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10 Jahre Kinderkuren in AhlhornHauptbüro des Evangelischen Hilfswerks in Oldenburg (Oldb) Aus der Arbeit des Oldenburger Hilfwerks sind die Kinderkuren im "Evangelischen Jugendheim Blockhaus Ahlhorn" nicht wegzudenken. Seitdem das Hilfswerk im Frühjahr 1947 diese Kuren eröffnete, hat es laufend jeweils ca. 35-40 Kinder. die von den Gemeinden ausgewählt wurden, für 4-5 Wochen nach Ahlhorn geschickt, und so haben inzwischen fast 4000 Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren dort Erholung gefunden. Mit großer Mühe und behelfsmäßigen Mitteln - mit Luftschutzbetten, Strohsäcken, einer primitiven Kücheneinrichtung und ebenso primitiven Eßgeschirren usw. wurden die Voraussetzungen geschaffen, um Kinder aufnehmen zu können. Die Konfirmanden von Ahlhorn und Großenkneten zogen mit Handwagen zu den Bauern und sammelten Kartoffeln und Gemüse - später konnten dann Lebensmittel aus dem Erntedankopfer gegeben werden. Bald konnten auch aus den Spenden der ausländischen Kirchen wertvolle Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, so daß die Kinder, die blaß und elend kamen, mit guten Gewichtszunahmen und sehr gebessertem Allgemeinzustand heimkehren konnten. Ganz allmählich wurden die Räume ausgebaut und in einen wohnlicheren Zustand gebracht. Es konnten schönere Möbel angeschafft werden; die hygienischen Einrichtungen wurden durch Einbau von Bade- und Duscheinrichtungen modernisiert, ebenso die Kücheneinrichtungen; die Eßnäpfe aus Blech verschwanden, so daß man heute sagen kann, daß das Heim bei aller Schlichtheit den Erfordernissen eines modernen Kinderheims entspricht - wenn auch noch manche Wünsche zu erfüllen bleiben; insbesondere ist ein Ausbau des Hauses in dem das Kinderheim untergebracht ist, dringend erforderlich, damit die Kinder bei schlechtem Wetter einen größeren Raum und damit mehr Bewegungsfreiheit bekommen. Obgleich bei der Verbesserung der Einrichtungen des Heimes die ausländischen Kirchen in großzügiger Weise geholfen haben, mußten Landeskirche und Hilfswerk in diesen 10 Jahren erhebliche finanzielle Mittel für den Ausbau wie auch für den laufenden Betrieb verwenden, da die "Kurkosten", die von den Gemeinden, Krankenkassen dem Hilfswerk und von den Eltern aufgebracht werden, immer nur einen Teil der entstehenden Kosten decken. Allein für den laufenden Betrieb betragen die jährlichen Zuschüsse des Hilfswerks rund 10 000,- DM. In den vergangenen 10 Jahren sind ca. 40 000 kg hochwertige Lebensmittelspenden des Auslandes im Werte von rund 120 000,- DM in das Jugendheim Blockhaus Ahlhorn geflossen. Dazu ca. 300 000 kg aus dem Erntedankopfer-Spenden aus dem Bereich der Oldenburgischen Landeskirche -. Wenn auch der Gesundheitszustand der Kinder, die heute von den Gemeinden zur Verschickung nach Ahlhorn ausgewählt werden, sich gegenüber den Jahren 1947/48 im Durchschnitt gebessert hat, so müssen wir doch immer wieder feststellen, wie erschreckend erholungsbedürftig auch heute noch die meisten Kinder sind, die ins Heim kommen. Abgesehen von dem schlechten körperlichen Allgemeinzustand, handelt es sich aber auch häufig darum, daß die häuslichen Verhältnisse, in denen die Kinder leben, denkbar unbefriedigend sind, z. B. infolge ungenügenden Wohnraumes, der dann etwa wieder eine nervöse Überreizung der Kinder und vor allem auch der Mütter bedingt - und wie viele von diesen haben ihren Mann im Kriege verloren und müssen sich schwer durchs Leben schlagen. Für diese Kinder ist der Wechsel der Atmosphäre in seelischer und Körperlicher Hinsicht von großem Nutzen. Vier Wochen, die die Kinder in Ahlhorn verleben, bedeuten ja für sie unendlich viel mehr als nur eine Zeit der körperlichen Erholung durch gute Ernährung - so wichtig diese auch ist -, sondern auch durch gründliche Körperpflege, bei der die Atemübungen am Morgen, Sonnen- und Luftbäder am Tage - und nicht zuletzt der regelmäßige Mittagsschlaf eine große Rolle spielen. Unter der sicheren und guten Führung von Fräulein Streubel, die seit 4 Jahren das Heim leitet, wird den Kindern auch in seelischer und geistiger Hinsicht viel geschenkt. Die Umgebung, in der die Kinder in Ahlhorn leben, bietet die Möglichkeit zu den verschiedensten Naturbeobachtungen - ob sie bei Waldspaziergängen Rehe sehen oder im Juni die jungen Wildenten im Schilf beobachten, ob sie den Karpfen in den Teichen zuschauen oder den Fischreiher, die den Karpfen nachstellen - ob sie das Gewimmel eines großen Ameisenhaufens studieren oder den alten Schäfer nach seiner großen Heidschnuckenherde ausfragen - alles ist für die Kinder neu, und alles ist anregend. Mit besonderer Begeisterung werden im Walde und an den Teichrändern Beeren gesammelt, und das Pilzesuchen wird immer von neuem zum auf regenden Erlebnis. Der Sandplatz neben dem Heim bietet Gelegenheit zu den verschiedensten Spielen; einfache Volkstänze machen besondere Freude. Sehr viel wird gesungen, und es ist eine Freude, festzustellen, wie groß der neue Liederschatz ist, mit dem die Kinder von ihrer Kur heimkehren. Zu ihren Abschiedsfeiern pflegen sie jedesmal ein Märchen-Stegreifspiel einzuüben, an dessen Ausgestaltung sie immer selbst lebendig mitarbeiten; wer als Zuhörer solches Spiel erlebt hat, der spürt, wie tief hier Kräfte der Phantasie und des Gemüts angeregt werden. Viele der Kinder, die ins Heim kommen, finden hier zum erstenmal Gelegenheit, sich mit guten Jugendbüchern zu beschäftigen; viele - allzu viele - zeigen zunächst wenig Freude und Ausdauer für das Lesen. Am Schluß einer Kur aber haben doch viele begriffen, wie schön es ist, sich mit einer Decke in eine stille Ecke zurückzuziehen und ein gutes Buch zu lesen. Zu einem festen Bestandteil des Tageslaufes ist das abendliche Vorlesen in den Schlafräumen geworden, das die Kinder nach kurzer Zeit nicht mehr missen wollen. So ist es verständlich, daß der größte Teil der Kinder schweren Herzens am Ende der Kur das Heim verläßt - und daß etwa auf die unbedachte Frage eines Gastes bei einer Abschiedsfeier: "Freut Ihr Euch nun wieder auf zu Hause?" ein allgemeines Schweigen antwortet. Wer das Leben und Treiben der Kinder in Ahlhorn erlebt hat, wer die guten Kurerfolge kennt, der versteht, wie sehr Erhaltung und Ausbau des Heimes dem Oldenburger Hilfswerk am Herzen liegen müssen. |
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