillen Abend.

Als ich das letzte Mal im Blockhaus war, hatten die Bäume ihren herbstlichen Schmuck schon verloren und bei dem Weg von der Jungenburg zum Blockhaus raschelte das Laub unter unseren Füßen. Dieses Mal fanden wir kaum Zeit zu längeren Spaziergängen, so eifrig wurde diskutiert. Lange noch brannte im Kamin immer das Licht und wir versuchten im Gespräch eine Antwort und einen Weg zu finden, wie wir die heutige Jugend recht verstehen und ihr auf dem Weg durch die heutige Welt helfen können.

Das Blockhaus liegt in dieser Welt wie in einer Insel, auf der man ausruhen, zur Stille kommen und neue Kraft schöpfen kann. Es ist eine von den Inseln, wo uns Jungen und Alten "Segel und Steuer" gerichtet werden für unsere Lebensfahrt. Möge es noch vielen dazu helfen, "den Hafen zu gewinnen".

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