Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)Dezember 1957: Blockhausbrief Nr. 2

Inhalt:

Titel
"Um das Unscheinbare zu lieben...", ein Text von Johann Christoph Hampe
Verehrte Freunde!
Blockhaus Ahlhorn oder Die Macht der Verwandlung
Wir lesen im Gesicht einer Landschaft
Sie kamen nur einen Sommer
Rückblick auf die Arbeit vom 1. Mai bis 30. Novb. 1957 (Kurzberichte)
Jugenderholungs-Maßnahme 1957... (Auszüge aus einem Bericht)
Konfirmandenfreizeit im Blockhaus Ahlhorn
Bergwerkslehrlinge im Blockhaus
Blockhaus 1957 - Rückblick einer Gemeindehelferin
Neubau des Personal- und Gästehauses
 

Bergwerkslehrlinge im Blockhaus

J. Krix

Ein regenreicher Sommer ist zu Ende gegangen. Mancher Urlauber kehrte enttäuscht zurück. Unsere Jungen aber machten sich nichts aus dem schlechten Wetter. 696 waren es, die in dem Sommerhalbjahr Entspannung und Erholung suchten und fanden. 40 von ihnen fuhren zum Blockhaus Ahlhorn. Hier, in dieser herrlichen Landschaft, in der Oldenburger Heide, verlebten 40 Berg- und Handwerkerlehrlinge unseres Unternehmens ihren Erholungsurlaub. Einer der Begleiter, der Vorsitzende des Betriebsrates unserer Zeche Nordstern, Josef Krix, schreibt dazu:

"Am 19.August fuhren wir mit einem Autobus los, von Gelsenkirchen über Münster und Osnabrück zum Evangelischen Jugendheim in Ahlhorn, von dem wir zu diesem Zeitpunkt weiter nichts wußten, als daß wir dort erwartet wurden, und daß es recht einsam liegen sollte.

Da waren wir natürlich angenehm überrascht, als wir Fahnen und Wimpel zu unserem Empfang gehißt sahen, als wir mit freundlichen und herzlichen Worten willkommen geheißen wurden und ein erstklassiges Mittagessen selbst die Verwöhntesten versöhnte mit der Weltabgeschiedenheit, wo wir - gleich nach dem Mittagessen - feststellten, daß wir nicht mal Zelte aufzubauen hatten, daß diese vielmehr schon standen: Große Wohnzelte mit Holzfußböden und Holzwänden, mit fertigen Betten und elektrischem Licht. Dazu kamen noch Wasch- und Toilettenzelt, sogar mit Wasserspülung, und für regnerische Tage ein großes Spielzelt.

Jedes Zelt hatte seinen Namen. Dachsbau, Karnickelröhre, Fuchsbau, Fischadler, Reiherhorst - sie sagen schon, wo wir uns befanden:

Im Wald und am Wasser, beide gleichermaßen einladend für einen Spaziergang, für eine Kahnpartie mit den zur Verfügung stehenden Ruderbooten oder für ein erfrischendes Bad. Bei dem herrlichen Wetter war natürlich Wasser Trumpf, heftige Kämpfe entbrannten um die Boote, und argwöhnisch wurde darauf geachtet, daß die Zeiten eingehalten wurden - so aufmerksam gar, daß der erste Nachmittagskaffee glatt vergessen wurde.

Das war weiter nicht schlimm, denn zum Abendessen waren alle pünktlich zur Stelle, wobei man sich dann gleich davon überzeugen konnte, daß die Leitung des Heimes Ahlhorn, Rolf von der Dovenmühle und seine stets um uns besorgte Frau, auch angehende Bergleute zur vollsten Zufriedenheit zu versorgen wußten.

Nach diesem ersten und erlebnisreichen Tag war es verständlich, daß die so nötige Nachtruhe nicht schon gleich mit dem Zubettgehen eintrat. Da wurde noch lange geklönt, nur ganz allmählich erloschen die Lampen. Überall standen ja die Fragen an, was die nächsten Tage wohl bringen konnten. Ja, da gab es für jeden etwas: Waldläufe, Fußballspiele, Wanderungen durch die Heide, zur Fasanerie, Vorträge des Forstmeisters dieses herrlichen Fleckchens Erde, den man dort - nicht zu Unrecht - den "Wilhelm Busch des Waldes" nennt, weil er nicht nur Förster und Heger, sondern auch Dichter ist, der mit seinen Erzählungen uns alle zu begeistern wußte auch ohne daß er uns verraten hätte, daß er in seiner Jugend im Bergbau untertage gearbeitet hatte.

Mit laufenden Überraschungen vergingen die Tage. Langeweile? Nicht eine Minute. Es gab immer wieder Neues. Aber trotzdem gab es auch einen Höhepunkt. Und das war der Abschiedsabend, dessen Gestaltung durch eine Spende unseres Arbeitsdirektors Kirchberg, der uns einmal besuchte, den letzten Schliff bekommen konnte, und es uns - besser als gedacht - ermöglichte, durch eine Einladung all derer, die so reizend für uns gesorgt hatten, einen bescheidenen Dank abzustatten.

Am nächsten Tag, am 31. August, ging's dann nach Hause. Nicht mit leeren Händen, aber auch nicht nur mit gekauften Andenken. Die Muttis haben sich sicherlich mehr über die schönen Heidesträuße gefreut, über die Samenkolben vom Schilf und die selbstgesammelten Pilze - gleich ganze Kartons voll - als über einen - wenn auch versilberten - Bremer Roland. "

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